Deutsche Banken Analysten warnen vor weiteren Milliarden-Abschreibungen
Giftpapiere im Wert von 93 Milliarden Euro machen Experten von JP Morgan bei deutschen Banken aus. Diese planen einem Bericht zufolge, ihre Rettung selbst zu organisieren
Die Bankenkrise hat nach Ansicht von Analysten nichts an Schärfe verloren: Laut einer Studie von JP Morgan schlummern noch 93 Milliarden Euro in den Büchern der Commerzbank, der Hypo Real Estate, der Postbank und der Aareal Bank. Die Experten rechnen daher mit weiteren milliardenschweren Abschreibungen. Das könnte das Eigenkapital der Institute weiter schmälern. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte zuletzt betont, sein Institut habe keine riskanten Papiere mehr im Portfolio.
Bei der Commerzbank, die kürzlich die Dresdner Bank übernommen hat, stehen nach Ansicht von JP Morgan voraussichtlich Abschreibungen von 20 Milliarden Euro an. Angesichts der vorgesehenen Staatshilfe sei dies für das Institut aber zu stemmen. Die zweitgrößte deutsche Bank hat vom Staat über 18 Milliarden Euro Finanzhilfen bekommen. Auf die Postbank sehen die Experten vier Milliarden Euro Wertberichtigungen zukommen, auf die Hypo Real Estate acht Milliarden und auf die Aareal Bank zwei Milliarden Euro.
Analysten von Equinet halten es daher für wahrscheinlich, dass eine Entscheidung über eine "Bad Bank" bald fallen wird. Hiervon würde vor allem die Postbank profitieren. Auch sei nicht auszuschließen, dass die Deutsche Bank Papiere an ein solches Vehikel übertrage. Das Bundesfinanzministerium teilte jedoch mit, man rechne nicht mit einer schnellen Lösung.
Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge bereiten die privaten Banken deshalb eine eigene "Bad Bank" für ihren Sektor vor. Eine Arbeitsgruppe des Bankenverbandes habe hierzu in den vergangenen Wochen einen Vorschlag für eine "Abwicklungseinheit" erarbeitet, in die sämtliche Banken ihre toxischen Wertpapiere auslagern könnten. Der Verband wollte dies nicht direkt bestätigen. Die Aufsichtsbehörde Bafin und die Bundesbank müssten dem Vorschlag zustimmen.
- Datum 04.05.2009 - 11:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Was stört uns an der Idee der Bad Bank?
Zunächst sicher nicht, dass die Banken damit wieder gut dastehen:
denn das würde uns allen im Zusammenhang mit einfacherer Kreditvergabe und Vertrauen in die Märkte zugute kommen.
Was uns stört ist die Tatsache, dass einige wenige, die vorzüglich am Aufblähen der Blase verdient haben und u.U. weiterhin gut daran verdienen (siehe Bonizahlungen für Investmentbanker), nun nicht zur Verantwortung gezogen werden und sich sicher sein können, dass sie in Zukunft auch weiter gut verdienen werden. Komme, was da wolle.
Mit Good Banks und dem Staat als Bad Bank sind wir Steuerzahler die Verlierer, sofern nun die Gegenleistung für den Transfer verseuchter Papiere von Banken zum Staat falsch verhandelt wird.
Im Turbokapitalismus ist aufgrund der maximalen Entscheidungsfreiheit für Manager das folgende Prinzip der Marktwirtschaft konterkariert worden: Jeder wird für seine eigene Wertschöpfung, sprich für seine eigene Leistungsfähigkeit, vergütet.
Die Tatsache, dass Manager auf den Schultern ihrer Mitarbeiter stehen, wurde dafür ausgenutzt, die Mitarbeiter-Wertschöpfung übermäßig dem Management zu vergüten.
Letztendlich befürchten wir also, dass die Auslagerung von Risikopapieren an eine staatliche Bad Bank genau das gleiche provoziert: Banker profitieren übermäßig am kleinen Steuerzahler.
Wie kann dies nun gelöst werden:
Während der Staat den weniger Leistungsfähigen zur Erhaltung des Existenzminimums hilft, ist bislang in der sozialen Marktwirtschaft keine obere Grenze für Einkünfte gesetzt worden. Genau das ist nun aber Ursprung des aktuellen Problems:
die Möglichkeit der Bereicherung der einen führt nach einer gewissen Zuspitzung zum Absturz aller. Neu sollte sein, dass der Staat feste Obergrenzen für das Einkommen Einzelner festlegt, und alles darüber hinaus dem Staat zufließt.
Damit ließen sich Rettungsaktionen wie Bad Banks refinanzieren und wir könnten uns sicher sein, dass keiner mit der damit verbundenen Sozialisierung der Verluste übermäßig profitiert.
Welche Lenkungswirkung würde durch die Obergrenze der jährlichen Einkommen ausgehen?
