Rachida Dati Eleganter Absprung

Frankreichs prominente Justizministerin verlässt das Kabinett Sarkozy und kandidiert nun für das Europaparlament. Ihre Probleme im Amt wurden am Ende einfach zu groß

Rachida Dati, eine der beliebtesten Politikerinnen in Frankreich, wird für das Europaparlament kandidieren und mit dieser Begründung im Frühjahr ihr Amt als Justizministerin abgeben. Das jedenfalls schreibt der Figaro , wegen seiner Regierungsnähe meistens (wenn auch nicht immer) bestens über Personalangelegenheiten der Politik informiert. Damit würde Dati etliche ihrer Probleme lösen.

Zunächst einmal dasjenige einer problematischen Amtsführung. Mit gleich mehreren Justizreformen auf einmal beauftragt, zu denen auch die Auflösung lokaler Gerichte gehörte, erschwerte sie sich ihre Aufgabe dadurch, dass sie als Methode nicht den Dialog, sondern das Durchstellen von oben nach unten wählte. Der so erzeugte Unmut sowie der Zorn jener, die Einfluss zu verlieren hatten, verbanden sich mit männlichem Hochmut ihrer Umgebung und der Verachtung hoher Beamter, für die Dati eine Dahergelaufene, ein Produkt des Sarkozyismus ist.

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Aus einer maghrebinischen Familie mit elf Kindern stammend, hatte sie ihre wenig prestigeträchtigen Studien (die sie zu allem Überfluss später auch noch in ihrem Lebenslauf aufzuwerten versuchte) mit Studentenjobs finanziert. Nicht ein großartiges Diplom - Fetisch der französischen Aufstiegsideologie - hatte ihr den Eintritt in die obersten Sphären der Politik verschafft, sondern das enge Verhältnis zu Nicholas und Cécilia Sarkozy. Dati hatte 2007 den Präsidentschaftswahlkampf Sarkozys als Ausweis seiner Bereitschaft bereichert, die Politik des Landes mit einer Mannschaft aufzurollen, die - wie er selbst - nicht dem Establishment entstammt.

Einmal im Amt packte sie wie ihr Chef alles gleichzeitig an, worüber das Wichtigste und Dringendste vernachlässigt wurde: der in Westeuropa einzigartige Skandal, dass sich in Frankreich etwa jeden zweiten Tag ein Mensch in seiner Gefängniszelle erhängt. Die Zustände in den Gefängnissen des Landes sind himmelschreiend.

Sie zu reformieren, hätte es einer Reformkoalition im Justizsystem bedurft, stattdessen gelang es der Ministerin Dati, ihre Untergebenen dermaßen gegen sich aufzubringen, dass Richter massenweise auf die Straße gingen und es in ihrer unmittelbaren Umgebung beinahe jeder Woche zu Demissionen kam.

Unterdessen verschlechterte sich auch das Verhältnis zum Chef. Dati hatte nicht schnell genug nach deren Scheidung von ihrer Freundschaft zu Cecilia Sarkozy gelassen, das kam schon mal schlecht an. Sodann wechselte sie langsamer als der Präsident von der Promirolle mit Brillis und tollen Klamotten ins ernste Fach. Während er bereits den Retter aus allen Krisen gab, ließ sie sich noch von der Klatschpresse abgrapschen, die von der Schwangerschaft Datis, der nur wenige Tage dauernden Pause im Wochenbett und dem Rätsel um den Vater, dessen Namen die 43-jährige Mutter bis heute nicht preisgibt, vollkommen ins journalistische Delirium getrieben wurde. Zumal es zu peinlichen Dementis kam, darunter dasjenige von José Maria Aznar.

Leser-Kommentare
    • kkr
    • 23.01.2009 um 16:38 Uhr

    damit wird das Ansehen des EU-Parlaments weiter beschädigt: nämlich als Resterampe für ausgediente Politiker

  1. Das europäische Parlament als Entsorgungs (Versorgungs-)anlage für "störende" Politiker. Très malin notre petit Sarkozy!

    Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?" [Douglas Adams – 1952-2001]

  2. da heist doch nicht beliebt, oder habe ich mein deutsch hier vergessen ?
    Ferika75

  3. Nicht, dass sie unbezwingbar wären - selbst das größte Bauwerk hat ein Verfallsdatum.

    Das Problem mit dem Führungsstil ist verständlich. In der Vergangenheit war die diktatorische Machtausübung so normal, dass die Kinder diese von ihren Eltern übernahmen. Jedoch, wer heutzutage so agiert, der steht schnell alleine da. Auf diese Art lässt sich heute in diesem Teil der Welt kaum noch viel bewegen.

    Ich finde sie sollte in diesem Punkt auf ihre weibliche Seite hören. Freundschaftliche Verbundenheit ist unbezahlbar.

    Eine ausgesprochen attraktive Politikerin, wie ich finde :)

    Was tun wenns gruslig wird? Die Ideale gegen alle Widerstände bewahren, reflektieren, wachsen. Dabei nie das Leben genießen vergessen; in der Ruhe liegt viel Kraft.

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    "Die Ideale gegen alle Widerstände bewahren, reflektieren, wachsen. Dabei nie das Leben genießen vergessen; in der Ruhe liegt viel Kraft."

    Genau dieses Gefühl hatte ich auch, als ich von der Demission der französischen Ministerin hörte. Endlich hat´s jemand gesagt, präziser geht es nicht, voll auf den Punkt gebracht, Roma locuta, causa finita. Danke für diesen Kommentar.......Mein Gott, manchmal könnte man an der Menschheit verzweifeln: Das tut wirklich weh!

    "Die Ideale gegen alle Widerstände bewahren, reflektieren, wachsen. Dabei nie das Leben genießen vergessen; in der Ruhe liegt viel Kraft."

    Genau dieses Gefühl hatte ich auch, als ich von der Demission der französischen Ministerin hörte. Endlich hat´s jemand gesagt, präziser geht es nicht, voll auf den Punkt gebracht, Roma locuta, causa finita. Danke für diesen Kommentar.......Mein Gott, manchmal könnte man an der Menschheit verzweifeln: Das tut wirklich weh!

  4. So wirkt Sie auf mich:
    Zu leicht - als Ministerin, als Europa-Parlamentarierin und als Mutter. Karriere, Rampenlicht! Eine Art Paris Hilton der Politik. Dafür nimmt Sie dem Kind sogar den Vater.

    "Dati musste mehr erdulden und mehr leisten als ein Mann." Nein, sie ist einfach nicht reif und klug genug, sie ist nur clever. Das ist auch anderen passiert.

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    Das halte ich für ungerecht. Sie hat innerhalb des gegenwärtig herrschenden Gefüges gegeben, was sie konnte. Und Anfängerfehler gemacht. Die Ferndiagnose "Dafür nimmt Sie dem Kind sogar den Vater" halte ich für abenteuerlich. Das öffentliche Geseiere über die Vaterschaft ist ein Zeichen der Zeit.

    Das halte ich für ungerecht. Sie hat innerhalb des gegenwärtig herrschenden Gefüges gegeben, was sie konnte. Und Anfängerfehler gemacht. Die Ferndiagnose "Dafür nimmt Sie dem Kind sogar den Vater" halte ich für abenteuerlich. Das öffentliche Geseiere über die Vaterschaft ist ein Zeichen der Zeit.

  5. Das halte ich für ungerecht. Sie hat innerhalb des gegenwärtig herrschenden Gefüges gegeben, was sie konnte. Und Anfängerfehler gemacht. Die Ferndiagnose "Dafür nimmt Sie dem Kind sogar den Vater" halte ich für abenteuerlich. Das öffentliche Geseiere über die Vaterschaft ist ein Zeichen der Zeit.

    Antwort auf "So what?"
  6. "Die Ideale gegen alle Widerstände bewahren, reflektieren, wachsen. Dabei nie das Leben genießen vergessen; in der Ruhe liegt viel Kraft."

    Genau dieses Gefühl hatte ich auch, als ich von der Demission der französischen Ministerin hörte. Endlich hat´s jemand gesagt, präziser geht es nicht, voll auf den Punkt gebracht, Roma locuta, causa finita. Danke für diesen Kommentar.......Mein Gott, manchmal könnte man an der Menschheit verzweifeln: Das tut wirklich weh!

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