Weltwirtschaftsforum Das Ende von "Davos Man"
Früher glänzten Investmentbanker in Davos. Jetzt sind sie weg. Doch neue Unternehmertypen kommen in Scharen. Was sie diskutieren? Die dunkle Seite des Managertums

© Pierre Verdy/AFP/Getty Images
Politiker aus aller Welt kommen in Davos zusammen, so wie hier Ilham Aliyev aus Aserbeidschan, der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan und Armeniens Präsident Serzh Sarkisian
Am Morgen war ich zu Gast beim täglichen Reuters-Fernsehen vom World Economic Forum. Da steht man in einer Dreierrunde bei Minusgraden auf einem sonnigen Balkon und diskutiert die Themen des Tages oder der Woche. Mit dabei war der Financial-Times-Kolumnist John Gapper.
Seine fröhlich vorgetragene These: Die Krise bedeute den Tod für "Davos Man“, jenes imaginäre Sammelwesen, das den Kern des Forum darstellen soll. Es liebt die Globalisierung, weil es von ihr mehr profitiert als alle anderen Menschen. Es ist auf hohen Profit aus und ist doch gerne philanthropisch.
Was der Kollege meint? Tatsächlich fehlt hier in Davos in diesem Jahr ein Typus, der noch im vergangenen Jahr die Szenerie beherrschte: der Investmentbanker. Nur wenige würden sich bei Tageslicht noch an die Davoser Öffentlichkeit trauen, scherzte der frühere britische Premier Tony Blair und erntete viel zustimmendes Lachen. Wenn aber die Stars von früher fehlen (und viele von ihnen auch nicht wiederkommen werden), dann ist das Davoser Modell bedroht, oder?
Die These ist ebenso attraktiv wie falsch. Das Forum ist genauso, wie seine globale Mitgliederklasse sein will: flexibel und jeder Zeit bereit, sich neu zu erfinden. Es hat die Anführer des Internet-Booms im Jahr 2000 bejubelt – und ihren unrühmlichen Abgang gut überstanden.
Stars kommen und gehen, aber das Interesse bleibt. So viele Teilnehmer wie in diesem Jahr hat Davos noch nie gezählt, der Schweizer Ort platzt aus alle Nähten, für jeden untergegangenen Investmentbanker kommt am Ende ein anderer Unternehmenslenker, der gerne der Davos-Klasse angehören möchte.
Ich habe also widersprochen, und ich bleibe bei meinem Widerspruch. Davos ist attraktiv für die Manager, weil es mehr ist als nur eine Bestätigung ihres globalen Profitstrebens. Es spricht auch die dunkle Seite dieses Tuns an. Das tut gut, denn schließlich wissen auch die härtesten Chefs, dass Bill Clintons hier geäußerter Satz stimmt, die Weltwirtschaft sei instabil, ungleich und nicht nachhaltig.
Warum, so fragte etwa die Spitzenmanagerin Maria Ramos am Donnerstag, warum schreiben fast alle Konzerne ethische Prinzipien und Wertekanons auf – wenn es dann immer wieder zu kapitalistischen Katastrophen kommt?
Die Antwort schlug die kluge Managerin gleich selbst vor: Die Manager sind nicht konsequent genug darin, diese Prinzipien durchzusetzen, vor allem dann nicht, wenn sie den kurzfristigen Profit verringern. Doch, und das zeigt Davos in der Krise besonders deutlich, ganz wohl ist vielen von ihnen nicht dabei.
- Datum 31.01.2009 - 10:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn die Investment-Banker die früheren Stars waren - wer sind denn jetzt die Stars und wer hat Interesse an was?
- Davos ist attraktiv für die Manager, weil es mehr ist als nur eine Bestätigung ihres globalen Profitstrebens. Es spricht auch die dunkle Seite dieses Tuns an. -
Sollte es sich hier um eine Beichte und Bestätigung handeln, dass sie nichts anderes tun/wollen als globales Profitstreben (die Macht ist vergessen worden). Was ist damit getan, wenn die dunkle Seite angesprochen wird und nicht zu erkennen ist wie damit umgegangen werden soll.
Sehen wir es mal so wie in Star Wars > Die dunkle Seite der Macht. Wo aber ist jemand, der etwas dagegen unternimmt? Mit einem Lächeln von Herrn Blair ist es nicht getan.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Ein Foto von hinten zeigte eine Allee von gekreuzten Fingern.
Pitbullbesitzer versichern auch immer wieder: "Der will doch nur spielen"
... Managertums. Mein Gott, die deutschen haben wirklich ein Feindbild. Statt "dunkle Seiten des Judentums" sind es nun die "dunklen Seiten des Managertums".
Das sind Menschen wie sie und ich. Wir würden -in gleicher Position- wahrscheinlich nicht anders handeln. Und machen es -im kleinen- auch tagtäglich nicht anders.
Die dunklen Seiten des Menschen scheint die angemessenere Formulierung.
...jedes Unternehmen für seine Fehler vom Konsumenten abgestraft werden würde. Es ist eine Frage von allgemeinem Verständnis für Ethik, Zensur und gesunder Konkurrenz:
In der hypothetischen Annahme, alle Konsumenten hätten ethische Grundprinzipien und würden ausreichend über alles informiert, es gäbe keine Zensur, es würde eine wirklich unabhängige Presse geben und es würde in jedem Unternehmensfeld der Marktwirtschaft eine lebendige Konkurrenz geben:
Wäre dann nicht die völlig freie Marktwirtschaft ohne weitere Regulierungen die einzig logische Schlußfolgerung?
Man stelle sich vor...
...der Konsument würde die Produkte einer Firma nicht mehr kaufen, weil Sie von Kinderarbeitern hergestellt werden.
...die Leute kaufen plötzlich die Lebensmittel der Konkurrenz, weil sie erfahren haben daß die Firma ganze Landstriche in Südamerika versklavt hat.
...die Leute kündigen ihr Konto und wechseln zur Bank um die Ecke weil sie erfahren haben daß ihre Bank mit riskanten Anleihen handelt.
...die Leute kaufen ein anderes Produkt, weil die Firma wieder 1000 Mitarbeiter trotz Rekordgewinn entlassen will.
...die Leute wechseln zur Konkurrenz, weil sie es blöd finden, daß die Firma ihre Mitarbeiter bespitzelt.
...die Leute würden Bescheid wissen, woher das Produkt kommt oder wer es unter welchen Bedingungen hergestellt hat.
...die Leute würden wissen, wo sie ihr Geld wirklich anlegen.
...Manager würden für ihr Tun persönlich haften.
...Manager hätten ein Interesse an langfristiger Entwicklung ihres Unternehmens.
...Zensur und Meinungsmache wäre ein Strafbestand.
...
Bis diese Gedanken von der Hypothese zur Realität werden, müssen wir uns von der Idee der freien Marktwirtschaft verabschieden. Alle Prediger dieses Systems des Wirtschaftens haben es nicht zu Ende gedacht...
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