Wie schlimm wird diese Krise? Für Laien – Journalisten eingeschlossen – ist das derzeit schwer zu durchschauen. Fachleute geben auch keine eindeutige Antwort. Ein Beispiel: Der Ökonom Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), hält es für gut möglich, dass Deutschland schon im Sommer die Wende schafft. Am selben Tag aber warnt Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), vor einem globalen Abschwung, der so schlimm werden könne wie noch nie seit Ende des 2. Weltkriegs.

Hüter ist nicht der Einzige, der relativ optimistische Prognosen abgibt. Er gründet seine Meinung auf Indices, die in jüngster Zeit positiv überraschten. Einer davon ist der Ifo-Index. Er zeigt: Die Unternehmer blicken wieder etwas weniger pessimistisch in die Zukunft als vor wenigen Wochen. Der GfK-Index zum Konsumklima bestätigt zudem, dass die Deutschen immer noch gerne einkaufen gehen. Das sind eigentlich gute Signale.

Doch im gleichen Moment warnt der IWF auf Grundlage seiner Daten, die Rezession könnte selbst die Industriestaaten Europas an den Rand ihrer finanziellen Kräfte bringen. Strauss-Kahn sagt: "Es wird keine wirtschaftliche Erholung geben, solange die Banken immer neue Verluste anhäufen."

Im Publikum treten derweil leichte Ermüdungserscheinungen auf. Seit Monaten reden Politiker und Ökonomen von der Krise, malen Journalisten Schreckensszenarien aus. Bislang hat sich die Krise im Alltag vieler Deutscher aber noch nicht bemerkbar gemacht, Autofacharbeiter und Bankangestellte einmal ausgenommen. Ist die Schwarzmalerei vielleicht doch übertrieben?

Es ist ja wahr, dass auf die Vorhersagen der Konjunkturforscher nicht immer Verlass ist. Sie basieren auf mathematischen Modellen, mit denen die Verwerfungen der Finanzkrise gar nicht abzubilden sind. Die Bundesregierung beispielsweise gründete ihre jüngste Prognose (2,25 Prozent Wachstum) auf der Annahme, dass sich die Finanzkrise nicht weiter verstärkt und es zu keiner Kreditklemme kommt.