Bundesliga-Presseschau Zum Größenwahn fehlt Schalke die Größe

Schalke fällt zurück in finstere Zeiten. Von Hans Meyers Ironie ist nur Hochmut geblieben. Und Bayern lässt ein großes Talent ziehen. Eine Presseschau

0:1 in Hannover, Platz neun in der Tabelle, ein Trainer, der noch kein Profil gezeigt hat, viele Fußballer im Kader, die man loswerden möchte, und dazu die Bürde, mit Sprüchen und Ansprüchen in die Saison gegangen zu sein: Philipp Selldorf (SZ) macht sich Sorgen über den Rückfall Schalkes in überwunden geglaubte Zeiten: "Seit den finsteren Achtzigern und deren Ausläufern hat Schalke nicht mehr so einen grundlegend desorganisierten und trüben Eindruck hinterlassen wie derzeit. Zu den fortgesetzten Kompetenz-, Kommunikations- und Selbstdarstellungsproblemen des Vorstands fügen sich die Irrtümer und Unbeholfenheiten der sportlich Verantwortlichen.“

Manager Andreas Müllers Versuche, überflüssige Spieler zu verkaufen, bezeichnet Selldorf als "Restpostenpolitik“ und "Kapitalvernichtung“. Sein höhnisches Fazit spielt auf Schalkes Champions-League-Träume an: "Bis zum nächsten Treffen mit dem FC Barcelona wird es wohl noch lange dauern. Zum Recht auf Größenwahn gehört Größe."

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Hans Meyer, Trainer des Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach, war einst Liebling der Feuilletonisten. Inzwischen empfinden viele Journalisten seine Ironie als hochmütige Marotte, durch die er Kritiker „kleinlich oder lächerlich wirken lässt“. Dass er bei der 0:2-Niederlage gegen die durch Bayern München gedemütigten Stuttgarter (5:1) einen Libero aufstellte, hat VfB-Stürmer Mario Gomez zu spitzen Bemerkungen veranlasst: „So etwas habe ich seit 60 Jahren nicht mehr gesehen.“

Jörg Hahn (FAZ) stützt das Empfinden des 23-jährigen Gomez. Hans Meyer sei "das Gegenbild des modernen, analytischen Fußball-Gestalters Rangnick und wirkt mehr als nur eine Spur selbstherrlich“. Meyer zu rüffeln, lässt sich Hahn nicht nehmen: "Einer wie er will natürlich nichts davon wissen, dass er mit seinem Defensivstil bei den noch vom Pokal-Debakel gezeichneten Stuttgartern danebengelegen haben dürfte.“

Bayern München verleiht sein großes Talent Toni Kroos für eineinhalb Jahre nach Leverkusen – und das offenbar auf eigene Initiative. Andreas Burkert (SZ) spricht von einer "spektakulären Personalie" und einem "Politikwechsel in München". Denn Bayern-Manager Uli Hoeneß hat in der Vergangenheit oft angekündigt, dass man für Kroos die Nummer 10 reserviert habe. Heute wird er anders zitiert: "Du kannst nicht die Champions League gewinnen wollen und gleichzeitig fünf Junge einbauen." Damit könnte sich Kroos in die Liste derjenigen Jungnationalspieler einreihen, die sich in München nicht durchsetzen konnten: Lukas Podolski, Marcell Jansen oder Piotr Trochowski. Dass diese Entwicklung ausgerechnet unter Reformer Jürgen Klinsmann forciert wird, überrascht Burkert: "Jugendleiter Klinsmann schließt die Kadettenschule.“

Jan Christian Müller (FR) teilt seine Begeisterung über den 1:0-Sieg gegen Bayern mit den HSV-Fans: „Die meisten waren sich einig, eine der besten Leistungen des HSV seit 1983 gesehen zu haben, 1983, dem Jahr der letzten Meisterschaft, dem Jahr, nach dem sie sich unendlich zurücksehnen in Hamburg.“

Ist Hamburg nun ein Kandidat für das Meisterrennen? Jörg Marwedel (SZ) wirft einen Blick auf die nach wie vor sehr aktive Transferpolitik des Klubs. Vor der Saison kamen kurz vor Fristende vier Spieler, darunter Marcell Jansen und Mladen Petric. Jetzt stoßen kurz vor Fristende wohl drei Neue hinzu, darunter wohl Albert Streit. Marwedel gibt zu bedenken: "Petric hat den Verlust von Rafael van der Vaart zu einem guten Teil aufgefangen. Nun stehen erneut größere Rochaden im Kader an. Und schon wieder wird es darum gehen, neu erworbene Spieler so schnell wie möglich zu integrieren, was womöglich ein kleiner Vorteil für die bereits eingespielte Titel-Konkurrenz sein könnte."

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Leser-Kommentare
  1. das toni kroos jetzt in eine reihe mit jansen und podolski gestellt wird, ist mehr als lächerlich. ich sehe in der ausleihe zu bayer eher paralellen zur karriere von phillip lahm, der sich in den zwei jahren beim vfb (2003 - 2005) deutlich weiterentwickelt hat.

  2. Redaktion

    Da ist was dran, wurstendbinder. Wenn Bayern Kroos auf der Bank sitzen lassen würde, täten die gleichen Experten sagen: Hätten sie ihn doch wenigstens ausgeliehen.

    Andererseits muss man sich an die großen Worte Hoeneß' über Kroos erinnern. Da darf man sich schon mal fragen: Gehts nicht auch mal ne Nummer kleiner?

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