Kfz-Steuerreform Grüne fordern Mehrbelastung für Klimakiller

Auch der Kompromissvorschlag der Union würde schwere Diesel-Autos im Vergleich zu heute besserstellen, kritisieren die Grünen. Die FDP fordert die Abschaffung der Steuer

Ein erster Gesetzentwurf zur Reform der Kfz-Steuer, der unter Druck der Union und des Wirtschaftsministeriums zustande kam, war in der vergangenen Woche am Widerstand der SPD und des Umweltministeriums gescheitert. Den Plänen zufolge wären vor allem Autos mit großem Hubraum, die entsprechend viel Benzin verbrauchen und CO 2 produzieren, deutlich entlastet worden.

Nach breiter öffentlicher Kritik hat sich die Union dazu bereit erklärt, auf eine Deckelung des auf den Hubraum bezogenen Steueranteils zu verzichten. Wie schon jetzt würde demnach auch in Zukunft gelten, dass die Steuer umso höher ausfällt, je größer der Hubraum des Autos ist. Zusätzlich soll allerdings berücksichtigt werden, wie hoch der CO 2 -Ausstoß ist.

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Unter anderem hatte sich auch der ADAC gegen die Deckelung gewandt. ADAC-Präsident Peter Meyer warnte in einem Brief an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eindringlich davor, im Zuge der Reform große PKW mit hohem Kraftstoffverbrauch finanziell zu bevorzugen. Dies sei "in keiner Art und Weise zu rechtfertigen", heißt es in dem Schreiben, das ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Der ADAC lehne deshalb eine solche Gestaltung "in aller Entschiedenheit ab". Sie würde, so der Wortlaut des Schreibens, "nicht nur den Leitgedanken einer CO2-orientierten Reform der Kfz-Steuer in Frage stellen, sondern auch die notwendige breite Akzeptanz der ganzen Reform bei der Bevölkerung verhindern".

Sinnvoller als eine Deckelung der hubraumabhängigen Steuerkomponente sei es, den notwendigen Energiesteuerausgleich in den eigentlichen CO2-Tarif zu integrieren. Dies ermögliche auch eine "völlige Steuerfreiheit besonders verbrauchsarmer Fahrzeuge", so Meyer.

Nach Ansicht des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen, Winfried Hermann, wird das diskutierte Modell jedoch selbst ohne Deckelung ökologischen Kriterien nicht gerecht. So werde der Audi Q 7 mit sechs Litern Hubraum und 298 Gramm CO 2 -Ausstoß nach wie vor um 3,2 Prozent im Vergleich zur jetzigen Regelung entlastet. Das ist zwar eine Verbesserung im Vergleich zu einem ersten Entwurf, demzufolge die Kfz-Steuer für dieses Auto um fast ein Drittel gesunken wäre. Gleichwohl habe die Große Koalition ihr Ziel aus den Augen verloren, Fahrzeuge mit hohem CO 2 -Ausstoß deutlich teurer zu machen, so Hermann. Stattdessen gehe es jetzt offenbar nur noch darum, die schweren Dieselfahrzeuge deutscher Hersteller zu schonen.

Nach dem grünen Kfz-Steuermodell mit einem progressiven Steuerverlauf müsste der Halter eines Audis Q 7 insgesamt 2982 Euro zahlen. Dafür würden Autos mit weniger als 120 Gramm CO 2 -Ausstoß für vier Jahre ganz von der Steuer befreit.

Der naturschutzpolitische Sprecher der Linkspartei, Lutz Heilmann, forderte ebenfalls eine Mehrbelastung von Spritschluckern. Andernfalls sei eine Kfz-Steuerreform überflüssig.

Leser-Kommentare
  1. Killer sind für eine Gesellschaft lebensgefährlich. Sie müssen nicht mehr oder minder belastet werden, sondern ihnen gehört das "Handwerk" gelegt. Mit aller Härte des Gesetzes.
    Es sei denn sie sind im Dienst des Staates. Dann bekommen sie Orden und Pensionen.

  2. Der Sprachgebrauch deutet schon auf einen Kampf hin.
    Vermutlich sind hier die Klimaschützer, die Guten, die uns vor den Klimakillern, die Achsen der Bösen beschützt.
    Die Klimakiller und Klimaschweine, sind vielleicht am Anfang noch die Maschinen, am Schluss wird es auf die Besitzer übertragen.
    Die Frage die sich stellt ist, wie man die Elektroautos bewerten will. Denn wenn die Elektrokraftwerke die CO2 Verschmutzungsrechte bereits bezahlt haben, dann müssten die E-Autos Steuerfrei sein, wenn man dieser Logik folgt.
    Irgendwann wird das "gerechteste" CO2 System gefordert, und das bedeutet Satelittenmaut für alle PKW auf allen Strassen. Wenn dann damit alle Fahrten überwacht werden, wird man erkennen dass das gerechteste System die kleinste Privatsphäre zulässt.

    kwer-denker

  3. Warum macht man diese Steuer nicht progressiv wie die Lohnsteuer. Also kein linearer Anstieg der Kruve, sondern ein exponentieller? Was bei der Lohnsteuer allgemein aktzeptiert ist (Reiche können mehr beitragen zum Wohle der Gesellschaft) könnte hier genauso gemacht werden. Z.B. könnte die Steuer bei dopelt so viel CO2-Ausstoß viermal so hoch sein.

  4. --- Kritik kommt auch von der FDP. Deren Vorsitzender Guido Westerwelle plädierte für die vollständige Abschaffung der Steuer. Stattdessen solle die Mineralölsteuer erhöht werden. ---

    Das ist doch super. Dann brauchen die Einwohner von zum Beispiel Konstanz, Aachen, Saarbrücken und Passau diesen Steueraufschlag nicht zu bezahlen.

    Wie war das doch ... Vor dem Sprechen ....

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  5. kommt auch hinten wieder raus. Mir fällt keine vernünftiger Grund dagegen ein, die Kfz-Steuer auf die Mineralölsteuer umzulegen.
    Daß die Bewohner der Grenzregionen die Steuer durch Tanken im Ausland umgehen können, ist auch jetzt schon so, ohne daß man die Mineralölsteuer abschaffen will.
    Steuerausfälle in den Grenzregionen werden durch eingesparte Bürokratiekosten für die Kfz-Steuer aufgewogen.

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    "Was vorne reingeht, kommt auch hinten wieder raus."

    Was CO2 angeht, haben Sie völlig recht.
    Was CO, HC, NOx und Partikel angeht, hängt der Ausstoß von der Abgasanlage ab. Dies wurde bei der bisherigen Kfz-Steuer berücksichtigt. Das war auch gut so und ein vernünftiger Grund für die Kfz-Steuer.

    Die neue Kfz-Steuer scheint den Schadstoffausstoß (die Euro-Klassifizierung) nicht mehr zu berücksichtigen. Dann kann man auf die Steuer wirklich verzichten und die Kosten auf die Mineralölsteuer umlegen.

    Aber aus den oben genannten Gründen finde ich die alte Kfz-Steuer besser als die neue.

    "Was vorne reingeht, kommt auch hinten wieder raus."

    Was CO2 angeht, haben Sie völlig recht.
    Was CO, HC, NOx und Partikel angeht, hängt der Ausstoß von der Abgasanlage ab. Dies wurde bei der bisherigen Kfz-Steuer berücksichtigt. Das war auch gut so und ein vernünftiger Grund für die Kfz-Steuer.

    Die neue Kfz-Steuer scheint den Schadstoffausstoß (die Euro-Klassifizierung) nicht mehr zu berücksichtigen. Dann kann man auf die Steuer wirklich verzichten und die Kosten auf die Mineralölsteuer umlegen.

    Aber aus den oben genannten Gründen finde ich die alte Kfz-Steuer besser als die neue.

  6. "Was vorne reingeht, kommt auch hinten wieder raus."

    Was CO2 angeht, haben Sie völlig recht.
    Was CO, HC, NOx und Partikel angeht, hängt der Ausstoß von der Abgasanlage ab. Dies wurde bei der bisherigen Kfz-Steuer berücksichtigt. Das war auch gut so und ein vernünftiger Grund für die Kfz-Steuer.

    Die neue Kfz-Steuer scheint den Schadstoffausstoß (die Euro-Klassifizierung) nicht mehr zu berücksichtigen. Dann kann man auf die Steuer wirklich verzichten und die Kosten auf die Mineralölsteuer umlegen.

    Aber aus den oben genannten Gründen finde ich die alte Kfz-Steuer besser als die neue.

    Antwort auf "Was vorne reingeht"

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