Mode Rock wie Hose

Musiker sind Stilikonen. Sie prägen Mode und Klubkultur. Das wird während der Fashionweek, die am Mittwoch in Berlin eröffnet, besonders deutlich

In diesem Jahr wird bei der Fashion Week besonderer Wert auf die Musik gelegt: Es gibt eine "Fashion Rock Night“, das Label Kitty-Yo präsentiert einen Abend und beim Rucksackhersteller Eastpak spielen Polarkreis 18 ( Allein, allein ) den Soundtrack für die Modenschau. Musik und Mode inspirieren sich gegenseitig.

Als Designer Hedi Slimane nach seiner Zeit bei Yves Saint Laurent bei der altehrwürdigen Konkurrenz von Dior antrat und eine Männerlinie in XS entwickelte, führte er wie kein anderer Designer zuvor Mode und Musik zusammen. Bei den Dior-Homme-Shows traten Bands wie Phoenix auf, er steckte Pete Doherty in seine schmalen Anzüge und fotografierte dessen Band in Dior. Immer war Slimane auf der Suche: nach neuer Musik, nach der perfekten Symbiose aus Musik und Mode.

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Diese Symbiose ist keine Neuschöpfung: Musik und Mode befruchten sich seit jeher. Früher dienten gesellschaftliche Normen dazu, Jugend zu kontrollieren und einzuschränken. Anfang der Sechziger war die Mode passend zum aufkommenden Beatsound der Reflex auf das Bürgertum: Die Beatles schockten mit Pilzfrisuren, die kurzen Röcke der Mädchen samt wild-toupierter Frisuren empörten. Die Stones setzten dann noch eins drauf, in dem sie gänzlich auf die Krawatte verzichteten. Das Publikum reagierte auf Sound und Mode der Bands – die Bands ließen sich wiederum vom Publikum inspirieren.

Nicht anders war es bei den Blumenkindern der späten 60er. Die Hippies mit ihren bunten Batikhemden und Schlaghosen begehrten mit Songs und Kleidung auf. In den 70ern kam mit Malcolm McLaren der Punk. Er hatte mit Designerin Vivienne Westwood eine Boutique in London eröffnet: "Sex". Dort verkaufte das Paar Nietengürtel, Karohosen, Hosenträger, die nichts trugen, sondern runterhingen. McLaren suchte aber auch Mitglieder für eine Band, die er gründen wollte: Als John Lydon in den Laden spazierte, waren die Sex Pistols geboren: Sound und Look waren eins. Es folgten die Achtziger und mit ihnen Disco. Nun ging es nicht mehr ums Aufbegehren - was nun zählte: die Nacht unter der Diskokugel, Vergnügen, Schrillheit. Mode und Musik verloren die emotionale Beziehung: Man stylte sich eher, als ein Statement zu setzen. Aussagen, Angriffe, Provokationen waren einmal.

Heute. Es ist ein typischer Freitagabend. Die Szene zieht los, geschminkt und gut gelaunt - und würde man es mit den Bildern von "früher" vergleichen, hat sich eigentlich nicht viel geändert. Jede Szene hat ihren Code, ihren Style. Im Bang-Bang-Club sieht man bei der Indie-Party "Death by Pop" Jungs in Röhrenjeans mit weißen Hemden und schmalen Krawatten, das Haar ist gescheitelt und etwas länger. Die Mädchen tragen eher dunkle Klamotten, wenig Schminke und sind modisch von den Jungs gar nicht eindeutig zu unterscheiden. Getanzt wird zu den Babyshambles, Strokes, MGMT und Oasis.

Im Tape-Club tanzt man derweil zu Elektro: Hier wirkt alles etwas wilder, lauter, heller. Hier tragen die Leute Jeans und Shirts. Und doch fehlen die immergleichen Frisuren, die Indie-Codes. Im Tape wird einfach gefeiert, da treffen sich alle Szenen.

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