Holocaust-Gedenken Köhler mahnt zur Solidarität mit den Juden

In der Feierstunde im Bundestag ruft der Bundespräsident zu mehr Engagement gegen Antisemitismus auf. Und beklagt mangelndes Wissen von Schülern über die NS-Zeit

„Es ist eine Schande“, sagt Horst Köhler, und zum ersten und einzigen Mal während seiner Rede brandet Beifall auf. Es sei eine Schande, dass Orte jüdischen Lebens in Deutschland – 64 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft – von der Polizei geschützt werden müssten, mahnt der Bundespräsident, und er fordert die Deutschen auf: "Stellen wir uns an die Seite unserer jüdischen Landsleute. Wer sie angreift, greift uns alle an."

Zum 14. Mal erinnert das Parlament an diesem 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee, an die Opfer  der Judenverfolgung und -vernichtung. Erstmals ist Horst Köhler der Hauptredner, und der Bundespräsident weiß durchaus, dass zwischen den Sonntagsreden und dem Alltag in Deutschland immer noch Welten liegen. Obwohl, wie Köhler sagt, es ein „Geschenk“ sei, dass heute in Deutschland wieder jüdisches Leben erblühe und Gemeinden wüchsen.

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Es ist keine einfache Rede für Köhler. An dem Pult, an dem aus diesem Anlass zuletzt unter anderem die Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Imre Kertész und Elie Wiesel zu den Abgeordneten gesprochen haben, steht nun also das deutsche Staatsoberhaupt. Es ist kein Ort für ritualisiertes Erinnern.

Der Gedenktag fällt in diesem Jahr schließlich in eine unruhige Zeit. Der Krieg zwischen Israel und Palästinensern hat die Menschen und die Politik aufgeschreckt und dem Antisemitismus auch in  Deutschland neue Nahrung gegeben. Auch deutsche Juden sehen sich wieder zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. Während des Gaza-Kriegs hat der Zentralrat der Juden pro Woche zwischen 200 bis 300 Hass-Mails erhalten, 40 Prozent mehr als in anderen Zeiten. Etwa jede zehnte Mail enthielt Morddrohungen.

Zudem hat der Zentralrat am Morgen für einen kleinen Eklat gesorgt. Er hat seine Teilnahme an der Feierstunde im Bundestag abgesagt. Der Zentralrat ist nach Aussage seines Generalsekretärs Stephan Kramer verärgert darüber, dass Vertreter seiner Organisation nicht eigens begrüßt und wieder „nur als Zaungäste betrachtet" würden. Dies sei respektlos und widerspreche dem Geist der Veranstaltung.

Horst Köhler geht auf diesen eher protokollarischen Zwist nicht ein. Er spricht stattdessen über die vielen Initiativen und Projekte in Deutschland, die die Erinnerung an den Holocaust wachhalten. Er beklagt, dass die Auseinandersetzung mit dem Naziregime und seinen Verbrechen zwar in den Lehrplänen aller Schulformen stünden, es mit dem Geschichtswissen der Jugendlichen trotzdem „nicht zum Besten" stehe. Er fordert deshalb, „für junge Menschen auch viele Wege außerhalb des Klassenzimmers“ zu bahnen, damit „die Seele jedes Menschen berührt wird vom Leid der Opfer, vom Mut der Helfer und von der Niedertracht der Täter".

Auch den aktuellen Konflikt im Nahen Osten spart Köhler nicht aus. Er mahnt, den  „Teufelskreis der Gewalt“ zu durchbrechen, und er hebt hervor, „dass sich die Bundesregierung aktiv in diesen Prozess einbringt“. Natürlich stehe Deutschland mit seiner Geschichte „in besonderer Verantwortung für Israel“. Deshalb wollten die Deutschen, „dass die Bürger Israels in sicheren Grenzen frei von Angst und Gewalt leben können“. Aber sie wollten eben auch, „dass das palästinensische Volk in einem eigenen lebensfähigen Staat seine Zukunft finden kann".

Mehr kann ein deutsches Staatsoberhaupt, zumal an einem solchen Tag, nicht sagen. Aber es ist deutlich genug.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Seils schreibt: "Der Krieg zwischen Israel und Palästinensern hat die Menschen und die Politik aufgeschreckt und dem Antisemitismus auch in Deutschland neue Nahrung gegeben" -- und unterstellt somit indirekt allen Kriegsgegnern Rassismus -- die Oberkategorie des Antisemitismus.

    Professor Noam Chomsky stellt hingegen mit gewohnter Faktengenauigkeit klar, daß nicht die Kriegsgegner, sondern die Kriegsplaner rassistische Motive hatten:
    "Exterminate all the Brutes": Gaza 2009
    deutsche Übersetzung:
    "Löscht alle Wilden aus": Gaza 2009

    Damit wird auch der pauschale Anitsemitismusvorwurf an Teile der deutschen Bevölkerung mit Chomskis Worten zum propagandistischen Konsens basierend auf einem selektiven Kurzzeitgedächtnis, einer introvertierten Weltsicht und einer Doppelmoral.
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

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    Jeder darf alles schreiben, ohne dass es einen Bezug zu Tatsachen bedarf.

