Katholische Kirche Papst erzürnt die WeltpresseSeite 2/2
Nüchterner schreibt der Mannheimer Morgen von einem Verlustgeschäft des Papstes: "Vier Bischöfe hat der Papst für die katholische Kirche gewonnen, unendlich viele Gläubige verloren." Von einem "Hauptanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils" entferne sich der Papst immer weiter: der Aussöhnung mit anderen Religionen.
"Der Unfehlbare macht Fehler", schreibt die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg. Der Autor bedauert die jüngsten Personalentscheidungen des Vatikans, da sie zu "überschatten drohen, was Benedikt XVI. erreicht" habe, nämlich durchaus eine neue Begeisterung für den Katholizismus in Deutschland.
Im Ausland stießen die jüngsten Entscheidungen des Vatikans ebenfalls meist auf harsche Kritik. Der liberale Wiener Standard unterstellt dem Papst methodisches Vorgehen im Porzellanzerdeppern: "Mit mittlerweile gewohnter Regelmäßigkeit schafft es Papst Benedikt XVI., andere Konfessionen zu brüskieren." Vermutlich sei keine der umstrittenen Entscheidungen Zufall oder ein Missverständnis gewesen, spekuliert der Autor. Schließlich sitze mit "dem Theologen Joseph Ratzinger einer der intelligentesten Kirchen-Köpfe" auf dem Stuhl Petri. Die Vermutung: "Ganz bewusst versucht man offensichtlich, sich deutlicher von 'Mitbewerbern' abzugrenzen, um so die eigene Identität verstärkt in den Vordergrund zu rücken."
Der niederländische Volkskrant nimmt den Papst zwar in Schutz, indem er daran erinnert, dass Benedikt seine "bedingungslose Solidarität mit den Juden betont" habe. Es gebe keinen Grund, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln, schreibt der Autor. Gleichwohl fragt er aber mit unkendem Unterton, "welchen Preis Benedikt XVI. für die Herstellung der Einheit der Kirche zu bezahlen bereit ist".
Die linksliberale spanische Tageszeitung El País hingegen ist in ihrem historischen Papst-Urteil schon gefestigt: Er habe in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, "welchen Stempel er seiner Amtszeit aufdrücken möchte", schreibt der Autor. Nämlich: eine taktische "Annäherung an die extreme Rechte der Katholiken". Für El País ist dieses Verhalten des Papstes besorgniserregend: "Es gibt keinen größeren moralischen Relativismus, als sich den Rechtsextremen und den Holocaust-Leugnern zu beugen, nur um die Kirchenspaltung aus der Welt zu schaffen."
- Datum 08.05.2009 - 09:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren