Jagd auf Kadyrow-Gegner Ein angekündigter Politmord

In Wien wurde ein Kronzeuge gegen den tschetschenischen Präsidenten Kadyrow erschossen. Hunderte weitere Tschetschenen im Ausland sollen auf einer Mordliste stehen

Einmal warteten die Männer in einem VW-Bus vor seiner Wohnung. Als Umar Israilov, 27, aus seinem Küchenfenster blickte, schien es ihm, als deute einer der Männer mit dem Finger auf ihn. Das war am 3. Juli 2008 um zwei Uhr nachts.

Als Umar Israilov um halb fünf Uhr früh einen zweiten Blick aus seinem Küchenfenster riskierte, waren die Männer im Bus immer noch da. Er dachte: "Da sind sie also." Ein halbes Jahr später, am vergangenen Dienstag, rannte er auf der Straße vor seinem Haus vergeblich um sein Leben.

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Umar Israilov ahnte, was die Männer wollten. „Zwei Killer sind schon ganz hungrig, mich zu töten“, gab er am 10. Juni 2008 beim Wiener Landesamt für Verfassungsschutz zu Protokoll. Vergeblich bat er um Personenschutz.

Umar Israilov war kein Feigling, doch nun hatte er Angst. Er hatte als tschetschenischer Rebell gegen die Russen gekämpft, die in den Dörfern wüteten. Er war im April 2003 verschleppt, gefoltert und erpresst worden, wie er beklagte. In einem Boxklub im tschetschenischen Gudermes hätten ihn die Truppen des russlandtreuen Präsidenten Ramsan Kadyrow eingesperrt.

Er müsse nun für die „Kadyrovskis“ arbeiten, die putintreuen Truppen, beschieden ihm die Russen. Andernfalls würden er und seine Familie ermordet. So wurde Umar Israilov für ein paar Monate Mitglied von Kadyrows Leibgarde. Dann flüchtete er über Polen nach Wien.

Seine Geschichte sei glaubwürdig, beschieden die Asylbehörden im Juni 2007. In Wien baute Israilov ein neues Leben auf. Er ist verheiratet und hat drei Kinder, seine mit ihm geflohene Frau ist mit einem vierten schwanger. Die Familie schlief in einem Bett, unter dem seine Pistole lag.

Umar Israilov war nicht irgendein Flüchtling. Er war, das wussten die Behörden nicht zuletzt von einem reumütigen Auftragskiller, ein gefährdeter Kronzeuge. Er hatte Russland beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt, er wollte der Öffentlichkeit erzählen, was er als Leibwächter und als Opfer Kadyrows in den Folterkellern Grosnys erlebte.

Kadyrow, so behauptete Umar Israilov, habe bei den Torturen selbst Hand angelegt. Er selbst sei von dem bärtigen Tyrannen mit Elektroschocks misshandelt worden. Es gibt viele andere Zeugen, die Ähnliches behaupten. Ramsan Kadyrow gilt als äußerst brutal, seine Gegner werden schonungslos aus dem Weg geräumt, so steht es auch in den Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen. Sich mit so einem Präsidenten anzulegen, das wusste Israilov, kann tödlich enden. Er kannte ja die Schicksale anderer Aufdecker, die in Moskau erschossen worden waren, weil sie Kadyrows Verbrechen enthüllten.

Leser-Kommentare
    • self22
    • 24.01.2009 um 21:53 Uhr

    Wie wollen wir mit solchen Versagern die Welt verbessern? Da hätten doch gleich die Ösis den Job erledigen können. War doch klar, was passieren wird. (Achtung! ätzende Satire)

  1. [entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ew]

  2. [entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Diskussion. Danke. Die Redaktion/ew]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

    Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

  3. Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

    Antwort auf "tschetschenien"
  4. Er ist polizeiliches System im Führer-Geburtsland. Vor kurzem haben die Spezis eines der Opfer des Kofferraum-Vergewaltigers als Lügnerin hingestellt, nun ist mal einer erschossen worden wegen der völligen Inkompetenz dieser K.u.K.-Operettenpolizei. Das einzige, was die richtig gut können, ist, durchfahrende Touristen zu berauben. Wenn ein Östereichischer Polizist Ihnen sagt: Nach meiner Schätzung (!) sind sie 40 km/h zu schnell gewesen. Kostet eine halbe Fantastilliarde - dann ist das da drüben legal.
    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

  5. 6. Gas

    Solange das Gas nicht abgedreht wird, ist es mir wirklich egal wo her es kommt und mit welchen Mitteln dafür bezahlt wurde, das es zu mir ins kalte Wohnzimmer kommt. Was interessieren mich irgendwelchen muslimischen Tschetschenen. Sollen sich doch die Saudis um ihre Kinder kümmern.

    [Anmerkung: Bitte tragen Sie zu einer sachlichen und niveauvollen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  6. Die europäische Wertegemeinschaft sollte sich mal überlegen wie sie sich den Kaukasus vorstellt. Ohne die russische Intervention wäre dort ein islamistischer Staat entstanden. Unerträglich ist das v.a. was die Rolle der Frauen in der Region betrifft. Man macht sich im Westen überhaupt nicht klar was die Sowjetunion, d.h. im wesentlichen die Russen, für die Anerkennung von Frauen als Menschen in den südlichen Sowjetrepubliken getan haben. Auch unsere Kanzlerin wäre ohne diese Bewegung vermutlich nicht auf ihrem heutigen Posten.
    Sicherlich ist Tschetschenien trotzdem eine patriarchalische Gesellschaft, aber nicht auszudenken was aus dem Land geworden wäre, hätte Russland es den Arabern überlassen.
    Warum trotzdem Frauen, wie Anna Politkoskaja und die kürzlich erschossene Journalistin, Leute, die gemeinsame Sache mit diesen Kämpfern machen, in Schutz nehmen verstehe ich nicht. Sie selber hätten dort nichts zu lachen gehabt.
    Youtube hat dazu Videomaterial, man googele zB "chechen mudjahedin" - es handelt sich bei diesen Verbänden um Kämpfer die von Leben nichts (mehr) erwarten.
    Das rechtfertigt nicht den Mord an dem Mann, aber es erklärt das mangelnde Interesse der österreichischen Behörden ihn zu schützen.
    Von den Medien wünsche ich mir mehr ersthafte Berichte über die Gesellschaften und Prozesse im Kaukasus und in Zentralasien statt der üblichen Gemeinplätze vom bösen Russen. Die Berichterstattung muss da anfangen wo sie zB im obigen Artikel aufhört: Hintergründe!

    • self22
    • 03.02.2009 um 21:03 Uhr

    sollte man diese 800 Seiten gelesen haben und dieses Wissen dann einfließen lassen...

    Antwort auf

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