Finanzkrise Die CO2-FalleSeite 2/2

Obendrein fördert die Politik, die sich noch vor Kurzem dem Klimaschutz verschrieben hat, mit ihren Konjunkturpaketen den Klimawandel. Viele Staaten, darunter auch China, setzen auf den Ausbau von Straßen, den Bau von Flughäfen und anderen Infrastrukturprojekten. Doch kaum eine Industrie ist so CO2-intensiv wie die Zementherstellung, sie gilt als wahrer Klimakiller.

Klimaschützer hoffen daher auf den Aufschwung – weil dann strenge Zeiten auf Unternehmen zukommen, wie Haslauer erklärt. Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, müsse ein überalterter Kraftwerkspark die steigende Stromnachfrage befriedigen, bei gleichzeitig steigenden Kosten für Öl, Kohle und Gas.

Der Energieexperte rechnet damit, dass der Strompreis an den Börsen dann um mindestens 50 Prozent steigt. Das bedeute das Ende der "fetten Jahre" für E.on und andere europäische Versorger. Sie konnten sich in den vergangenen Jahren über jährliche Wachstumsraten von im Schnitt 14,6 Prozent freuen. A.T. Kearney schätzt, dass die Versorger in diesen Krisenjahren  Erlösrückgänge von mindestens 20 Prozent verkraften müssen.

Was die Unternehmen schmerzt, wird dagegen dem Klima guttun: Höhere Preise für fossile Energien machen Ökostrom, der noch immer im Durchschnitt zu teuer ist in der Produktion, schneller wettbewerbsfähig. Und auch für die Privathaushalte gibt Haslauer Entwarnung. Weil die Stromerzeugung nur einen Teil der Stromkosten ausmache und auch noch Steuern und Netzentgelte den Preis bestimmen, werde der Privatkundenpreis zukünftig weitaus weniger anziehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Es sollte erwähnt werden, dass der durch die Wirtschaftskrise weltweit abnehmende CO2-Ausstoß für die sinkenden Preise der CO2-Zertikate verantwortlich ist. Aus der Sicht eines Umweltschützers ist die derzeitige Situation also besser als vor 2 Jahren. Wollen wir hoffen, dass die im Konjunkturprogramm angekündigten Investitionen in erneuerbare Energien die fehlenden Investitionen ausgleichen, die durch den niedrigen Emissionspreis enstehen.

  2. Liebe Redaktion sind Sie noch bei Trost?

    Was meinen Sie warum die Preise für fossile Brennstoffe sinken? Kam es zu einer Ölschwemme weil wir plötzlich ein Lager in unserem Vorgarten entdeckt haben? Die Preise sinken doch aufgrund der geringen Nachfrage, und das heißt WENIGER CO2 Emissionen! Zusätzlich werden Investitionen in Förderkapazitäten zurückgefahren, was dafür sorgt, dass auch in Zukunft nicht soviel Öl/Gas/Kohle angeboten wird wie es bei einem andauernden Boom der Fall gewesen wäre, also: auch in Zukunft weniger Emissionen.

    Und was die CO2 Preise angeht, die sind für die Emissionen vollkommen egal: Das Angebot ist schließlich durch die politisch festgelegte Menge ausgegebener Zertifikate fixiert. Das sollte nun langsam auch die ZEIT mal verstanden haben. Ob die Zertifikate nun von ineffizienten oder effizienteren Kraftwerken verbraucht werden ändert ÜBERHAUPT NICHTS an der Gesamtmenge der Emissionen. Wer deswegen Investitionen verzögert handelt sich ausschließlich höhere Kosten ein, falls der Preis für CO2 wieder steigt.

    Und warum bitte schön soll ein zukünftiger Boom "dem Klima gut tun"? Solch ein Schwachsinn!!
    Im Boom wird wieder mehr gefahren, produziert, verbrannt , das heißt es wird mehr emittiert (in Sektoren die nicht dem Emissionshandel unterliegen). Wegen der höheren Preise lohnt es sich auch wieder mehr Kohle/Öl/Gas zu fördern was die Sache verschärft.

    Das sind MINIMALKENNTNISSE in Ökonomie, die auch die ZEIT für Ihr Wirtschaftsressort voraussetzen sollte. Verdummung hingegen wie Sie in diesem Artikel betrieben wird, ist einer der zentralen Gründe warum Politik & Industrie sich immer noch mit abstruser Argumentation (wir haben ja ach so effiziente Kraftwerke) aus der Affäre ziehen können.

  3. Mit dem Emissionshandelssystem haben wir eine am Markt orientierte Lösung.
    Das der Preis bei sinkender Nachfrage fällt, erscheint mir einleuchtend und ist auch so gewollt. Nebeneffekte sind ein sinkender Strompreis - und geringere Windfall-Profits bei den Stromerzeugern. Die lieben das Handelssystem nämlich heiß und innig - zumindest bis 2012 einschließlich. Danach profitiert dann der Staat von den Einnahmen.

    Es ist wichtig zu verstehen, dass die Gesamtemissionen gedeckelt sind (Cap and Trade). Damit wird unter anderem erreicht, dass - weitgehend unabhängig von der Wirtschaftslage - die Emissionen konstant bleiben. Über Sinn oder Unsinn dieser Lösung kann man streiten. Mir erscheint sie jedoch ganz sinnvoll.

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