Jugend in Spanien Zurück zu Mutti
Neben der dramatisch gestiegenen Arbeitslosigkeit haben junge Spanier vor allem mit dem überteuerten Wohnungsmarkt zu kämpfen. Doch Protest dagegen regt sich kaum

© photocase
Spaniens Jugend wohnt bei den Eltern - mindestens bis zum 30. Lebensjahr
Marc Solsona hatte gerade eine Wohnung gefunden, die er sich hätte leisten können. Sein Einkommen als Immobilienmakler war nicht üppig, aber es hätte für den Kauf der 55 Quadratmeter großen Wohnung in Terrassa bei Barcelona gereicht. Schon seit Jahren plant der heute 35-jährige Spanier, bei seinen Eltern auszuziehen. Wegen der hohen Miet- und Wohnungskosten verlassen wie Marc die meisten Spanier erst mit durchschnittlich 30 Jahren das Elternhaus.
Nun sollte es endlich so weit sein. Mit der Bank war so weit alles geklärt. Marc hatte sich sogar schon Möbel ausgeguckt, verrät er der Zeitung El País . Dann brach – wie seit Jahren vorhergesagt – der Immobilienmarkt in Spanien ein. Das Immobilienbüro, in dem Marc arbeitete, musste wie viele andere schließen. Nun ist er arbeitslos, den Wohnungskredit kann er nicht mehr zahlen. "Aus der Traum vom Leben in den eigenen vier Wänden. Ich werde wohl noch etwas bei meinen Eltern bleiben müssen", scherzt Marc, ohne dabei zu lachen.
Der junge Immobilienmakler ist bei Weitem kein Einzelfall. Immer mehr junge Spanier kehren von der Wirtschaftskrise getrieben wieder ins Elternhaus zurück oder schieben ihre Emanzipation hinaus. Neue Umfragen des spanischen Jugendinstituts (Injuve) belegen, dass sich die Wohnsituation nach der Arbeitslosigkeit zum zweitgrößten Problem für Spaniens Jugend entwickelt hat. Für 30 Prozent der befragten Jugendlichen ist die Schwierigkeit, eine bezahlbare Wohnung zu finden, gar das größte Problem, vor sechs Jahren empfanden gerade einmal drei Prozent der Befragten so.
Die Wohnungspreise in Spanien sind mit durchschnittlich 210.140 Euro sehr hoch, sagt José Luis Arroyo, Vizepräsident des spanischen Jugendrats (CJE). Bei einem Kauf muss heute ein Jugendlicher "fast 84 Prozent seines Netto-Einkommens für die Rückzahlung seiner Hypothek ausgeben", erklärt Arroyo. Die durchschnittliche Monatsmiete von 682,94 Euro verschlinge in Spanien zumindest "nur" 57 Prozent des Netto-Gehalts. Wie hart solche finanziellen Belastungen sind, weiß auch Rubén Briones.
Vor wenigen Monaten hat er sich eine 58-Quadratmeter-Wohnung in Madrid gekauft. Der 30-jährige Journalist vom spanischen Nationalradio RNE verdient netto rund 1400 Euro im Monat, von denen er 1000 Euro für seinen Wohnungskredit bezahlen muss. "Da bleibt nicht mehr viel übrig. Ich muss den Gürtel schon ziemlich eng schnallen. In den Urlaub fahren ist auch erst mal vorbei." Dabei hatte Rubén noch Glück, überhaupt einen Kredit bekommen zu haben, denn er hat seit 2007 einen festen Vertrag. Die Jahre davor musste er wie viele seiner Kollegen mit einem befristeten "Praktikumsvertrag" arbeiten, der jedes Jahr erneuert wurde.
Neben der steigenden Jugendarbeitslosigkeit sind vor allem die befristeten Arbeitsverträge sowie die niedrigen Löhne eine starke Belastung für junge Spanier. 42 Prozent der Jugendlichen haben keinen festen Vertrag, die Arbeitslosenquote liegt bei 11 Prozent. Allein im zweiten Trimester 2008 verloren 302.100 junge Spanier zwischen 16 und 29 Jahren ihre Jobs. Rund 40 Prozent der jungen Spanier verdienen laut der Gewerkschaft Comisiones Obreras gerade einmal 1000 Euro brutto im Monat. Die Zukunft sieht noch düsterer aus.
Die spanische Wirtschaft wird 2009 erstmals seit 16 Jahren schrumpfen und die Wirtschaftsleistung voraussichtlich um 1,6 Prozent zurückgehen, kündigte die Madrider Regierung an, die zudem eine Neuverschuldung von 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwarte. Dabei liegen "die schwierigsten Augenblicke der Krise noch vor uns", prophezeit Wirtschaftsminister Pedro Solbes. Brüssel sieht die Aussichten sogar noch düsterer und schätzt, dass die Arbeitslosenquote in Spanien 2010 sehr wahrscheinlich auf 19 Prozent steigen werde, weit über dem EU-Durchschnitt von 10,2 Prozent.
- Datum 08.04.2009 - 14:07 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





und kann nur bestätigen, dass der Wohnungmarkt eine Katastrophe ist. Die Qualität der neuen Wohnungen ist evon Grund auf schlecht.
Als es 3 Tage regnete war der Strom weg, weil die Wände sich mit Wasser vollgesogen haben, durch den Ventilator im Bad tropfte das Wasser.