    Jeder darf alles schreiben, ohne dass es einen Bezug zu Tatsachen bedarf.

  2. Jeder darf alles schreiben, ohne dass es einen Bezug zu Tatsachen bedarf.

  3. Wär ja auch schlimm wenn Israels Vorgehen mit echten Argumenten verteitigt werden müsste.
    (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

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    sonst haben wir in kurzer Zeit hier den üblichen Flame-War zwischen den Anhängern beider Kriegsparteien...
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    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    sonst haben wir in kurzer Zeit hier den üblichen Flame-War zwischen den Anhängern beider Kriegsparteien...
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    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    • Anonym
    • 27.01.2009 um 16:33 Uhr

    Was soll das denn bitte sein, wieso gedenken wir nur den ermordeten juden und warum sollen wir den gang nach kanossa zum ZdJ einlegen?
    Ich würde behaupten das es >15 Mio. nichtjüdische sovejtische Zivilisten das Leben gekostet hat, ich würde behaupten, das sowohl Zigeuner, Homosexuelle, Kommunisten, Zeugen Jehovas, SPDler Christliche Geistliche usw. in Konzentrationslagern getötet wurden, wer redet von denen?
    Herr Köhler tut es nicht, wer hier den Vorwurf von Pro-Israelischer Meinungsmache vorträgt, könnte recht haben, muss aber nicht.
    (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/jk)

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    - die Reorganisation und Germanisierung Mitteleuropas sowie Endlösung der Minderheitenfragen, eine dieser unerwünschten Minderheiten waren Angehörige jüdischen Glaubens.

    Bitte hier weiterlesen:
    http://kommentare.zeit.de...
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    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    - die Reorganisation und Germanisierung Mitteleuropas sowie Endlösung der Minderheitenfragen, eine dieser unerwünschten Minderheiten waren Angehörige jüdischen Glaubens.

    Bitte hier weiterlesen:
    http://kommentare.zeit.de...
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    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

  4. sonst haben wir in kurzer Zeit hier den üblichen Flame-War zwischen den Anhängern beider Kriegsparteien...
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    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

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    Zumal üblicherweise die Kriegsbefürworter nichts besseres zu bieten haben als "Hamas schiesst Raketen". Sobald man anfängt über die Geschichte und die Ursachen des Konfliktes Fragen zu stellen blocken die ab. "Die Geschichte ist nicht wichtig, den Hamas schiesst Raketen und wir sind schliesslich Juden und es gibt den Antisemitismus" heisst es dann. Kein Wunder, denn wenn man die historische Sachlage seit der Gründung des Staates Israel mit in Betracht zieht, dann sieht es für sie schlecht aus.

    Zumal üblicherweise die Kriegsbefürworter nichts besseres zu bieten haben als "Hamas schiesst Raketen". Sobald man anfängt über die Geschichte und die Ursachen des Konfliktes Fragen zu stellen blocken die ab. "Die Geschichte ist nicht wichtig, den Hamas schiesst Raketen und wir sind schliesslich Juden und es gibt den Antisemitismus" heisst es dann. Kein Wunder, denn wenn man die historische Sachlage seit der Gründung des Staates Israel mit in Betracht zieht, dann sieht es für sie schlecht aus.

  5. Schön. Herr Köhler bedauert, dass die deutsche Polizei jüdische Gedenkstätten schützen muß. Was er leider nicht bedauert hat, ist der einmalige Vorfall in Duisburg, bei dem die deutsche Polizei eineWohnungstür eingetreten hat um eine israelische Fahne am Balkon niederzureissen zu können. Also wiedermal Solidarität mit toten, aber nicht mit lebenden Juden. Das ist wertloses Geschwätz.

  6. - die Reorganisation und Germanisierung Mitteleuropas sowie Endlösung der Minderheitenfragen, eine dieser unerwünschten Minderheiten waren Angehörige jüdischen Glaubens.

    Bitte hier weiterlesen:
    http://kommentare.zeit.de...
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    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    Antwort auf "Erbsünde?"
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    • eluutz
    • 27.01.2009 um 16:47 Uhr

    Ist das jetzt eine neue Taktik, den Mord an den Juden zu relativieren, indem man auf die anderen Verbrechen Deutschlands im 2ten Weltkrieg hinweist? Ein Verbrechen rechtfertigt kein anderes.

    • eluutz
    • 27.01.2009 um 16:47 Uhr

    Ist das jetzt eine neue Taktik, den Mord an den Juden zu relativieren, indem man auf die anderen Verbrechen Deutschlands im 2ten Weltkrieg hinweist? Ein Verbrechen rechtfertigt kein anderes.

    • eluutz
    • 27.01.2009 um 16:47 Uhr

    Ist das jetzt eine neue Taktik, den Mord an den Juden zu relativieren, indem man auf die anderen Verbrechen Deutschlands im 2ten Weltkrieg hinweist? Ein Verbrechen rechtfertigt kein anderes.

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