Algenexperiment in der Antarktis Zerstreute ZweifelSeite 3/3
"Die Eisenmenge ist verschwindend gering im Vergleich zu den natürlichen Einträgen in das untersuchte Ökosystem." Zudem wirke der Ozeanwirbel, über dem das Experiment stattfindet, wie ein Reagenzglas, der das Eisen in einem gewissen Gebiet halte. Die Menge sei gerade ausreichend, um die notwendigen Untersuchungen zu machen. Tatsächlich werden sechs Tonnen Eisen als Eisensulfat auf 300 Quadratkilometer verteilt.
Einiges deutet also daraufhin, dass die Aufregung beim Bundesumweltministerium (BMU) im Vorfeld des Versuchs damit zusammenhängt, dass man die Beschlüsse der Vertragsstaatenkonferenz eigens auf den Weg gebracht hatte, in denen Projekte zur kommerziellen Ozeandüngung ausdrücklich abgelehnt werden. So überrascht es wenig, dass das BMU ein solches Vorhaben unter deutscher Beteiligung nicht einfach durchwinken konnte.
"Es ist der Eindruck entstanden, Deutschland würde internationales Recht brechen, wenn das Experiment nicht gestoppt würde", sagt Alexander Proelß – doch das treffe nicht zu. Der Rechtsexperte hatte im Auftrag des Bundesforschungsministeriums eines der vier Gutachten zu Lohafex erstellt (klicken Sie hier für ein pdf-Dokument des Gutachtens). Rein rechtlich müsse der Versuch nicht einmal genehmigt werden. "Die Argumente des BMU sind nicht nachvollziehbar". Zudem handeln die Wissenschaftler im Einklang mit den Beschlüssen der CBD. Die untersage kommerzielle Eisendüngung, nicht aber wissenschaftliche Untersuchungen, die in Küstennähe durchgeführt werden und räumlich begrenzt sind.
Zwar ist etwa der Begriff "Küstennähe" kaum definiert, und praktisch jeder kann behaupten, er führe ein wissenschaftliches Experiment durch. Allerdings hat Proelß in seinem Gutachten auch den möglichen politischen Druck untersucht, nachdem sich ein Versuch wie
Lohafex
verbieten würde. Das Ergebnis: Das Düngeexperiment ist unbedenklich, sorgfältig geplant und das Risiko abgewägt. Lediglich angemeldet werden musste der Versuch. Das hat das AWI getan.
Eine Lehre aus der Aufregung haben die Gutachter bereits gezogen: "Wir müssen konkrete Verhaltensregeln aufstellen, damit so etwas nicht mehr passiert", sagt Oschlies. Ob Wissenschaftler, Umweltschutzverbände, Seerechtler und Politiker künftig allerdings an einem Strang ziehen, ist fraglich. Dafür ist das Thema zu umstritten. Allerdings hätten sich die Beteiligten im Vorfeld an einen Tisch setzen können. Denn der Lärm der öffentlichen Diskussion wäre so vielleicht vermeidbar gewesen.
- Datum 31.07.2009 - 16:38 Uhr
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- Serie Klima
- Quelle ZEIT ONLINE, 29.1.2009 - 18:29 Uhr
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