Die Vernichtung der Juden sei "ein Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen", sagte der Papst am Mittwoch während seiner wöchentlichen Generalaudienz in Rom. Er verurteile "die gnadenlose Ermordung von Millionen Juden". Der Holocaust dürfe nicht geleugnet oder relativiert werden.

Der Papst nahm damit zu dem Streit um den traditionalistischen Bischof Richard Williamson Stellung, dessen Exkommunikation er in der vergangenen Woche zurückgenommen hatte. Allerdings nannte er Williamson nicht beim Namen. Gegen den Bischof wird wegen Leugnung des Holocaust ermittelt. In einem vom schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Interview hatte er gesagt: "Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gegeben hat." In den Konzentrationslagern der Nazis seien höchstens 300.000 statt tatsächlich sechs Millionen Juden ums Leben gekommen.

Benedikt forderte gleichzeitig die traditionalistische Bruderschaft Pius X., der Williamson angehört, auf, das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen. Ein Ergebnis dieses Konzils war es gewesen, den Dialog der katholischen Kirche mit dem Judentum voranzutreiben und jede Form von Antisemitismus zu bekämpfen. Die Bischöfe sollten "die notwendigen Schritte tun", um wieder voll im Einklang mit der Kirche zu stehen, verlangte der Papst.

Der Heilige Stuhl hoffe nun, auch angesichts der Stellungnahme des Papstes, seinen Dialog mit der jüdischen Seite fortsetzen zu können, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Die Entscheidung von Benedikt XVI., die Exkommunikation des Briten Williamson aufzuheben, hatte weltweit Empörung und Unverständnis ausgelöst. Das israelische Ober-Rabbinat setzte die offiziellen Beziehungen zum Vatikan wegen der Rehabilitierung von Williamson aus. Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel sagte, der Papst hätte "der vulgärsten Erscheinung des Antisemitismus" Glaubwürdigkeit verliehen. Es sei beunruhigend, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wissentlich so weit gegangen sei, sagte Wiesel, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat.