Bahnchef Mehdorns Machtkämpfe
Der Chef der Deutschen Bahn ist unter Druck - wieder einmal. Die Liste seiner öffentlichen Fehltritte ist lang. Bislang hat er sie alle überstanden
Es ist nicht der erste Machtkampf, den Hartmut Mehdorn ausficht, aber vielleicht der härteste. Als Ersten traf es den Mann, der den Bahn-Chef eigentlich kontrollieren sollte, kurz nach Mehdorns Amtsantritt. Aufsichtsratschef Dieter Vogel wollte, dass der Staat das Schienennetz der Bahn behalten solle, auch nach dem geplanten Börsengang. Mehdorn drängte Vogel mithilfe des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder im Frühjahr 2001 aus dem Amt.
Mehdorn gilt als Sturkopf, als schroffer Gesprächspartner, der seine Vorhaben kompromisslos verfolgt. Seit zehn Jahren leitet er die Deutsche Bahn. Sein einziges Ziel in dieser Zeit: der Börsengang des kompletten Konzerns. Dieter Vogel musste gehen, weil er dem widersprach.
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem glücklosen Verkehrsminister Kurt Bodewig. Auch er hatte für die Abtrennung des Netzes vom Konzern plädiert, um Wettbewerb auf der Schiene zu ermöglichen. Schröder entmachtete ihn ungefähr zu der Zeit, in der Vogel seinen Posten räumen musste. Ein Jahr später, nach der Bundestagswahl, war Bodewig nicht mehr Verkehrsminister.
Im Jahr 2002 reformierte die Bahn ihre Preise nach dem Vorbild der Lufthansa. Die Bahncard wurde abgeschafft. Eigentlich sollte die Preisreform ein wichtiger Schritt zum Börsengang sein, doch statt Gewinnen bescherte sie der Bahn horrende Verluste. Mehdorn blieb stur. Erst im März 2003, nachdem das Kanzleramt interveniert hatte, gab er seine Reform auf.
"Das ist typisch für ihn. Er versucht lange, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Erst wenn die Mächtigen ihm Widerstand signalisieren, gibt er klein bei", sagt Markus Wacket, Autor des Buches Mehdorn, die Bahn und die Börse.
Von dem neuen Preissystem war Mehdorn überzeugt. Nachdem es scheiterte, wurde er dennoch nicht zur Verantwortung gezogen – stattdessen mussten zwei Vorstände ihren Posten räumen. Mehdorns Vertrag aber wurde verlängert. Gelernt hatte er aus der Sache offenbar nicht viel: Im Herbst 2008 wollte die Bahn einen Zuschlag für Kunden einführen, die sich am Schalter beraten lassen. Erst nach harschen öffentlichen Protesten zog Mehdorn die Pläne zurück.
Im September 2004 zog Kanzler Schröder erneut die Notbremse. Er stoppte die Privatisierung der Bahn, die Mehdorn auf Biegen und Brechen noch während seiner Amtszeit über die Bühne bekommen wollte.
Vieles funktioniert für Mehdorn über Männerfreundschaften. "Er, Schröder und der damalige Gewerkschaftschef Hansen, das war wie ein Triumvirat", sagt Wacket. Als Angela Merkel Kanzlerin wurde, war der direkte Draht in die Regierung erst einmal gekappt. Mehdorn reagierte mit Umzugsplänen: 2005 wollte er die Konzernzentrale nach Hamburg verlegen. Zugleich sollte die Bahn groß in den Hamburger Hafen einsteigen. Es klappte nicht.
- Datum 10.02.2009 - 11:21 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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- Vor allem in der Union dürfte niemand ein echtes Interesse an Mehdorns Abgang haben. Die Politik fürchtet ein Kräfte raubendes Führungs-Vakuum. Das könnte den Wahlkampf belasten, ebenso wie mögliche Skandale, die nach dem Abgang Mehdorns ans Licht kommen könnten. -
Wie schon in vielen anderen Kommentaren gesagt, wird Mehdorn nichts geschehen. In Deutschland sind wir soweit, dass jemandem ab einem bestimmten öffentlichen Bekanntheitsgrad nichts mehr geschehen kann.
Mehdorn gehört dazu. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Man staunt schon genug über den harten Mut dieses Mannes aus einer vergangenen Zeit und seiner Gabe, die Probleme einfach auszusitzen und unliebsame Mitarbeiter oder Kollegen wegzutreten. Das kommt uns doch bekannt vor, 16 Jahre haben wir das ertragen müssen, der FDP sei auch nachträglich Dank dafür. Sie wird in diesen Tagen ja auch viel für null Leistung belohnt!
Und jetzt erfahren wir, weshalb er jetzt (noch) nicht entlassen werden soll und wer ggf. als Kandidat in Frage käme, je nach politischer Couleur. Paralell dazu agiert Barack Obama und wählt die Besten, die Geeignetsten für den Job. In Deutschland gehen da die Uhren mal wieder nach. Da werden zu oft ungeeignete Leute nach oben gespült, von wegen "freie" Marktwirtschaft.