Die Wohnungen verfügen über eine Elektoklimaanlage, die auch heizt. Da die Wände aber die Isolationsfähigkeit eines Pappkartons haben läuft diese auch auf 26 Grad um wenigstens 20 Grad Zimmertemperatur hinzubekommen.
Das Leitungswasser ist derart mit Chlor versetzt, dass es zum Kochen schlicht ungeeignet ist.
Dass nun die meisten noch mit 30 bei Mutti wohnen kann ich nicht bestätigen. Der Tatsache, dass Wohnungen überteuert sind und was die Qualität anbelangt in Deutschland undenkbar wären stimmt allerdings.
Bin seit drei Jahren in Madrid, und die Wohnqualität ist wirklich unter aller Kanone. - Wir wohnen halbwegs Richtung Sierra, d.h. von November bis März hat es hier nachts Temperaturen unter Null. (Ja auch das ist Spanien).
Wir freuen uns, dass wir immerhin doppelverglaste Fenster haben, aber an Isolation hat es hier sonst NULL. - Im ersten Winter habe ich erstmal zwei Tuben Dichtmasse verballert, um die grössten Löcher und Ritzen zu stopfen.
Unsere Reihenhausnachbarin will Ihre Hütte (300qm) verkaufen - vor anderthalb Jahren wollte Sie noch 750k€, jetzt ist Sie bei 530k€.
Wenn Sie bei 200k€ ankommt, dann überleg ich es mir; dann kann man nochmal 200k€ in eine vernünftige Renovierung stecken, und evtl auch wirklich nutzen, aber so nicht.
Ich habe im letzten Jahr eine Reihe von Wochenenden in Madrid verbracht. Dort kam ich an jedem einzelnen Tag zumindest an einer Demonstration vorbei. Waende sind ueber und ueber mit politischen Positionen besprueht, beklebt, bemalt, man kann keine drei Schritte tun ohne von jungen Menschen politische Flyer in die Hand gedrueckt zu bekommen.
Eine fehlende Protestkultur habe ich dort noch nicht feststellen koennen sondern habe immer ueberlegt ob nicht Martenstein etwas Zeit dort verbracht habe bevor er seinen Leitartikel ueber die deutsche Jugend schrieb.
ich hab den artikel grad ´ner kollegin gezeigt, die wunderbar deutsch spricht. erst war sie empoert, das waere ja voellig ueberzogen und nachdem wir eine weile drueber gesprochen hatten war sie entsetzt, das waere ja doch ziemlich zutreffend.
ich selbst find den artikel keineswegs ueberzogen. nachdem ich nun schon eine ganze zeit in spanien wohne, trifft der artikel meiner meinung nach in vielen punkten den nagel auf den kopf. vor allem die protestverdrossenheit bringt mich manchmal auf die palme. teilweise scheint alles hingenommen zu werden, teure mieten, haeuser, korruption,politik vorbei am buerger... ich hab dieses jahr nochmal angefangen zu studieren und was ich an studentischen protesten mitbekommen hab beschraenkt sich auf klaegliche gebaeudebesetzungen um gegen bologna zu protestieren, wohl gemerkt haben diese im jahr der umsetzung begonnen, also so ungefaehr 10 jahre nach vereinbarung...
da ich selbst zu der im artikel angesprochenen altersgruppe gehoere, kann ich leider nur bestaetigen, dass einem die geringen gehaelter und hohen wohnungspreise schon manchmal den schlaf rauben. und ich wohn "nur" zur miete...
wenn wir im freundeskreis das spaete ausziehen der spanier diskutieren, findet das ausser mir kaum jemand bemerkenswert, auch wenn die meisten relativ frueh von zu hause ausgezogen sind (wegen beruf etc.) so sind viele der meinung "wieso denn ausziehen und miete zahlen?! das waere ja rausgeworfenes geld". vielleicht kommt mein unverstaendnis auch daher, dass ich mein leben lang zur miete gewohnt hab, genauso wie mein umfeld in deutschland. das beduerfnis nach einem eigenem haus ist hier doch ganz anders verankert.
aber ich musste schon lachen als zum schluss die konklusion gezogen wurde, dass die (jungen) spanier "trotz allem" zu den zufriedensten menschen in europa gehoeren. ich weiss ja nicht was anderer leute erfahrung ist, aber ich kann das nur bestaetigen. und ich bin schon ein bisschen neidisch drauf... aber das schoene ist, dass das nach und nach immer mehr abfaerbt...
saludos
Hi, Marvin hier, ich bin Schüler eines Gymnasiums in der Stufe 12 und muss nun eine Facharbeit schreiben. Thema: "Die Wohn- und Berufssituation der Jugendlichen in Spanien, sowie deren Verhältnis zu den Eltern im Vergleich mit den deutschen Jugendlichen." Dieser Artikel ist so mit der einzige, der mir etwas konkret, gezieltes über die Wohnsituaion der Jugendlichen aussagt. könnte mir jemand der "im Saft steht" noch mehr gezielte Informationen liefern?
Berufseinstieg der Jugendlichen?
Verhältnis zu den Eltern? (Aussser, dass sie ein gutes Verhältnis zu ihnen haben)
das ganze muss ich dann auch noch auf Spanisch übersetzen -.-
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren