Philosophie Denkerlebnisse für alle
Was kann man mit einem Abschluss in Philosophie eigentlich anfangen? Zwei Konstanzer Studentinnen wollen mit philosophischen Spaziergängen zum Nachdenken anregen

© Maryia Ramanava
Denken macht Spaß: Alexandra Zinke (links) und Sandra Mandl
„Woher weißt du, dass es Elektronen tatsächlich gibt?“, fragt Alexandra. „Die Physiker können sie in ihren Experimenten nachweisen!“, entgegnet Sandra. „Die Vorstellung von Elektronen ist doch nur ein Modell, um Lichtpunkte in einem Experiment zu erklären“, kommt prompt das Gegenargument. Streitgespräche dieser Art führen die beiden Philosophiestudentinnen aus Konstanz nicht nur am Küchentisch ihrer WG, sondern auch in ihrem neu gegründeten Kleinunternehmen „Gedankengänge“ – einem Zentrum für Philosophie.
Der Name ist Programm: Gedankengänge bilden bislang den größten Bestandteil im Repertoire der selbstständigen Philosophinnen. Dabei stellen sie ihren Gästen zunächst eine philosophische Grundfrage vor; zum Beispiel in Form eines Disputs über den Wahrheitsanspruch der Wissenschaft. Nach diesem gedanklichen Anstoß brechen Alexandra und Sandra mit ihren Besuchern zu einem Spaziergang im Wald entlang des Bodenseeufers auf. Schweigend, mit nichts als dem Rascheln des Laubes im Ohr und dem schimmernden See vor Augen, können die Teilnehmer ihren Gedanken zum Thema freien Lauf lassen. Eingesammelt werden diese Gedanken schließlich in einer gemeinsamen Diskussion im Praxisraum des Zentrums für Philosophie.
„Wir wollen den Denkhorizont erweitern; die Menschen zum Hinterfragen und auch zum Staunen anregen“, umreißt Sandra den Ansatz ihrer Arbeit. Die Unternehmensidee der beiden Studentinnen ähnelt dem Konzept der Philosophischen Praxen, die seit den achtziger Jahren in Deutschland und in der Schweiz entstehen. Während sich diese Praxen meist als Alternative zur Psychotherapie verstehen und die philosophische Lebensberatung in den Vordergrund stellen, geht es Alexandra und Sandra aber vor allem um das philosophische Denkerlebnis.
Dennoch hat auch ihr Projekt in einer klassischen Philosophischen Praxis seinen Anfang genommen. „Durch einen Vortrag an der Universität sind wir neugierig geworden und besuchten als ‚Kundinnen undercover’ eine Philosophische Praxis in Zürich. Wir gaben vor, keinen rechten Sinn in unserem Leben zu sehen – und wollten testen, wie der Philosoph damit umgeht“, sagt Alexandra. Das Beratungsgespräch mündete in eine Diskussion über den Philosophen Heidegger, und so waren die vorgeblich Hilfesuchenden schnell als Philosophiestudentinnen entlarvt. Von da an nahm ihre Idee, „Philosophie auch Nicht-Philosophierenden nahezubringen“, Gestalt an.
Manchen Kommilitonen von der Uni komme diese Idee zwar etwas zu populär angehaucht daher, erzählen die beiden Unternehmensgründerinnen. Sie selbst sehen in ihrer Tätigkeit hingegen vielmehr den Reiz, ihr Wissen über philosophische Positionen und den aktuellen Forschungsstand direkt anzuwenden. Obwohl sie derzeit promoviert, strebt Alexandra keine Tätigkeit in der akademischen Philosophie an. Und Sandra, die kurz vor dem Staatsexamen steht, reizt die eigene Unternehmensidee mehr als die für Philosophie-Absolventen viel gepriesene Perspektive der „Spezialisten fürs Allgemeine“.
- Datum 28.01.2009 - 14:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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wer früher stirbt, ist länger tot ...
hallo leute,
das ist ein schönes beispiel für die neuen möglichkeiten, die sich als selbstständigem auch in "aussichtslosen fällen" bei exotischen studiengängen bieten! man muss nur seinen grips anstrengen ...
gruss MK, hannover
Ob die Idee so gut ist, wird erst der wirtschaftliche Erfolg zeigen. Ich wünsche es ihnen zumindest.
Ich traf vor Jahren mal einen Philosophen namens Eckart Menzler Trott, der ein viel beachtetes Buch über Call Center Management geschrieben hat und auch sonst Erkenntnisse aus der Wirtschaft lesbar unter das Volk bringen konnte.
Mit etwas Nachdenken und Mut kein man aus vielen als dargestellten Studiengängen etwas machen.
An sich eine tolle Idee.
Ich wünsche den beiden Damen Erfolg dabei und daß eine Zielgruppe existiert, die groß genug ist.
Denn wenn man sehen möchte, was die Menschen interessiert, muß man nur den Fernseher einschalten ;-)
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