- hochqualifizierte Arbeit würde auf mehr Personen verteilt werden. Hintergrund: die letzten Jahre waren dadurch geprägt, dass von Spitzenarbeitskräften mit Spitzengehältern immer längere Arbeitszeiten abverlangt wurden. Würde hochqualifizierte Arbeit durch die Deckelung der Gehälter auf mehrere Schultern verteilt werden, so würden dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden und die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die privaten Einnahmen auch zu privatem Konsum führen.
- Unternehmer, die vor Jahresende die Deckelung ihrer privaten Einnahmen voraus sehen würden, würden es vorziehen, die Gewinne besser für Investitionen ins Unternehmen zu nutzen, als sie dem Staat zukommen zu lassen. Und das hätte absolute Vorteile: denn ein Unternehmer weiß im Allgemeinen besser, wo sich eine Reinvestition gezielt lohnt, als dass der Staat Staatseinnahmen sinnvoll einsetzen kann.
- Langfristig würde ein Aufklaffen der Schere zwischen arm und reich eingedämmt werden, trotzdem bliebe im Einkommensbereich zwischen Sozialhilfe und Maximaleinkommen ein genügend großes Band für die Verwirklichung persönlicher Träume bei entsprechender Leistungsbereitschaft zur Verfügung.
Die Finanzkrise und insbesondere die Schaffung einer Bad Bank bietet die besondere Möglichkeit, ein derartiges Modell durchzusetzen: denjenigen Banken, die sich durch eine Bad Bank ihrer fragwürdigen Vergangenheit entledigen können, könnte im Gegenzug als erste das Modell der Maximalgehälter verordnet werden.
Maximalgehälter könnten meines Erachtens den nächsten Evolutionsschritt in der Entwicklung der freien Marktwirtschaft darstellen.
Die wissen doch genau welchen Dreck sie aus Amerika verschickt haben, frage mich nur warum sich die immer um europäische Banken kümmern und sog. Ratings abgeben, die sollten erst mal ihren Dreck vor ihrer Türe weg kehren. Die deutschen Banken sollen die Ratingagenturen in Amerika verklagen, dann wird es möglicher Weise etwas ruhiger.
Die hunderten Milliarden Euro (aus Steuergeldern - man kann es nicht oft genug wiederholen), die in das Fass ohne Boden namens "notleidende Banken" gesteckt werden, könnte der Staat auch sinnvoll einsetzen: Man gründe eine von "toxischen Papieren" unbelastete Good Bank, die ausschließlich der Versorgung der Realwirtschaft mit Liquidität verpflichtet wäre (bitte nicht bei der Kfw - siehe deren ex-Tochter IKB). Eine Bank mit einem Eigenkapital von 300 oder 400 Mrd Euro sollte durchaus in der Lage sein, dies zu Konditionen zu leisten, die in der Realwirtschaft tatsáchlich zur Erhaltung von Arbeitsplátzen führen.
Das Totschlag-Argument der Finanzwelt, systemrelevante Banken dürften deshalb nicht fallenlassen werden, weil dann die Geldversorgung der Wirtschaft vollends zusammenbräche, könnte damit sehr augenscheinlich wiederlegt werden. Im Übrigen waren die Banken schon vor der Krise - und jetzt noch immer - weniger an Unternehmenskrediten interessiert (damit macht man halt keine 20% Rendite), sondern an der Entwicklung und dem Verkauf aberwitziger Finanzprodukte (Bitte definieren Sie "Produkt"!). Warum sollte man so blauäugig sein, jetzt anzunehmen, die Banker hätten ihren Charakter geändert und irgendeine Spur von Verantwortung entdeckt, die über Dividende und Aktienkurs hinausgeht?
Zum einen ist es recht erstaunlich, woher nun gerade J.P.Morgan weiß, was in den deutschen Tresoren an toxischen Papieren ruht und angeblich weder die Banken noch die Regierung wirklich weiß, was drin steckt.
Zum anderen kursieren Zahlen, die weit über 300 Milliarden liegen als unterer Rahmen.
Was ist denn nun richtig?
Wären es wirklich nur 93 Milliarden, wäre die Krise schon keine mehr (jedenfalls in Deutschland). Das kann also nicht stimmen und damit ist der Artikel das Papier nicht wert, auf das er gedruckt ist.
Vielleicht sind aber die genannten 93 Milliarden nur die "erkannten" Totalverluste, denen eine Unmenge weiterer Risiken in dreistelliger Milliardenhöhe mit 20% bis 90% Verlustrisiko als Rattenschwanz noch hinten dran hängt.
Der Ruf nach den Staatsanwälten erscheint sehr legitim, nur sind die weder Willens noch in der Lage, da einzuschreiten, da das regierungsseitig schlicht unerwünscht ist.
Die Gründung einer echten "Good Bank", auf die die Einlagen und Kreditlinien der Bürger nahtlos übertragen werden, erscheint immer sinnvoller. Dann können anderen ihre Probleme per Insolvenz lösen. Da das aber den "Krisengewinnlern" nicht gefallen wird, wird die Regierung stellvertretend für die Steuerzahler zwangsverpflichtet, die Casino-Schulden der Zocker abzuzahlen. Koste es, was es wolle.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren