Angriff Die Rätsel um den Fall MannichlSeite 2/2
Die Tätowierungen: Eine knappe Woche nach der Tat veröffentlichte die Polizei zwei Phantomzeichnungen von Tätowierungen und Beschreibungen mehrerer Verdächtiger. Eine Zeugin wollte sie an einer Tankstelle gesehen haben. Auf den Bändern der Videoüberwachung jener Tankstelle ist die Zeugin aber nicht zu sehen; sie war wohl gar nicht dort. Die Ermittler verfolgten die angebliche Spur dennoch weiter, ließen sie aber inzwischen fallen. Wegen der Aussagen der Zeugin wurde ein Ehepaar aus der Münchener Neonazi-Szene verhaftet; es kam nach sechs Tagen frei, weil es ein Alibi hatte.
Die Informationspolitik : Die Sonderkommission „Fürstenzell“ teilte zuletzt mit, dass knapp 500 Hinweise eingegangen seien – aber offenbar keine brauchbaren. Denn zugleich wurde die Belohnung auf 20.000 Euro vervierfacht. In den ersten zwei Wochen nach der Tat gab die Passauer Polizei 17 Pressemitteilungen heraus, umgehend war von einer „Motivlage aus dem rechten Spektrum“ die Rede. Die CSU inszenierte sich daraufhin als Vorreiterin eines neuen Verbotsverfahrens gegen die NPD.
Die Ermittlungen: Die Polizeigewerkschaft und andere Experten rügen, dass zunächst die Passauer Kripo ermittelte, obwohl das Opfer ihr Chef ist. Denn dadurch seien die Beamten befangen und womöglich geneigt, nur bestimmten Spuren nachzugehen. Mittlerweile hat das Landeskriminalamt die 50-köpfige Soko übernommen, die sich jetzt nur noch sporadisch äußert. Erst Wochen nach der Tat ließ sie den Stich rekonstruieren und den Tatort genauer nach Spuren absuchen. Solche Schlamperei fördert Spekulationen, die Rechtsextreme im Internet genüsslich anfeuern.
Die Gerüchte: Anfang Januar war unter dem Briefkopf der Polizeidirektion Passau von einem „Familiendrama“ die Rede, doch die Schreiben an Redaktionen erwiesen sich als gefälscht. Sie wirkten trotzdem: Die Gerüchte verstummen nicht, der Täter sei in der Familie Mannichl zu suchen; von einem Eifersuchtsdrama wird gemunkelt, von psychischer Krankheit und Drogensucht – was man sich so alles ausdenken kann. Die Soko teilte mit, sie ermittle nunmehr „in alle Richtungen“.
Die Lücken: Mannichls Beschreibung sollte ausreichen, um in den Karteien des Staatsschutzes einen möglichen Täter aus der rechten Szene ausfindig zu machen. Doch bislang haben die Ermittler keinen bulligen Glatzkopf mit Tätowierung oder Leberfleck gefunden. Seltsam ist auch, dass in der ringförmigen Reihenhaussiedlung, in der die Nachbarn dicht an dicht wohnen und jeder Fremde auffällt, niemand den Angreifer bemerkt haben will.
Die Zukunft: In Bayern wird nun spekuliert, die Polizei habe gar kein Interesse daran, den Täter zu finden. Denn zum einen wäre es fatal, wenn sich nach der anfänglichen Aufregung herausstellen sollte, dass Rechtsextremisten nichts mit dem Attentat zu tun hatten und die Fahnder nur in eine falsche Richtung ermittelt hätten. Zum andern heißt es, Mannichl sei kein beliebter Chef, neige zum Jähzorn. Nicht jeder Beamte unterstütze seinen Kampf gegen die Rechten. Gemutmaßt wird sogar, Gerüchte würden gezielt gestreut. Es kann also sein, dass der Fall Mannichl nie gelöst wird.
- Datum 28.01.2009 - 12:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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