Das ist für uns Bürger unerträglich, unfassbar und vollkommen unakzetabel. Wer derart (re-)agiert trägt zur Erosion unserer Demokratie und mehr noch unserer Werte bei.
Die globalen Herausforderungen sind gigantisch. Die alte Schule hat versagt, weil Nachhaltigkeit also eine ökologisch fundierte Ökonomie als Spinnerei abgetan wurde und noch immer wird.
Wir wollen neue, fähige Köpfe an der Spitze der Bahn sehen, nicht Leute die Teil des Problems aber niemals der Lösung sind.
Der Rest ist nur noch stille Ohnmacht!
und wenn bei meinem browser die Bewertungsfunktion funktionieren würde ... aber lassen wir das.
Ich fürchte jedoch wir alle sind Schuld. Denn so blöd wie der Spruch erscheint - so wahr ist er vielleicht doch: Jedes Volk hat die Politiker, Wirtschaftsbosse etc. die es verdient. Man könnte noch ergänzen die Zeitungen und das Fernsehprogramm das es verdient.
Denn ist es nicht so: Max Mustermann meint er könne nun absahnen indem er sich schnell ein neues Auto kauft? Das er die Abwrackprämie der Gemeinschaft aufhalst und diese sie mit Zins und Zinseszins zurückzahlen muss ist ihm egal.
Gerne und viel wird billig billig gekauft - denn "mann ist ja nicht blöd" oder "geiz ist geil". - Aber wenn der billige Scheiss aus Fernost kommt und dann irgendwann dem Max sein Arbeitsplatz futsch ist -- dann guckt Max dumm aus der Wäsche - und die da oben waren es.
Mir liegt ja nix ferner als die Mehdorns dieser Welt in Schutz zu nehmen. Aber es gibt zu viele Maxe bei den kleinen Leuten als das es schnell anders werden könnte - fürchte ich.
Und leider ist es auch so (nach meiner Erfahrung): Die "Mehdorns des Alltages" leiden NICHT unter mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung. Nein. Es sind "tolle Typen" die "sich durchsetzten können".
Die "Nachhaltigen" oder "Ökologischen" des Alltages werden von einer Mehrheit als "looser" oder "spinner" oder "einfach nur zu blöd und zu feige sich durch zu setzen" bezeichnet.
Das ist leider allzu oft mein Eindruck.
In dem Sinne kann ich den letzten Satz des Kommentares nur noch bekräftigen:
"Der Rest ist nur noch stille Ohnmacht!"
und wenn bei meinem browser die Bewertungsfunktion funktionieren würde ... aber lassen wir das.
Ich fürchte jedoch wir alle sind Schuld. Denn so blöd wie der Spruch erscheint - so wahr ist er vielleicht doch: Jedes Volk hat die Politiker, Wirtschaftsbosse etc. die es verdient. Man könnte noch ergänzen die Zeitungen und das Fernsehprogramm das es verdient.
Denn ist es nicht so: Max Mustermann meint er könne nun absahnen indem er sich schnell ein neues Auto kauft? Das er die Abwrackprämie der Gemeinschaft aufhalst und diese sie mit Zins und Zinseszins zurückzahlen muss ist ihm egal.
Gerne und viel wird billig billig gekauft - denn "mann ist ja nicht blöd" oder "geiz ist geil". - Aber wenn der billige Scheiss aus Fernost kommt und dann irgendwann dem Max sein Arbeitsplatz futsch ist -- dann guckt Max dumm aus der Wäsche - und die da oben waren es.
Mir liegt ja nix ferner als die Mehdorns dieser Welt in Schutz zu nehmen. Aber es gibt zu viele Maxe bei den kleinen Leuten als das es schnell anders werden könnte - fürchte ich.
Und leider ist es auch so (nach meiner Erfahrung): Die "Mehdorns des Alltages" leiden NICHT unter mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung. Nein. Es sind "tolle Typen" die "sich durchsetzten können".
Die "Nachhaltigen" oder "Ökologischen" des Alltages werden von einer Mehrheit als "looser" oder "spinner" oder "einfach nur zu blöd und zu feige sich durch zu setzen" bezeichnet.
Das ist leider allzu oft mein Eindruck.
In dem Sinne kann ich den letzten Satz des Kommentares nur noch bekräftigen:
"Der Rest ist nur noch stille Ohnmacht!"
und wenn bei meinem browser die Bewertungsfunktion funktionieren würde ... aber lassen wir das.
Ich fürchte jedoch wir alle sind Schuld. Denn so blöd wie der Spruch erscheint - so wahr ist er vielleicht doch: Jedes Volk hat die Politiker, Wirtschaftsbosse etc. die es verdient. Man könnte noch ergänzen die Zeitungen und das Fernsehprogramm das es verdient.
Denn ist es nicht so: Max Mustermann meint er könne nun absahnen indem er sich schnell ein neues Auto kauft? Das er die Abwrackprämie der Gemeinschaft aufhalst und diese sie mit Zins und Zinseszins zurückzahlen muss ist ihm egal.
Gerne und viel wird billig billig gekauft - denn "mann ist ja nicht blöd" oder "geiz ist geil". - Aber wenn der billige Scheiss aus Fernost kommt und dann irgendwann dem Max sein Arbeitsplatz futsch ist -- dann guckt Max dumm aus der Wäsche - und die da oben waren es.
Mir liegt ja nix ferner als die Mehdorns dieser Welt in Schutz zu nehmen. Aber es gibt zu viele Maxe bei den kleinen Leuten als das es schnell anders werden könnte - fürchte ich.
Und leider ist es auch so (nach meiner Erfahrung): Die "Mehdorns des Alltages" leiden NICHT unter mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung. Nein. Es sind "tolle Typen" die "sich durchsetzten können".
Die "Nachhaltigen" oder "Ökologischen" des Alltages werden von einer Mehrheit als "looser" oder "spinner" oder "einfach nur zu blöd und zu feige sich durch zu setzen" bezeichnet.
Das ist leider allzu oft mein Eindruck.
In dem Sinne kann ich den letzten Satz des Kommentares nur noch bekräftigen:
"Der Rest ist nur noch stille Ohnmacht!"
Mit dem unangepaßten, nicht gerade aerodynamisch glatten Mehdorn, wird es so weitergehen wie es das arabische Sprichwort sagt:
- "Die Schakale heulen - aber die Karawane zieht weiter"
Weil ein solcher Mann wie Mehdorn, der als Bahnvorstand ein enorm dickes Fell haben muss, nicht so einfach anderswo zu finden ist, müsste man ihn zurechtklonen.
Aber soweit ist die Gentechnik doch noch nicht.
Mehdorns ungehaltene Rede
Sie identifizieren sich so mit diesem Unternehmen, daß Sie gar nicht merken, wie ich mit Ihnen Schlitten fahre. Ich lasse Sie Sonderschichten kloppen, streiche Ihnen die Wochenenden und zahle nur das Nötigste. Ich spare an Ihnen wie ein guter Manager und privatisiere anschließend den ganzen Laden. Die Kohlen, die ich an Ihnen einspare, streichen das Management und die Aktionäre ein. Ich behandle Sie fast so abschätzig wie einen Kunden auf dem Land.
Überhaupt - Sie und die Kunden! Das wäre ja eine Mischpoke, würden wir nicht dafür sorgen, daß Sie sich gegenseitig an den Karren fahren. Wir hetzen unsere Bluthunde auf die Schaffner, die Schaffner auf die Kunden und schließlich die Kunden wieder auf die Bahnmitarbeiter. Funktioniert genial, sonst hätten Sie sich längst zusammengerauft und dagegen protestiert, daß selbst unsere teuersten Züge lebensgefährliche Sparbüchsen sind. Ich bin sehr stolz auf Sie!
Allein, was Ihre Organisiationen für uns leisten! Erst lassen Sie sich von unserem blindesten Maulwurf führen, der die größte Gewerkschaft gegen die einzig entschlossene in Stellung bringt. Diese GdL nehme ich von meinem Lob übrigens ausdrücklich aus. Diese stasigestählten Arbeiter und Bauern gehören verboten, aber vor Gericht konnte ich mich leider nicht damit durchsetzen. Nun ja, aber die Transnet hat mir schon Freude gemacht. Inzwischen lasse ich den Hansen Personalmanager spielen und lasse ihn in Tarifverhandlungen auf die ehemaligen Kollegen los. Da kann er ganz lässig von oben herab zeigen, wo der Bartel den Most holt - wenn er ein guter Bartel ist. Wie liebe ich doch eine Arbeitnehmerschaft, die sich das bieten läßt! Anstatt den Hansen an seiner Krawatte aufzuknüpfen, verhandeln Sie mit ihm und nennen ihn “Partner”. Großartig!
Nicht zuletzt ist da Ihre Geduld zu nennen, Ihre bewundernswerte Bescheidenheit! Hansen erzählt Ihnen, zwölf freie Wochenenden im Jahr seien völlig inankzeptabel, und Sie feiern es als Riesenerfolg, wenn sie dann doch ab und an frei haben. Da draußen sind zweiundfünfzig Wochenenden üblich, ohne Kompromisse. Dafür haben echte Gewerkschaften schon in den Siebzigern erfolgreich gekämpft.
Was bin ich stolz auf solche Mitarbeiter! Selbstverständlich werden Sie nicht bespitzelt, wozu auch? Wir sorgen nur dafür, daß Sie auch gute Mitarbeiter bleiben. Damit wir auch morgen noch stolz auf Sie sein können - auf diejenigen von Ihnen, die dann noch für uns buckeln dürfen.
Ich danke Ihnen. Ich liebe Sie!
Diese ungehaltene Rede entnahm ich dem blog von Feynsinn.
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