ZEIT-ONLINE-Kolumnist Andi Beck Nietzsche kennt er gut
Andreas Beck ist einer der talentiertesten jungen Fußballer Deutschlands. Bescheiden, belesen und eigentlich ganz normal. Wir haben ihn besucht

Andreas Beck (links) neben Sami Khedira: "Als wir vor ein paar Wochen in Schweden Europameister mit der U21 wurden, hat uns auch ein Lied durch das Turnier getragen"
Spazieren wir kurz in düstere Zeiten, knapp neun Jahre zurück. Es ist Europameisterschaft, auf dem Platz steht ein 39-jähriger Lothar Matthäus. Und einige dachten: Herrje, wo ist bloß unser Nachwuchs, sind die Frischen und Hungrigen? Vielleicht war dieser Moment ein Schlüsselerlebnis, und seither ist tatsächlich viel passiert. Die Bundesliga fiel in den Jungbrunnen.
Wer hinaus stieg, wissen wir. Podolski, Gomez, Lahm, Schweinsteiger. Andere aber, die kennen wir nicht. Zu diesen Spielern führen mittlerweile viele Wege und einer von ihnen auch nach Heidelberg. Zu Andreas Beck, dem Außenverteidiger der TSG Hoffenheim.
Hauptstraße. Vom Neckar faucht Winterluft herüber und treibt Menschen durch die längste Fußgängerzone Deutschlands, wo einst Clemens Brentano wohnte und Achim von Arnim, zwei Mittelstürmer der deutschen Spätromantik. "Ich komme mit dem Auto", hat Andreas Beck zuvor gesagt, und kurz ist da das Klischee, dieser Jungstar-Dreisatz. Der ist lästerlich und stimmt leidlich oft: erst Strähnchen, dann Schlagzeilen und eine schnelle Karre.
In der Süddeutschen Zeitung stand, Beck fahre einen Saab 900, zwanzig Jahre alt, kein Akt der Demut, sondern ein Statement. Seit dem Artikel steht das Statement nun beim TÜV und wartet auf sein Ende, ist durchgerostet und eine Gefahr für den Straßenverkehr. Beck sagt: "Derzeit fahre ich diesen hier" – auch einen Saab, silbern, ganz neu.
Er kommt gerade vom Training, dem zweiten an diesem Tag. Im Auto riecht es nach Sport, nach frischem Duschgel, nach Fußballfeierabend. Heute war das erste Training im neuen Stadion, das Dietmar Hopp der Stadt geschenkt hat. "Gigantisch, unglaublich", sagt Beck und reibt seinen Bauch: "Puh, ich würd’ gern was essen."
"Ach ja, ich bin Andi."
Ein junger, schmaler Mann. 21 Jahre alt, leuchtend blondes Haar, neugierige Augen, vielleicht eins achtzig, eher kleiner, und kaum könnte man glauben, einem der talentiertesten deutschen Fußballer gegenüberzusitzen. Moment, liegt’s auch am Namen?
Andreas Beck: Das klingt nach Allerwelt, ganz, nun, normal. Tippt man seinen Namen bei Wikipedia ein, bekommt man einen Tennisspieler aus Ravensburg (Weltranglistenplatz 103) und einen Autor theologischer Schriften aus dem Schwarzwald. Telefonbuchtreffer deutschlandweit: 403.
Mittlerweile ist es ein Name, den sich Fußballkenner schon mal begeistert zuraunen und der angeblich, so heißt’s im kruden Fußballdeutsch, "auf Jogi Löws Zettel" sei. Der inzwischen auch exemplarisch für die bisherige Fußballsaison steht. Denn zuweilen bezaubernd schöner Fußball kommt aus einem gewöhnlichen badischen Straßendorf: von der TSG Hoffenheim.
- Datum 02.09.2009 - 16:49 Uhr
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