Unterricht
Keine Schule, kein Stress
Ein Bremer Elternpaar will seine Kinder von der Schulpflicht befreien lassen. Vor dem Oberverwaltungsgericht blieb die Klage in zweiter Instanz erfolglos. Ein Interview

© photocase.de/Wickelbär
Zu Hause lernen ist in Deutschland keine anerkannte Alternative zur Institution Schule
Familie Neubronner, Mutter Biologin, Vater Berufsfachschullehrer, unterrichtet ihre beiden Söhne Moritz (12) und Thomas (9) seit 2005 zu Hause. Das ist möglich, weil der Vater und die Kinder ihren Lebensmittelpunkt nach Frankreich verlegt haben. Die Mutter lebt weiterhin in Bremen, die Familie betreibt dort einen Verlag. Vor zwei Jahren klagte die Familie erfolglos auf Befreiung von der Schulpflicht vor dem Verwaltungsgericht Bremen. Nun ging sie vor dem Oberverwaltungsgericht Bremen in Berufung, blieb aber erfolglos. Nun bleibt ihr die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision.
ZEIT ONLINE
: Herr Neubronner, was haben Sie gegen die Schule?
Tilman Neubronner:
Was ich an der Schule auszusetzen habe, ist der Zwang. Dass die Schule von sich behauptet, der einzig legitime Vermittler von Wissen und Sozialverhalten zu sein, und über die eigenen Erfolge keine Rechenschaft ablegen muss. Wir sind keine prinzipiellen Schulgegner. Doch eine zusätzliche Alternative würde das gesamte Schulwesen beleben.
ZEIT ONLINE
: Wie kamen Sie dazu, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen und selbst zu unterrichten?
Neubronner:
Bevor wir nach Bremen kamen, haben wir im Allgäu gelebt und dort selbst eine Montessori-Schule mitgegründet. Wir haben unseren Sohn Moritz zwei Jahre als Schüler erlebt und gesehen, wie er von einem fröhlichen zu einem oft traurigen, misslaunigen und häufig kranken Kind wurde. In Bremen ging er kurz an eine Regelschule, auch unser Sohn Thomas wurde dort eingeschult. Beide reagierten sehr negativ auf die Schule. Nach drei Wochen haben wir das dann beendet.
ZEIT ONLINE
: Wie hat sich Moritz seitdem verändert?
Neubronner:
Er ist vergnügt, steht morgens gerne auf und war in der Zeit nie wieder krank.
ZEIT ONLINE
: Hallo Moritz, wie findest du es, dass du nicht in die Schule gehen musst? Macht dir das Lernen so Spaß?
Moritz
: Ja, das macht mir viel Spaß und es ist viel schöner für mich, als in die Schule zu gehen. Aber andere fühlen sich bestimmt in der Schule wohler. Manche gehen da gerne hin und andere nicht, das ist wie mit unterschiedlichen Hobbys.
ZEIT ONLINE
: Was sagen denn deine Freunde dazu?
Moritz
: Am Anfang haben sie mich immer Sachen abgefragt, die sie gerade gelernt hatten. Und dann haben sie gemerkt, dass ich das auch alles weiß. Danach war das eigentlich kein Thema mehr.
ZEIT ONLINE
: Sind deine Freunde neidisch?
Moritz
: Ja, sehr.
ZEIT ONLINE
: Was hat dir an der Schule nicht gefallen?
Moritz
: Die Anwesenheitspflicht und dass einem alles vorgeschrieben wird, sogar wann man essen darf und wann man eine Pause machen kann. Das fand ich grauenvoll, und das ist auch gegen das Grundgesetz. Zu Hause kann ich eine Pause machen, wann ich das will, und lerne danach weiter.
ZEIT ONLINE
: Herr Neubronner, wie erleben Sie den Unterricht zu Hause als Eltern? Ist das nicht eine große Arbeitsbelastung?
- Datum 2.3.2009 - 16:33 Uhr
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... nur ein weiterer Teil unserer im Nachrkriegsdeutland hängengebliebenen Bundesrepublik. Ohne jegliche Motivation Themen anzupacken die nötige Strukturwandel provozieren aus Angst die Wählerschaft - oder die eigene Einflusssphäre dadurch zu veringern.
Mann kann Eltern nur beglückwünschen die den Mut und den Eifer aufbringen auf juristischem Wege gegen offensichtliche Missstände vorzugehen.
Ich selbst war auf einer, nein auf mehreren Schulen in meiner Laufbahn und derzeit ist es eine Fh, ich bin mir sicher, dass ich auch auf alternativem Wege den Bildungsgrad erreicht hätte, der dazu notwendig ist. Sehr wichtig finde ich, das der Schulbesuch von der eignung der Kinder abhängt und nicht von der Ideologie der Eltern, aber das wurde im Artikel ja deutlich.
Viel Erfolg weiterhin - allen die die Legislative dazu zwingen (wollen) Wege zu beschreiten um nicht immer nur im Kreisverkehr zu rotieren.
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Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-
An dem Grunddilemma würde auch ein juristischer Sieg dieses Ehepaares wenig ändern: Wir finanzieren mit unseren Steuern ein international nicht konkurrenzfähiges, desaströses Bildungssystem und müssen zusätzlich auch noch für eine vernünftige Beschulung der Kinder via Privatschulen oder -unterricht in die Tasche greifen.
Das System ist schon noch gut genug um eine recht hohe Zahl gut gebildeter und qualifizierter Leute hervorzubringen. Schade und unhaltbar ist, dass ein guter Prozentsatz in die unteren Stufen des Schulsystems abgeschoben wird.
entstand im vorvorletzten Jahrhundert, um Kinder aus dem Einflussbereich ihrer Eltern herauszuholen und sie zum Schulbesuch zu verpflichten. Vielen Eltern war es zum damaligen Zeitpunkt wichtiger, dass die Kinder daheim halfen, sie enthielten ihnen aus Notwendigkeit die Bildung vor oder waren nicht in der Lage, diese zu bezahlen. Das ist vergleichbar mit der Situation vieler afrikanischer Staaten heute. Die Einführung der kostenlosen Schulpflicht war seinerzeit sicher ein Segen für die Entwicklung des Landes. Das Motiv war, flächendeckend für eine Grundbildung zu sorgen, was für eine funktionierende Volkswirtschaft unerlässlich ist. Die gesellschaftlichen Strukturen haben sich seither sicher verändert. Immer noch sollte die Bildung seitens des Staates kontrolliert werden, um zu gewährleisten, dass alle Kinder daran teilhaben. Diese Kontrolle könnte sich natürlich auch darauf beschränken, zu überprüfen, ob vorgeschriebene Lernziele eingehalten werden. Meines Erachtens entstehen Privatschulen oder Privatunterricht jedoch vornehmlich aus dem Frust heraus, dass seitens des Staates zu wenig für die Regelschulen getan wurde und das über Jahrzehnte hinweg. Die Gesellschaftstruktur hat sich verändert, die Lebensrealitäten sind heute andere als im 19. Jahrhundert. Versucht wurde ständig nur, die Schüler dem alten System anzupassen, dabei wurden finanzielle Mittel verknappt, Schulgebäude verkamen, Lehrerstellen wurden gestrichen. Zuhauseunterricht bei engagierten Eltern oder auch der Besuch einer Privatschule verspricht, dass der einzelne Schüler ernstgenommen wird, dass auf seine Schwächen und Stärken adäquater eingegangen und er dementsprechend behandelt wird. Genau dieses vermögen die Regelschulen nicht zu leisten. Sie schablonisieren nach wie vor die Schüler in vorgegebene Formen von Anforderungsprofilen, denen sie sich anzupassen haben. Auf Individualität oder persönlichen Entwicklungsstand wird kaum Wert gelegt, zum Teil aus finanziellen Gründen, zum Teil aus ideologischen. Volkswirtschaftlich wirkt der Sonderweg der Privatschulen in Deutschland auf Dauer desaströs, weil sich eine bestimmte Elite vom Rest der Gesellschaft noch mehr abseilt. Persönlich ist jeder zu verstehen, der versucht, seine Kinder aus dem festgezurrten Regelbetrieb an staatlichen Schulen herauszuholen. Wendet sich der Staat also weiterhin von seinem Bildungsauftrag ab, dann wäre es nur konsequent, auch den Daheimunterricht zuzulassen und lediglich Lernziele zu kontrollieren. Der "blöde Rest" kann dann ja die Regelschulen in Anspruch nehmen und wird ggf. aussortiert.
