Schon mehrfach gab es Spannungen zwischen dem Zentralrat der Juden und der katholischen Kirche. Vor wenigen Monaten sorgte die Wiederzulassung eines Karfreitagsgebets durch den Vatikan für Streit, weil es eine unterschwellige Aufforderung zur Mission der Juden enthielt. Nun reagiert die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, auf die Rehabilitation mehrerer Bischöfe durch Benedikt XVI., darunter auch des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson, der den Holocaust geleugnet hatte. Der traditionalistische Erzbischof Marcel Lefebvre von der mittlerweile international aktiven Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte die vier Geistlichen 1988 illegal geweiht. Die katholische Kirche hatte sie daraufhin ausgeschlossen.

Dass der Papst Williamsson nun in die Kirche zurückholt, ist für den Zentralrat nicht hinnehmbar. Denn Williamson zweifelt die Judenvernichtung öffentlich an: "Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gegeben hat", sagte er in einem Interview des schwedischen Fernsehens. In den Konzentrationslagern der Nazis seien höchstens 300.000 statt tatsächlich sechs Millionen Juden ums Leben gekommen. In rechten Internetforen wie dem Störtebeker-Netz wird Williamson deswegen gefeiert. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg, weil er sich auch in Deutschland auf umstrittene Weise zur Judenvernichtung geäußert hatte.

Die oberste Vertretung der Juden in Deutschland kündigt nun Funkstille zwischen ihr und der Deutschen Bischofskonferenz an. "Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben, ich unterstreiche das Wort 'momentan'", sagte Knobloch der Rheinischen Post. "Ich wünsche mir einen Aufschrei in der Kirche gegen ein solches Vorgehen des Papstes."

Auch das italienische Ober-Rabbinat hatte wegen der Rehabilitierung Williamsons die offiziellen Beziehungen zum Vatikan vorerst ausgesetzt. Papst Benedikt XVI. hatte sich daraufhin von Williamsons Äußerungen distanziert. Er verurteile "die gnadenlose Ermordung von Millionen Juden". Der Holocaust dürfe nicht geleugnet oder relativiert werden. Dennoch hinderte ihn Williamsons Haltung nicht daran, den Ausschluss des Bischofs aus der katholischen Kirche aufzuheben.

Das Ober-Rabbinat sieht in der Distanzierung des Papstes von Williamson dennoch ein Signal: "Das ist ein großer Schritt nach vorn, um die Frage zu lösen", sagte der Generaldirektor des israelischen Ober-Rabbinats, Oded Weiner, der Turiner Tageszeitung La Stampa . Mit dem Vatikan und mit der israelischen Regierung müsse aber noch erörtert werden, "was getan werden muss, um einen Schlussstrich zu ziehen". Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechai Lewy, begrüßte Benedikts Erklärung dagegen ausdrücklich. Sie kläre vieles und helfe, Missverständnisse zu überwinden.

Kritischer äußerte sich dem Bericht zufolge David Rosen, führender Rabbiner beim interreligiösen Dialog mit dem Vatikan. "Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Ohne eine Entschuldigung von Williamson oder eine Erklärung des Vatikans, dass dieser nicht mehr als Bischof in der Kirche akzeptiert ist, solange er derartige Meinungen äußert, bleibt die Sache zwiespältig", wird der Rabbiner zitiert.