Hamburger SV Machtkampf zwischen Basis und Vorstand

Der HSV gilt als Bastion der Demokratie. Die Mitglieder können am Sonntag sogar den Boss Bernd Hoffmann putschen. Bloß: Ist Mitbestimmung im Fußballgeschäft hilfreich?

Am Sonntag wählen die Mitglieder des Hamburger SV acht von zwölf Mitgliedern ihres Aufsichtsrates neu. Das Gremium entscheidet unter anderem darüber, ob der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann verlängert wird. Angeblich plant ein Teil der rund 45.000 Mann starken Supporters-Abteilung, sich die Macht zu sichern, um Hoffmann abzusetzen. Das mutmaßt zumindest die Hamburger Boulevardpresse, seit bekannt ist, dass die Supporters vier Kandidaten ins Rennen schicken. Die lokale Prominenz hat sich den Warnungen angeschlossen, etwa Uwe Seeler, Ole von Beust und einige ehemalige Funktionäre. Muss Hoffmann um seinen Job fürchten?

Hoffmann führt seit fast sechs Jahren den Verein und kann wirtschaftlich sowie sportlich eine gute Bilanz präsentieren. Den Stolz darauf merkt man ihm an. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er jedoch versucht, die Profiabteilung des HSV in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Um unabhängiger und professioneller handeln zu können, sagt er. Um das Tafelsilber des Klubs für den schnellen Erfolg zu verkaufen und den Fußball den Mitgliedern zu entziehen, sagen die Kritiker. Die Mitglieder lehnten seinen Plan damals eindeutig ab. Der Argwohn mancher ist geblieben. Einerseits.

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Andererseits treten die sonst gerne kritischen Supporters derzeit sehr brav auf. Auf der Wahlkampfveranstaltung in der vorigen Woche in einem Hamburger Hotel gab es nur lobende Worte für den Vorstand. Auch Ralf Bednarek, Chef der Supporters, sagt: "Der Vorstand macht gute Arbeit. Es geht um den Aufsichtsrat, nicht um den Vorstand."

Doch viele, auch aus den eigenen Reihen, halten diesen Kurs für unglaubwürdig. "Habt ihr Kreide gefressen – jetzt, kurz vor der Wahl?", fragt ein Zuhörer. In den Fan-Foren gibt es seit Monaten Kritik an den Supporters, auch im Stadion waren Differenzen nicht zu überhören. Auch Hoffmann gibt vor, keine Angst um seinen Job zu haben. Allenfalls hege er Bedenken, das Alltagsgeschäft könne unter einem widerspenstigen Aufsichtsrat leiden.

Es geht um Macht, auch wenn die Kandidaten das so nicht aussprechen. "Ich verfolge keine persönlichen Interessen, mir geht es um den Verein", sagt Johannes Liebnau, einer der vier Kandidaten. Liebnau wäre ein ungewöhnlicher Aufsichtsrat. Nicht nur, weil er erst 26 Jahre alt ist, sondern weil er der "Capo" ist, der Vorsänger in der HSV-Fankurve. Auch wenn er es von sich weist – natürlich ist auch das ein statusreicher Posten. Einer, der einem das Gefühl von Bedeutung schenkt. Die Tausende in der Kurve lassen sich nicht von jedem dirigieren, das darf nur einer, der in der Hierarchie oben steht. Darf jemand, der Schmähgesänge auf Werder Bremen anstimmt, einen hanseatischen, renommierten Sportverein repräsentieren?

Liebnau ist ein eloquenter Typ mit Studienabschluss Diplom-Betriebswirt. Auch die anderen Supporters-Kandidaten sind keine Halbstarken oder Hooligans. Anja Stäcker ist Bankkauffrau, Ingo Thiel ist Unternehmer, und Manfred Ertel ist Journalist. Ertel, der als Hoffmann-Gegner gilt, verkaufte sich während der Wahlveranstaltung sehr überzeugend. Es gehe ihm zeit seines Lebens um die "Kontrolle von Mächtigen", sagte der Spiegel-Redakteur zu seiner Motivation, sich für das Ehrenamt Aufsichtsrat zu bewerben. Er verbitte es sich, als "Idiot öffentlich herabgesetzt zu werden", wie das einige Altvordere des Vereins in den Medien taten. Es ist Ertel, der die Skepsis Hoffmanns auf sich zieht. Liebnau weniger.

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