US-Außenpolitik Obamas Kriege
Vom Irak-Einsatz lernen, heißt siegen lernen – so lautet das Motto des US-Militärs für Afghanistan. Die Truppen am Hindukusch werden verstärkt und Paschtunen umworben

© afp/getty images
Gefährlicher Einsatz: US-Soldaten sichern eine Militär-Basis in der Nähe von Kabul
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit traf sich der neue Präsident mit einem seiner wichtigsten Generäle. Barack Obama ließ sich von David Petraeus, Befehlshaber des Kommando Mitte, über die Lage in Afghanistan und Irak berichten. Beide Kriege hat George W. Bush begonnen – Obama will sie beenden, ohne dass die USA den Kampf gegen den Terror verloren geben müssen.
Die Situation in Afghanistan verschlechtert sich täglich. Dort sterben mittlerweile mehr US-Soldaten als im Irak. Die USA planen die Truppen mit weiteren 20000 bis 30000 Mann zu verstärken. Wie viele der dann 80000 Soldaten aus den USA und wie viele aus Europa kommen sollen, ist noch offen.
Wie ernst die Lage am Hindukusch ist, belegen zwei unabhängig voneinander veröffentlichte Studien. Das "Center for Strategic and International Studies“ in Washington und das "International Institute for Strategic Studies“ (IISS) in London warnten im Januar vor einem Misserfolg in Afghanistan. "Nur schnelles und entschiedenes Handeln kann verhindern, dass die militärische Situation noch schlechter wird“, schreibt der amerikanische Thinktank. Und IISS-Chef John Chipman sagte: "Die westliche Intervention in Afghanistan ist am Wanken."
David Petraeus, US-Kommandeur für Südwest-Asien, soll die Sicherheitslage in Afghanistan verbessern
Obama setzt nun auf eine neue Strategie in Afghanistan: Mehr Soldaten sollen für einen effektiveren Schutz der Bevölkerung vor Gewalt sorgen – denn jede Bombe, jedes Attentat untergräbt die Autorität der Regierung in Kabul. Zudem sollen die Aufgaben für das Militär verringert werden, die Soldaten müssen künftig wahrscheinlich nicht mehr gleichzeitig gegen al-Qaida, aufständische Paschtunen, Taliban, Drogenbarone und Schmuggler vorgehen. Denn paschtunische Stämme sollen zum Kampf gegen die Islamisten gewonnen werden.
Die USA wollen ihre Truppen im Irak massiv reduzieren, um sie gleichzeitig in Afghanistan aufzustocken. Unter George W. Bush hatten Militärs geklagt, dass Afghanistan vernachlässigt werde. Die Herausforderung sei dort größer als in Irak, sagten sie hinter vorgehaltener Hand. Bereits im Wahlkampf hatte Obama den Krieg in Irak als „Ablenkung von den wahren Konfliktherden“ in Afghanistan und Pakistan bezeichnet. Er kündigte einen Rückzug aus Irak innerhalb von 18 Monaten an.
Mit Petraeus sprach der Präsident auch über Pakistan. Dorthin ziehen sich Taliban und Terroristen zurück, in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan befinden sich Ausbildungslager und Waffendepots. Unter der Regierung Bush griff die US-Armee zuletzt mehrfach Ziele in Pakistan mit Raketen an. Pakistan protestierte gegen die Verletzung seiner Hoheitsrechte, die Beziehung zwischen den beiden Staaten verschlechterte sich. "Afghanistan und Pakistan sind zu einem gemeinsamen Problem geworden“, sagte Petraeus jüngst. Obama will das Verhältnis zur Regierung in Islamabad nun wieder verbessern.
- Datum 16.04.2009 - 12:13 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 9
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Was mich vor kurzem überrascht hatte, ist die gegenwärtige Situation in Afghanistan. Aus deutscher Perspektive schein es ein Land zu sein, indem zwar hin und wieder ein verirrter Selbstmordattentäter in die Luft fliegt, die Soldaten sonst aber mit den Bau von Schulen und Brunnen beschäftigt sind und nebenbei noch durch Landschaft besichtigen.
Wenn man sich aber die Auflistung der Verluste der Bundeswehr genauer anschaut, dann fragt man sich, ob es sich hier nicht um einen Kampfeinsatz handelt.
Interessant ist hierbei auch der Aufstand der Taliban. Sie scheinen sich nicht nur auf Bombenanschläge und Überfälle zu beschränken, sonder kontrollieren ganze Landstriche.
Denn Vorwurf an Pakistan, es sei untätig im Krieg gegen den Terrorismus, wird auch haltlos, sobald man die pakistanischen Verluste in Waziristan betrachtet.
Und auch die Deutschen hatten Kampfeinsätze, die in Deutschland kaum bekannt sind.
Ich bin schon gespannt, was passiert, falls sich die Sicherheitslage in Afghanistan weiter verschlechtert und die deutschen Soldaten durch reguläre Taliban- Einheiten angegriffen werden.
Gab Obama sein erstes Interview nicht al-Arabiya?
