Jagd auf Kadyrow-Gegner Ein angekündigter PolitmordSeite 3/3

Arbi erzählte weiter: „Es handelt sich dabei um Tschetschenen, welche Menschen getötet haben, Geld gestohlen haben, gegen Russland gekämpft haben und Kontakte zu terroristischen Organisationen haben.“ Es gebe sogar eine Liste, sagte Arbi, die von Kadyrows Leuten abgearbeitet werden müsse. Zwei Abteilungen hätten die Pflicht, 5000 Personen zu suchen. 500 davon müssten sterben, 50 davon in Österreich.

Mit den Verschleppungen von Flüchtlingen nach Russland hatte Arbi offenbar kein Problem. Warum auch? „100.000 Dollar Prämie“, so schwärmte er, habe seine Abteilung pro gelöstem Fall erhalten, „zusätzlich gibt es Spesen und Waffen und Autos.“ Das war weit mehr, als er einst als Grundschullehrer in Grosny verdient hatte.

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Doch nun bekam Arbi Skrupel und saß in der Klemme. Kadyrow, so gestand Arbi, habe zunächst befohlen, Umar Israilov nur nach Russland zurückzubringen. Er habe sogar auf offiziellem Wege versucht, seiner habhaft zu werden – über einen Auslieferungsantrag an die Staatsanwaltschaft. Nun aber werde dieser Israilov nicht mehr gebraucht. Er solle verschwinden. Sollte er, Arbi, diesen Killerbefehl nicht vollstrecken, so klagte er den Polizisten, werde seine eigene Familie ermordet.

Arbi unterbreitete dem Verfassungsschutz einen Deal: Das Innenministerium könne Israilov doch in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen, mit einer neuen Identität ausstatten und ins Ausland bringen. Er, Arbi, könne in Tschetschenien behaupten, seinen Job erledigt zu haben – und würde fortan dem Innenministerium als Informant dienen. Er sagte: „Bitte helfen Sie mir!“

Die Polizei lehnte ab. Vielleicht klang ihnen diese Prophezeiung zu sehr nach dem Stoff des Krimiautors John Le Carré. Doch in den einschlägigen Berichten von Tschetschenien-Experten ist genau von solchen Verschleppungs- und Ermordungskommandos die Rede. Erst im September wurde in Moskau ein Politiker getötet, der sich mit Kadyrow anlegte. Am vergangenen Montag wurde in der russischen Hauptstadt ein Anwalt erschossen , der sich für Opfer der Kadyrow-Truppen einsetzte. Auch Tschetschenen berichteten immer wieder von Landsleuten, die andere dazu „überreden“, nach Russland zurückzukehren.

Noch etwas hätte die Verfassungsschützer stutzig machen müssen. Woher wusste dieser Arbi, dass Russland die Auslieferung des „Terroristen“ Israilov auch auf offiziellem Wege forderte? Sie wurde – unter Hinweis auf seinen Asylstatus – von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. So ein Verfahren ist normalerweise streng geheim.

Die Verfassungsschützer organisierten aber selbst nach diesem Verhör keinen Personenschutz für Umar Israilov und dessen Familie. Sie zeigten Arbi am 11. Juli 2008 bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen Nötigung von Israilov an. Zu einem Prozess kam es nie. Acht Tage nach Verfassen der Anzeige schob die Polizei Arbi nach Moskau ab. Zwei Wochen danach parkte der VW-Bus mit den unbekannten Männern erstmals vor Israilovs Küchenfenster in Floridsdorf.

 
Leser-Kommentare
    • self22
    • 24.01.2009 um 21:53 Uhr

    Wie wollen wir mit solchen Versagern die Welt verbessern? Da hätten doch gleich die Ösis den Job erledigen können. War doch klar, was passieren wird. (Achtung! ätzende Satire)

  1. [entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ew]

  2. [entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Diskussion. Danke. Die Redaktion/ew]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

    Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

  3. Zwei etwas wirre Postings nacheinander.

    So aufgeregt ?

    Antwort auf "tschetschenien"
  4. Er ist polizeiliches System im Führer-Geburtsland. Vor kurzem haben die Spezis eines der Opfer des Kofferraum-Vergewaltigers als Lügnerin hingestellt, nun ist mal einer erschossen worden wegen der völligen Inkompetenz dieser K.u.K.-Operettenpolizei. Das einzige, was die richtig gut können, ist, durchfahrende Touristen zu berauben. Wenn ein Östereichischer Polizist Ihnen sagt: Nach meiner Schätzung (!) sind sie 40 km/h zu schnell gewesen. Kostet eine halbe Fantastilliarde - dann ist das da drüben legal.
    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

  5. 6. Gas

    Solange das Gas nicht abgedreht wird, ist es mir wirklich egal wo her es kommt und mit welchen Mitteln dafür bezahlt wurde, das es zu mir ins kalte Wohnzimmer kommt. Was interessieren mich irgendwelchen muslimischen Tschetschenen. Sollen sich doch die Saudis um ihre Kinder kümmern.

    [Anmerkung: Bitte tragen Sie zu einer sachlichen und niveauvollen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  6. Die europäische Wertegemeinschaft sollte sich mal überlegen wie sie sich den Kaukasus vorstellt. Ohne die russische Intervention wäre dort ein islamistischer Staat entstanden. Unerträglich ist das v.a. was die Rolle der Frauen in der Region betrifft. Man macht sich im Westen überhaupt nicht klar was die Sowjetunion, d.h. im wesentlichen die Russen, für die Anerkennung von Frauen als Menschen in den südlichen Sowjetrepubliken getan haben. Auch unsere Kanzlerin wäre ohne diese Bewegung vermutlich nicht auf ihrem heutigen Posten.
    Sicherlich ist Tschetschenien trotzdem eine patriarchalische Gesellschaft, aber nicht auszudenken was aus dem Land geworden wäre, hätte Russland es den Arabern überlassen.
    Warum trotzdem Frauen, wie Anna Politkoskaja und die kürzlich erschossene Journalistin, Leute, die gemeinsame Sache mit diesen Kämpfern machen, in Schutz nehmen verstehe ich nicht. Sie selber hätten dort nichts zu lachen gehabt.
    Youtube hat dazu Videomaterial, man googele zB "chechen mudjahedin" - es handelt sich bei diesen Verbänden um Kämpfer die von Leben nichts (mehr) erwarten.
    Das rechtfertigt nicht den Mord an dem Mann, aber es erklärt das mangelnde Interesse der österreichischen Behörden ihn zu schützen.
    Von den Medien wünsche ich mir mehr ersthafte Berichte über die Gesellschaften und Prozesse im Kaukasus und in Zentralasien statt der üblichen Gemeinplätze vom bösen Russen. Die Berichterstattung muss da anfangen wo sie zB im obigen Artikel aufhört: Hintergründe!

    • self22
    • 03.02.2009 um 21:03 Uhr

    sollte man diese 800 Seiten gelesen haben und dieses Wissen dann einfließen lassen...

    Antwort auf

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