Nahost-Konflikt Aus Islamisten Salonlöwen machen

Wie kann Obama die Radikalisierung in Nahost stoppen? Indem er auf allen Ebenen Gespräche beginnt

Das bloße Durchhalten gegen Israel verleiht Hamas  Heldenstatus: Pro-Hamas- und Hisbollah-Demonstration am 20. Januar in Teheran/Iran

Das bloße Durchhalten gegen Israel verleiht Hamas Heldenstatus: Pro-Hamas- und Hisbollah-Demonstration am 20. Januar in Teheran/Iran

Trauer und Triumph, Zerstörung und Neuanfang, Desillusionierung und Zuversicht – das alles liegt dicht beieinander in der abgelaufenen Woche. Im Nahen Osten wich der Krieg zwischen Israel und Hamas in Gaza nach drei Wochen endlich einem Waffenstillstand. In Washington übernahm Barack Obama in einer historischen, bewegenden Feier das Oval Office im Weißen Haus.

Der neue US-Präsident erwähnte bei seiner Antrittsrede in der Mall von Washington den Krieg bemerkenswerterweise nicht. Dafür rief er am Tag danach als einen der ersten ausländischen Führer Machmud Abbas an, den noch amtierenden palästinensischen Präsidenten. Barack Obama scheint – ganz anders als sein Vorgänger – den palästinensisch-israelischen Konflikt als gefährliche Konfrontation und vordringliche Aufgabe zu begreifen. Das ist gut, aber wird es reichen, um den Konflikt zu entschärfen?

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Kaum. Barack Obama wird im Mittleren Osten nur dann Erfolg haben, wenn er die monumentalen Fehler seines Vorgängers erkennt und durchgreifend korrigiert. Er muss vorerst mit den von George Bush geschaffenen neuen Kräfteverhältnissen leben: Die Fanatiker und Verstockten sind obenauf. Wie kann Obama die weitere Radikalisierung der Region stoppen?

Drei Kriege haben die USA und Israel in der arabischen Welt geführt. Der erste, im Irak 2003, hat die irakische Republik als gewichtigen Spieler auf dem Mächteschachbrett eliminiert und so Iran den Aufstieg zur regionalen Vormacht ermöglicht. Der zweite Krieg, im Libanon 2006, hat den Hisbollahführer Hassan Nasrallah zum gefeierten Helden des "Widerstands" gegen Israel gemacht. Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte des Mittleren Ostens ist ein radikaler schiitischer Führer zum leuchtenden Idol der sunnitisch-arabischen Welt geworden.

Der dritte Krieg, im Gaza-Streifen 2009, hat wahrscheinlich die islamisch-nationalistische Hamas zur mächtigsten Partei der Palästinenser gemacht. Machmud Abbas, dessen Amtszeit bereit abgelaufen ist, steht da als diskreditierter Verbündeter Israels, der während der Bomben auf Gaza seinen politischen Vorteil suchte. Die Hamas-Führer aber hatten Gelegenheit, mit dem wilden Raketenbeschuss israelischer Städte bei den Arabern für sich zu werben.

Hamas’ schwindende Popularität, ihre blinde Brutalität, ihre Verfolgung Andersdenkender, ihre Unfähigkeit zu regieren – vor dem Krieg große Themen, die viele Palästinenser nun vergessen haben. Das bloße Durchhalten gegen Israel verleiht Hamas in der ganzen Region den Heldenstatus. Wieder haben die Gegner Israels und Amerikas nicht den militärischen, aber den politischen Sieg davongetragen. Auf die nächste palästinensische Wahl darf sich Hamas jetzt schon freuen.

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