Schweiz Krise war gestern
Ein Dorf in den Alpen fürchtet die Wirtschaftskrise nicht. Es hat den finanziellen Crash bereits hinter sich – und mit Luxusbauten ganz gut überstanden. Ein Besuch

© Leukerbad Tourismus
Das Größte ist, wenn man’s einfach blubbern lässt: Leukerbad hat das reichste Thermalwasser-Vorkommen in ganz Europa (täglich 3,9 Millionen Liter)
Geschichten gibt es hier in den Bergen viele. Die eine geht so: Petrus kam vom Himmel, weil der Herrgott gesehen hatte, wie sich die Walliser abrackerten, um ihre Felder zu bewässern. "Wisst ihr was", sagte Petrus, "der Herrgott wird künftig für euch wässern und es regnen lassen." Die Bauern verzogen die Nasen. Petrus lächelte und sagte: "Der Herrgott ist auch ein halber Walliser." "Was, der, ein Walliser?" stutzten die Einheimischen. "Dann wässern wir lieber selbst!"
Starrsinnig, direkt, zuweilen selbstgerecht, skeptisch und misstrauisch sollen die Einheimischen sein. Soweit die Sage. Natürlich arbeiten in Wallis heute auch viele aufgeschlossene Menschen. Leukerbad und die meisten anderen Alpendörfer im Schweizer Kanton Wallis sind auf Urlauber angewiesen, und in der Tourismusbranche ist man nett.
Seit Jahrhunderten lebt das größte alpine Thermalbad Europas von seiner Lage zwischen Matterhorn und Gemmipass. Schon im 17. Jahrhundert wurde das erste Hotel gebaut. Sonne scheint so gut wie immer, Regen fällt nur wenig, aber das Wasser sprudelt aus der Erde. Mehrere Jahrzehnte sickert das Regenwasser von den Alpenspitzen kilometerweit durchs Gestein, bis es dampfend Leukerbads Quellen entspringt. Mehr als drei Millionen Liter Thermalwasser füllen täglich 30 Pools.
Das Größte ist, wenn man’s einfach blubbern lässt: Nach einem Tag auf Skiern im Außenbecken rumliegen, die runtergedüsten Alpenwände raufschauen und vor Freude ein paar Schneeflocken verschlucken. Man könnte meinen, im größten Whirlpool der Welt zu liegen. Man könnte auch meinen, dieses Dorf schwimmt dank des heilenden Wassers im Geld. Tatsächlich ist das Dorf jedoch baden gegangen, finanziell.
Die Geschichte mit Otto G. hat sich in den Neunzigerjahren zugetragen und lässt noch heute viele Einheimische zusammenzucken. Es ist nicht nur eine Grusel-, sondern auch eine wahre Geschichte.
Otto G. Loretan war damals Gemeindepräsident. Er war charismatisch, hatte die Fähigkeit, Menschen zu begeistern, zu mobilisieren, und besaß dieses gewisse Etwas, so die Meinung im Dorf.
Als Otto G. sein Amt antrat, kam Aufbruchstimmung ins Tal. Unter Otto G. investierte Leukerbad in Hotels, Thermen, Parkhäuser, Bergbahnen, eine Sportarena und in fast alles, was tourismusmäßig angesagt war. Fast zwanzig Jahre später, als die Gemeinde die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, flog der "Dorfkönig" auf: Leukerbad war mit 340 Millionen Franken verschuldet. Ein Schweizer Dorf war pleite, das gab es noch nie. Ein Zwangsverwalter kam aus der Stadt.
- Datum 26.01.2009 - 15:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 25.01.2009
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Zur Situation im Kanton Wallis verweise ich auf folgenden seriösen Beitrag einer Zürcher Tageszeitung:
http://www.tagesanzeiger....
Es ist schlimm, was sich dort ständig abspielt, aber auch im Bundesbern sieht anscheinend niemand eine Möglichkeit, dies zu ändern.
Deshalb: Man lasse sich nicht täuschen!
sondern Erbsen mit Kürbissen.
Wer für alles offen ist , kann nicht ganz dicht sein.
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