Rebellenchef gefasst Neue Hoffnungen für Ostkongo
Die Festnahme des kongolesischen Kriegsherren Nkunda ist Ergebnis einer neuen Allianz mit dem Nachbarland Ruanda. Sie eröffnet Chancen für eine Lösung des Konflikts

© ROBERTO SCHMIDT/AFP/Getty Images
Rebellenchef Laurent Nkunda: Der berüchtigte Guerillo wurde nun in Ruanda verhaftet
Für Laurent Nkunda dürfte es sich wie eine doppelte Niederlage angefühlt haben: Nach einem internen Machtkampf in seiner ostkongolesischen Tutsi-Rebellenarmee CNDP haben sich seine Mitstreiter, darunter sein bisheriger Vize, Anfang Januar von ihm abgewandt und mit der Regierungsarmee verbündet. Am späten Donnerstagabend wurde der Rebellengeneral und größte Kriegsherr festgenommen – ausgerechnet in Kongos Nachbarland Ruanda, in dem er sich bisher stets sicher bewegen konnte und Unterstützung fand.
Durch die Festnahme Nkundas haben die politischen Gespräche über eine Lösung des Konflikts im Ostkongo plötzlich eine Chance. Möglich gemacht hat dies eine Allianz zwischen Kigali und Kinshasa, die vor wenigen Wochen noch unmöglich schien.
Lange hatte die Regierung in Kinshasa dem Nachbarland Ruanda vorgeworfen, mit heimlicher Unterstützung Nkundas einen Stellvertreterkrieg im Ostkongo zu führen, um sich Zugang zur ostkongolesischen Region Nord-Kivu mit seinen reichen Bodenschätzen zu sichern. In Ruanda hat Nkunda, der zum Volk der Tutsi gehört, bisher auf politische Rückendeckung hoffen können.
Der General hatte 1994 in der Ruandischen Patriotischen Front (RPF) des heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame gekämpft und mit dem Sturz des Hutu-Regimes den grausamen Völkermord an mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu beendet. Seinen Kampf gegen die Regierungsarmee begründete er stets mit dem Schutz der kongolesischen Tutsi vor den ruandischen Hutu-Milizen der FDLR, die 1994 in den heutigen Kongo geflohen waren.
Schon seit Anfang Januar, als die ersten Berichte über den Machtkampf in Nkundas CNDP aufkamen, war unklar, wie viel Einfluss Nkunda überhaupt noch hat. Bei den Gesprächen über eine politische Lösung des Kivu-Konflikts saßen in der kenianischen Hauptstadt keine Vertreter seiner CNDP, wohl aber Regierungsvertreter aus Ruanda mit UN-Sonderbotschafter Olusegun Obasanjo am Verhandlungstisch.
Anfang Dezember einigten sich die Regierungen Kongos und Ruandas nicht nur auf die Verbesserung ihrer Beziehungen, sondern auch auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die FDLR. Seit Anfang der Woche folgen diesen Worten Taten. Etwa 3500 ruandische Soldaten rücken zusammen mit kongolesischen Truppen gegen die Hutu-Milizen vor. Am Donnerstag erreichten sie Masisi, bisher einer der Stützpunkte Nkundas, der es nun offenbar für angeraten hielt, sich mit seinen verbliebenen Getreuen ins Nachbarland abzusetzen.
- Datum 20.04.2009 - 16:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, rtr
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