Finanzkrise Die CO2-Falle
Klimaschutz ade: Noch nie war es für Unternehmen so günstig, das Treibhausgas Kohlendioxid zu emittieren. Wegen der Finanzkrise ist keine Besserung in Sicht
Der Preis für eine Tonne Kohlendioxid (CO2) an der Leipziger Strombörse kennt seit Juli vergangenen Jahres nur einen Weg: den nach unten. Zurzeit liegt der sogenannte Futurepreis 2009 so tief wie nie zuvor, bei gerade einmal elf Euro je Tonne.
Der Verfall ist eine direkte Folge der Wirtschaftskrise. "Die Nachfrage nach Emissionsrechten sinkt, weil auch der Stromverbrauch sinkt", erklärt Florian Haslauer, Energieexperte der Wirtschaftsberatungsgesellschaft A.T. Kearney, "viele Unternehmen rechnen offensichtlich damit, weniger CO2 auszustoßen, weil sie weniger produzieren".
Vordergründig scheint das dem Klima zu helfen, doch tatsächlich sind die Folgen fatal. Mit dem CO2-Preis sinkt der Anreiz, langfristig in den Ausbau klimafreundlicher Technologien zu investieren. Verstärkt wird dieser Effekt durch die niedrigen Rohstoffpreise für Öl, Gas und Kohle. Sie sind in den vergangenen Monaten stark gesunken und machen es wieder attraktiv, zum Beispiel klimaschädigende Kohlekraftwerke am Netz zu lassen.
Dabei hatten sich die europäischen Regierungen ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bei 20 Prozent liegen, der CO2-Ausstoß um 20 Prozent sinken. Jetzt aber schlittert Europa von der Finanzkrise nicht nur in eine Wirtschafts-, sondern auch in eine CO2-Krise.
Hinzu kommt die fehlende Investitionsbereitschaft der großen Energiekonzerne. Nach einer aktuellen Studie von A.T. Kearney, die das Unternehmen intern initiiert hat, werden bis 2010 jährlich etwa zehn Milliarden Euro zu wenig in den Ausbau des europäischen Kraftwerkparks investiert. Erforderlich wären aber 30 bis 35 Milliarden Euro. Die Versorger wägen ab: Höhere Kreditzinsen für einen Neubau zahlen - mindestens mehr als ein Prozent - oder doch lieber das abgeschriebene Kohlekraftwerk am Netz lassen? "So bleiben alte Kraftwerke mit schlechtem Wirkungsgrad in Betrieb", sagt Haslauer.
- Datum 20.05.2009 - 10:33 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie Energie
- Quelle ZEIT ONLINE, 7.4.2009 - 18:14 Uhr
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Es sollte erwähnt werden, dass der durch die Wirtschaftskrise weltweit abnehmende CO2-Ausstoß für die sinkenden Preise der CO2-Zertikate verantwortlich ist. Aus der Sicht eines Umweltschützers ist die derzeitige Situation also besser als vor 2 Jahren. Wollen wir hoffen, dass die im Konjunkturprogramm angekündigten Investitionen in erneuerbare Energien die fehlenden Investitionen ausgleichen, die durch den niedrigen Emissionspreis enstehen.
Liebe Redaktion sind Sie noch bei Trost?
Was meinen Sie warum die Preise für fossile Brennstoffe sinken? Kam es zu einer Ölschwemme weil wir plötzlich ein Lager in unserem Vorgarten entdeckt haben? Die Preise sinken doch aufgrund der geringen Nachfrage, und das heißt WENIGER CO2 Emissionen! Zusätzlich werden Investitionen in Förderkapazitäten zurückgefahren, was dafür sorgt, dass auch in Zukunft nicht soviel Öl/Gas/Kohle angeboten wird wie es bei einem andauernden Boom der Fall gewesen wäre, also: auch in Zukunft weniger Emissionen.
Und was die CO2 Preise angeht, die sind für die Emissionen vollkommen egal: Das Angebot ist schließlich durch die politisch festgelegte Menge ausgegebener Zertifikate fixiert. Das sollte nun langsam auch die ZEIT mal verstanden haben. Ob die Zertifikate nun von ineffizienten oder effizienteren Kraftwerken verbraucht werden ändert ÜBERHAUPT NICHTS an der Gesamtmenge der Emissionen. Wer deswegen Investitionen verzögert handelt sich ausschließlich höhere Kosten ein, falls der Preis für CO2 wieder steigt.
Und warum bitte schön soll ein zukünftiger Boom "dem Klima gut tun"? Solch ein Schwachsinn!!
Im Boom wird wieder mehr gefahren, produziert, verbrannt , das heißt es wird mehr emittiert (in Sektoren die nicht dem Emissionshandel unterliegen). Wegen der höheren Preise lohnt es sich auch wieder mehr Kohle/Öl/Gas zu fördern was die Sache verschärft.
Das sind MINIMALKENNTNISSE in Ökonomie, die auch die ZEIT für Ihr Wirtschaftsressort voraussetzen sollte. Verdummung hingegen wie Sie in diesem Artikel betrieben wird, ist einer der zentralen Gründe warum Politik & Industrie sich immer noch mit abstruser Argumentation (wir haben ja ach so effiziente Kraftwerke) aus der Affäre ziehen können.
Mit dem Emissionshandelssystem haben wir eine am Markt orientierte Lösung.
Das der Preis bei sinkender Nachfrage fällt, erscheint mir einleuchtend und ist auch so gewollt. Nebeneffekte sind ein sinkender Strompreis - und geringere Windfall-Profits bei den Stromerzeugern. Die lieben das Handelssystem nämlich heiß und innig - zumindest bis 2012 einschließlich. Danach profitiert dann der Staat von den Einnahmen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Gesamtemissionen gedeckelt sind (Cap and Trade). Damit wird unter anderem erreicht, dass - weitgehend unabhängig von der Wirtschaftslage - die Emissionen konstant bleiben. Über Sinn oder Unsinn dieser Lösung kann man streiten. Mir erscheint sie jedoch ganz sinnvoll.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren