Bing. Tssssk. Pause. Bing. Tssssk. Pause. Bing Tsssk Bing Tsssk Bing Tsssk Dongdongdong. Dadada-daaaah! So ungefähr klingt Windows-Musik: mit einfachen Mitteln zusammengeschnittene Stücke, die – jedenfalls der reinen Lehre nach – allein aus Windows-Systemklängen bestehen. Aus den lästigen Fehler-Boings und Ende-der-Zeile-Klings also, aus der Endlich-hochgefahren-Ouvertüre und der finalen Feierabend-Fanfare.

Sie kursieren zu Dutzenden im Internet, ihre Urheber sind in der Regel kaum auszumachen: Die Komponisten treten bescheiden auf, allenfalls unter Kürzeln und Spitznamen. Und nicht jeder, der bei YouTube oder sonst wo solch ein Stück einspeist, hat es sich selbst ausgedacht.

Die Songs, die etwa Windows Remix oder Windows Error Music heißen, entstehen in akribischer Fleißarbeit. Großer Programmierkenntnisse bedarf es nicht: Mit jeder simplen Musiksoftware, sogenannten Sequencer-Programmen, lassen sich die Systemklänge, die als handliche Wav-Dateien auf der Festplatte gespeichert sind, hinter-, über- und durcheinander schneiden. Zudem können Parameter wie die Abspielgeschwindigkeit und damit die Tonhöhe verändert werden, und auch Ausschnitte aus den Klängen sind definierbar. In kurzen Schleifen hintereinander gelegt und schrittweise in der Tonhöhe variiert, entstehen Effekte wie aus den Kindertagen des Techno, bbbbabababaamm. So bewegen sich die Musiker im Gefolge von Brian Eno, der am Sounddesign von Windows 95 beteiligt war, und Robert Fripp von King Crimson, der bei Vista Hand anlegte.

Einige Videos, mit denen die WindowsMusic-Komponisten ihre Elaborate bebildern, lassen ihre Arbeit sehr einfach aussehen:  Sie suggerieren, es genüge, mehrere Klänge im Wav-Abspieler auf dem Desktop aufzurufen und durch geschicktes Drücken von Play- und Stop-Taste die Töne zu kombinieren wie ein DJ seine Plattenteller. In Echtzeit dürfte das allerdings kaum jemand hinkriegen, ohne binnen Minuten Maus und Sehnenscheide zu ruinieren.