Mal sehen, ob man ein paar Wochen nach dem massiven Abzug aus dem Irak noch von Sieg sprechen kann. Die Ruhe ergibt sich höchstens daraus, dass die Truppen brutal vorgehen, also eine Militärherrschaft errichtet haben. Wenn sie also wieder abziehen wird es nicht lange dauern und die alten Konflikte brechen wieder durch.
Dies sollte die erste Lehre sein, die man aus dem Irakschlamassel zieht und sich anschliessend überlegen, ob man in Afghanistan die Sache nicht lieber doch den Stammesführern überlässt, die ja immerhin eine leidlich funktionierende Struktur unterhalten.
1988 angeblich 115.000 Soldaten vor Ort. Die "Gebietsfürsten" wurden damals schon als "Warlords" bezeichnet.
Ich gehe davon aus dass der schwachsinnige Begriff darauf zurückzuführen ist dass einige Führungskräfte nicht denken können was traditionelle Familien- und Clanstrukturen bedeuten. Diese Clanführer sind die Chefs im Ring, nicht nur im Krieg.
Wenn ich lese dass die USA nach "einem Nachfolger" für Karzai Ausschau halten werden Befürchtungen geweckt: Das wird nichts mehr werden mit dem Krieg weil elementare Voraussetzungen nicht erfüllt werden: Man unterwirft sich nicht der erforderlichen Notwendigkeit die Clanchefs als Machthaber anzuerkennen weil man dann liebgewonnene missionarische Reflexe aufgeben müsste u.a. hinsichtlich Demokratie und Drogenanbau. Man ignoriert die jahrtausende alten Beziehungen zu den Bewohnern im pakistanischen "Grenz"Gebiet.
Ein Lichtblick dagegen das Ziel die Paschtunen "einbinden" zu wollen. Wollen wir hoffen dass das nicht gleichzusetzen ist damit sie "kaufen" zu wollen, man darf gespannt sein welche Strategie hier angewendet wird. Am Ende lernt man noch von den alten Europäern, wäre auch recht.
"Bewaffnete Sozialarbeit" - das man sowas noch erleben darf und die Einbindung der Betroffenen in Verantwortung. Das ist gut, richtig und nur so kann was daraus werden. Auch das aktuelle Vorgehen Obamas siehe bspw. das Interview auf dem arabischen Sender macht wirklich Hoffnung dass es einen "Change" gibt.
Auch nur eine einigermassen stabile Situation herzustellen erfordert das Bohren dicker Bretter und die Einsicht dass man einen Krieg gegen die Interessen der Bevölkerung im 21 Jahrhundert nicht gewinnen kann.
Dschingis Kahn konnte das noch, er hatte die einfache Möglichkeit ganze Landstriche zu entvölkern. Schon die Sowjets denen wohl keiner übertriebende Empfindlichkeit vorwerfen kann, hatten diese Möglichkeit nicht mehr. Und kein Einsehen und den Krieg verloren.
Obama scheint gewillt die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen und mit Petraeus hat er offensichtlich einen richtig guten, erfahrenen und lernwilligen Befehlshaber jenseits von Waffensystemgläubigkeit. Was für ein gewaltiger Unterschied zu den Bushisten.
und wenn die Menschen dort Demokratie und Freiheit wollen sollen sie es sich selber erschaffen oder erschiessen, was immer zuerst passiert.Aber deutsche oder andere Soldaten werden immer als Feinde und Besatzer angesehen werden. Fragt die Russen,die dort unzaehlige tote,junge Maenner beklagen konnten.
http://www.radio-utopie.d...
Eine bessere dt. Fassung konnte ich leider nicht finden.
Die afghanische Bevölkerung kann nicht einfach darauf warten, dass die NATO dort aufräumt und jeder dann in Freiheit leben kann. Afghanistan hat mit demselben Problem zu kämpfen, dass es in den Ghettos der Großstädte in den USA gibt. Jeder möchte möglichst schnell Frieden, aber keiner setzt sich dafür ein. Niemand "verpetzt" die Täter obwohl man sie sogar mit Namen kennt. Es entsteht eine falsche Toleranz unter der Bevölkerung, die der Kriminalität nur zu Gute kommt.
Volk und Behörden, in diesem Fall Armee, müssen den Kampf gemeinsam vollziehen damit am Ende die volle Macht wieder dem Volk zurückgegeben werden kann. Solange sich die Bevölkerung Afghanistan um ihre Opiumfelder kümmert sterben jährlich Soldaten umsonst. Dann sollte man die Truppen lieber abziehen.
Die Regierung ist immer so schlecht wie die Bevölkerung. Für Afghanistan bedeutet das: Schlechte Bevölkerung-schlechte Regierung-instabiles Land.
Der Westen hat lt. Janes.com schon längst diesen Krieg verloren. Der Report von Janes war vom April 2002. Haupt Grund, sind falsche Ideologische Einstellungen von Miiltärs und die dämlichen Betrugs Abzocker der Deutschen Politiker u.a. mit dem längst gescheiterten Polizei und Justiz Aufbau. Wer sich nur sowas ausdenkt, ist Geistes krank. Dort werden auf lange Zeit die Stammes- und Clan Gesetze der Ehre gelten und sonst Nichts Anderes.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren