Algenexperiment in der Antarktis Zerstreute Zweifel
Der Eisendüngungsversuch im Südpolarmeer hat begonnen – trotz heftiger Diskussionen im Vorfeld. Jetzt warten die Forscher auf erste Messergebnisse aus dem Ozeanwirbel

© AWI
Forscher lassen eine Senkstofffalle an einem Kran an Bord der Polarstern hinab in den Ozean. Der Eisenkorb soll zu Boden sinkende Algen einfangen
Nun gibt es kein Zurück mehr: Mit einem riesigen Schlauch haben die Forscher sechs Tonnen in Wasser gelöstes Eisen in den Atlantik eingebracht. Über das Schraubenwasser des Forschungsschiffs Polarstern gelang das Eisen nach und nach ins Meer. Zwei Tage lang dauerte das – von nun an soll sich das Eisen durch einen natürlichen Strudel verteilen und den eisigen Ozean auf einer Fläche von 300 Quadratkilometern düngen – eine Fläche so groß wie Bremen.
Für die Biologen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung (AWI) heißt das jetzt: Warten. Bald sollen in diesen Gewässern große Mengen Algen wachsen, das Treibhausgas CO 2 binden und mit ihm auf den Meeresboden sinken. Ob dieser Effekt wirklich eintritt, verfolgen die Forscher über Instrumente an Bord einer Boje, die hier, 200 Kilometer nordöstlich der Insel Südgeorgien, über dem Ozeanwirbel treibt.
Damit hat das derzeit wohl umstrittenste wissenschaftliche Experiment begonnen. Erst am vergangenen Montag hatte Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU) den Versuch namens Lohafex freigegeben . Zuvor mussten vier unabhängige Gutachten die Unbedenklichkeit des Forschungsvorhabens klären.
Als einen "größenwahnsinnigen Plan" hatten die Umweltschützer der Aktionskonferenz Nordsee das Vorhaben kritisiert. Die Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt der Tiefsee seien "kaum abschätzbar". Noch dazu könne Lohafex für die "interessierte Wirtschaft als Alibi für die billige Entsorgung von CO 2 benutzt werden." Unterstützung erhielten sie vom Bundesumweltministerium. Die Ozeandüngung der Forscher untergrabe nicht nur Deutschlands Glaubwürdigkeit und Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Es widerspreche auch den Beschlüssen der 9. Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt, kurz CBD.
- Datum 31.07.2009 - 16:38 Uhr
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- Serie Klima
- Quelle ZEIT ONLINE, 29.1.2009 - 18:29 Uhr
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