Bahn Aufsichtsrat setzt Mehdorn unter Druck

In einer Sondersitzung will der Bahn-Aufsichtsrat über die Datenschutzaffäre des Konzerns beraten. Deutschlands oberster Datenschützer fordert neue Gesetze

In der Dauer-Affäre um Massen-Überprüfungen von Mitarbeitern soll Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nun zu Konsequenzen gezwungen werden. Der Aufsichtsratsvorsitzenden und Bahn-Chefkontrolleur Werner Müller schaltete sich erstmals öffentlich ein und ließ erklären: "Der Aufsichtsrat wird vollständige Klarheit in dieser Frage herbeiführen und Regelungen, die eine Wiederholung dieser Vorgänge ausschließen." In einer Sondersitzung werde das "ernste Thema" beraten. Der Termin für die Sitzung werde derzeit abgestimmt. Man habe Vorstandschef Hartmut Mehdorn bereits gebeten, die Antworten der Bahn auf die Fragen des Verkehrsausschusses vorab zur Verfügung zu stellen. Der Bahn-Chef habe dies zugesagt.

Auch die Bundesregeirung setzte Mehdorn eine Frist von einer Woche, um die offenen Fragen zu beantworten. Bis spätestens zur Verkehrsausschuss-Sitzung am kommenden Mittwoch müssten Bund, Ausschuss und Aufsichtsrat sich ein Bild machen können, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Anzeige

Wegen des wachsenden Drucks sucht der Bahn-Chef nun die Nähe der Gewerkschaften, die im Aufsichtsrat die Hälfte der Mitglieder stellen. Nach Angaben aus dem Umfeld Mehdorns wollte er sich am Mittwoch mit den Chefs von Transnet, GDBA und der Lokführergewerkschaft GDL treffen. Die Gewerkschaften hatten eine ausdrückliche Entschuldigung sowie vollständige Aufklärung gefordert, während aus der Opposition erneut Rücktrittsforderungen kamen.

Die Bahn hatte am Dienstag mitgeteilt, eine Ausweitung der Datenschutzaffäre sei möglich. Derzeit sei noch kein Ende der Ermittlungen abzusehen. "Mögliche weitere Vorgänge" seien nicht auszuschließen. Aus einem ZEIT ONLINE vorliegenden Schreiben des Verkehrsministeriums geht hervor, dass das Unternehmen 2005 offenbar die komplette Belegschaft von damals rund 220.000 Beschäftigten überprüfte. Inzwischen schließen führende SPD-Politiker einen Rücktritt Mehdorns nicht mehr aus.

Leser-Kommentare
    • gquell
    • 04.02.2009 um 13:56 Uhr

    Ich habe heute in der Financial Times Deutschland gelesen, daß für die Bahn auf die Zugänge der Finanz- und Ermittlungsbehörden zu den Banken zurückgegriffen wurde. Es sollen die Bankbewegungen von 3 Monaten der Mitarbeiter überprüft worden sein. Das bedeutet, daß der Staat, d.h. die Finanz- und Ermittlungsbehörden schon heute ohne richterliche Kontrolle auf meine intimsten Bankdaten zugreifen.

    Und dieses ist ein viel größerer Skandal als die Bespitzelung der Mitarbeiter. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ein Bundesinnenminister vollmundig tönte, daß die Behörden ausschließich auf die Stammdaten zugreifen können. Und das sie dieses nur in Ausnahmefällen unter richterlicher Kontrolle tun werden. Das ist meiner Meinung nach ein eklanter Verstoß gegen unseren Rechtsstaat und die Verfassung!
    Wozu muß ich jetzt eigentlich noch eine Steuererklärung abgeben - die Behörden wissen es sowieso alles besser.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 04.02.2009 um 15:34 Uhr

    ... müssen sie deshalb abgeben, damit der gleiche bundesminister sie dran kriegen kann falls sie einen fehler bei den angaben machen.
    es sei denn sie heissen mehdorn oder zumwinkel oder hartz oder ? oder ? oder ... möchte jemand die liste ergänzen?

    • Anonym
    • 04.02.2009 um 15:34 Uhr

    ... müssen sie deshalb abgeben, damit der gleiche bundesminister sie dran kriegen kann falls sie einen fehler bei den angaben machen.
    es sei denn sie heissen mehdorn oder zumwinkel oder hartz oder ? oder ? oder ... möchte jemand die liste ergänzen?

    • Anonym
    • 04.02.2009 um 15:34 Uhr

    ... müssen sie deshalb abgeben, damit der gleiche bundesminister sie dran kriegen kann falls sie einen fehler bei den angaben machen.
    es sei denn sie heissen mehdorn oder zumwinkel oder hartz oder ? oder ? oder ... möchte jemand die liste ergänzen?

  1. da sein Nachfolger alle Versäumnisse und Fehler aufdecken wird und dabei auch zwangsläufig die Versäumnisse und Fehler des Verkehrsministeriums und seines Ministers Tiefensee. Dieses gilt es zu verhindern, zumal der Verkehrs- und Aufbauminister Ost während seiner gesamten Amtszeit in der Kritik gestanden hat.
    Gleichzeitig würde die öffentliche Aufdeckung im Superwahljahr 2009 zu einer weiteren Verschlechterung des Wahlergebnisses für die SPD führen, die es sowieso schon schwer hat, die 20% Hürde zu halten.
    Allein das parteipolitische Kalkül wird die SPD dazu zwingen, ihren glücklosen Minister über Herrn Mehdorn zu stützen.
    Das Herr Mehdorn die längst überfällige Konsequenz selbst zieht und zurücktritt, erscheint nach seiner 10 jährigen Sesselverteidigung äußerst unwahrscheinlich.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service