Angst treibt die Regierungen Europas um, gleich welcher politischen Couleur. Die Politiker wissen nicht, ob die Rettungspakete, die sie für ihre Banken schnüren, die erhoffte Wirkung zeigen werden. Sie wissen nicht, was noch für Hiobsbotschaften auf sie warten. Auch haben die Regierenden letzten Endes keinen Schimmer, wie das Ganze enden wird, ob "nur" in tiefer Rezession, ob in ausgewachsener Depression oder am Ende doch in Hyperinflation. Die Ratlosigkeit teilen sie mit Bankiers und Otto Normalverbraucher, der rätselt, wie er sein Erspartes am besten sichern kann.

Selbst Experten operieren an den Grenzen des Wissens. In allem was die Regierungen tun, ist zwangsläufig ein Gutteil trial and error, Versuch und Irrtum, enthalten. Und schließlich ist da die Furcht aller Regierenden vor der Wut der Wähler: Proteste und Demonstrationen von Island bis Griechenland könnten sich als harmloses Vorspiel erweisen, wenn erst einmal die wirtschaftliche Krise richtig anfängt wehzutun.

All diese Sorgen und Ungewissheiten teilt Gordon Brown mit anderen Regierungschefs. Doch kommt noch etwas hinzu, was zu einem Teil die hektischen Aktivitäten der Londoner Regierung erklärt. Es ist die Furcht vor dem nationalen Bankrott. Der Eisberg, der Island versenkte, mit seinen lange Zeit verborgenen toxischen Papieren unter der Meeresoberfläche, könnte Großbritannien das gleiche Schicksal bescheren und die Regierung zwingen, den Internationalen Währungsfonds um Rettung zu ersuchen.

Es gibt ominöse Parallelen zwischen den beiden Ländern: Wie Island hat auch Großbritannien eine maßlos aufgeblähte Finanzindustrie, mit einem Umsatzvolumen, das dem fünffachen Wert des britischen Bruttosozialproduktes entspricht. Auch Großbritannien hat seit langen Jahren ein chronisches Zahlungsbilanzdefizit. Islands private Verschuldung entsprach in 2008 dem doppelten Wert seines BSP, Großbritanniens exzessive private Verschuldung erreichte zuletzt die stolze Höhe von 170 Prozent des Bruttosozialproduktes. Wie die isländische Krone befindet sich auch Pfund Sterling auf steiler Talfahrt, hat fast Parität erreicht mit dem Euro und verlor rasant an Wert im Verhältnis zum Dollar. Zu guter Letzt brüstete sich Islands Regierungschef, darin Gordon Brown ganz ähnlich, damit, die ökonomischen Zyklen - "Boom and Bust" - abgeschafft zu haben.

Paradoxerweise hatte die ökonomische Krise Gordon Brown im vergangenen Herbst vor dem Sturz durch die eigene Partei bewahrt und die unerwartete Chance verschafft, sich der Nation als erfahrener Ökonom zu präsentieren. Für kurze Zeit gab sich Brown der stets illusionären Hoffnung hin, brillantes Krisenmanagement werde das Wahlvolk so beeindrucken, dass er womöglich sogar einen weiteren, den vierten Wahlsieg für Labour werde einfahren können. Im Parlament rutschte dem Premier - es war eine freudsche Fehlleistung par Excellence - der Satz heraus, er habe "die Welt gerettet", als er an die 37 Milliarden Pfund teure Rettungsaktion für britische Banken Ende vergangenen Jahres erinnern wollte. Damals war diese Tat international als weitsichtig und mutig gepriesen und da und dort nachgeahmt worden. Heute sind Browns Umfragewerte in Großbritannien so schlecht wie nie zuvor.

Mittlerweile ist klar, dass die Aktion wirkungslos verpuffte und nicht den gewünschten Effekt erzielte. Die britischen Unternehmen haben nach wie vor enorme Schwierigkeiten, an die dringend benötigten Kredite zu kommen. Die Banken sind immer noch viel zu schwach, um auf eigenen Füßen zu stehen und der britischen Wirtschaft die Liquidität zu verschaffen, die sie braucht, um einigermaßen normal zu funktionieren und die drohende Depression abwehren zu können. Die Londoner Regierung, die Finanzaufsicht und die Banken selbst hatten das Ausmaß der toxischen Papiere massiv unterschätzt.