... ist doch das existierende repressive unterfinanzierte Schulsystem. Gäbe es genügend alternative Schulen, gäbe es das Problem gar nicht, ebenso wie die blühende Privatschullandschaft.
Aus eben diesen Gründen bin ich gegen beide Lösungen, ist erst einmal eine 2-Klassen-Schule (respektive Heimunterricht) flächendeckend aktzeptiert, dann wird man sie nicht mehr los, wie man schon am 3-zügigen System sehen kann. Die Kinder von vermögenden Eltern sollen gefälligst genauso leiden wie mein Kind, sollen politisch gefälligst genauso für Alternativen kämpfen müssen, wie ich es muss.
lieber herr johaupt ist, das es unterschiedliche bildungsklassen erst mal weiter geben wird. in dt. werden im nachhilfebereich millarden euros jährlich ausgegeben. und selbst in der ddr (wo ich herkomme) konnten sich halt auch nur bestimmte leute eine zusätzliche nachhilfe leisten.
was ich wirklich traurig finde ist, das sie und die anderen befürworter der schulpflichtsich sich das recht rausnehmen über den bildungsweg von anderen menschen zu bestimmen.
die persönliche freiheit ist für mich ein sehr hoher wert, der auch für 6- 17 jährige menschen gelten sollte.
und übrigens lernt der mensch am wirkungsvollsten in einer ihn angenehmen , wohlfühlenden umgebung auf freiwilliger basis.ist wirklich so!
herzliche grüße
bernd
Diese Art Artikel ("Keine Schule, kein Streß") liest man immer mal wieder in den deutschen Zeitungen.
Mir ist es immer wieder ein Rätsel, warum sich Deutschland so schwer damit tut, den Eltern die Verantwortung für die Bildug ihrer Kinder zu überlassen. Wir haben unsere Kinder in drei verschiedenen Ländern, in denen diese Art persönliche Freiheit selbstverständlich ist (USA, UK, Kanada), zu Hause unterrichtet; derzeit gehen sie wieder in eine öffentliche Schule. Nach unseren Erfahrungen sind die zu Hause unterrichteten Kinder im Durchschnitt bessere Lernende, u.a. da sie die Methodik des Lernens viel besser geübt haben. Und sicherlich, zu Hause unterrichten ist nicht für alle Familien, aber "Konkurrenz belebt das Geschäft", oder nicht? Sprich, allein die Existenz von anderen Möglichkeiten sollte doch einen positiven Einfluß auf die öffentliche Schule haben, da es ihren Rechtfertigungszwang erhöht.
... haben deswegen ein Problem mit Privatbeschulung, weil sie auf diese Weise niemals in dieser Zahl ihren Goethe gelesen hätten - und den trugen sie ja immerhin drei Angriffskriege lang im Tornister.
... haben deswegen ein Problem mit Privatbeschulung, weil sie auf diese Weise niemals in dieser Zahl ihren Goethe gelesen hätten - und den trugen sie ja immerhin drei Angriffskriege lang im Tornister.
aber tatsächlich gibt es anscheinend zuviele Leute, die nicht darauf verzichten können, ihren Mitmenschen Vorschriften zu machen - ob das nun Schulpflicht, Rauchverbot, Mülltrennung oder die Wiederaufnahme in die Katholische Kirche ist.
Die einzige Freiheit, die sie einander gönnen, ist das Rasen auf der Autobahn: da kennen sie nix.
aber tatsächlich gibt es anscheinend zuviele Leute, die nicht darauf verzichten können, ihren Mitmenschen Vorschriften zu machen - ob das nun Schulpflicht, Rauchverbot, Mülltrennung oder die Wiederaufnahme in die Katholische Kirche ist.
Die einzige Freiheit, die sie einander gönnen, ist das Rasen auf der Autobahn: da kennen sie nix.
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