Vatikan-Debakel Der Papst handelt wie Jesus

Die Urteile über Benedikt XVI. sind niederschmetternd. Doch muss ein Papst nicht versöhnlich sein? Eine Verteidigungsrede

Erneut hat ein Spruch aus Rom einen nahezu biblischen Wirbel ausgelöst. Ist Benedikt XVI. nun "der rätselhafte Papst", wie die Süddeutsche ihre Leser glauben machen will? Oder gar der "Entrückte", wie der Spiegel titelt, der die katholische Kirche blamiert bis auf die Knochen? Hat er wirklich, wie es die Schlagzeilen suggerieren, "Holocaust-Leugner in die Kirche zurückgeholt"?

Manchmal sagen die Reaktionen auf eine Entscheidung mehr als die Entscheidung selbst. George Orwell hat einmal von "Falschsprach" geschrieben. Das ist, wenn Kriegsminister sich Friedensminister nennen. Und das ist, wenn Journalisten, die kein gutes Haar an dieser Kirche lassen, sich um ihren guten Ruf sorgen.

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Der Papst ist kein Politiker. So viel hat man gerade noch verstanden. Aber darf er sich erlauben, so zu handeln, wie es Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn fordert? Darf er gar die Maxime "Liebe deine Feinde" umsetzen, um die Spirale von Ausgrenzung und Hass zu unterbrechen? Der Papst müsse doch Brücken bauen und auf "Andersgläubige zugehen", sagen sie. Aber welche Brücken gebaut werden und welche "Andersgläubigen" die richtigen Andersgläubigen sind, das bestimmen bitteschön die Oberpäpste in den Redaktionen.

Weder der unsägliche Herr Williamson, der in Benedikt einen schlimmen Modernisierer sieht, noch die Pius-Bruderschaft sind Teil der katholischen Kirche geworden, die Bischöfe weiterhin suspendiert. Sie dürfen wieder beichten und an der Kommunion teilnehmen, haben aber keine Amtsgewalt. Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts Anderes als die ausgestreckte Hand, die nicht einigen wenigen, sondern einer Gruppierung von 600.000 Gläubigen und 500 Priestern gilt, die sich von Rom abgespalten hat. Es ist dieselbe Hand, die den chinesischen Partei-Bischöfen galt, deren Exkommunikation aufgehoben wurde. Und es ist dieselbe Hand, die auch einem Hans Küng galt, der als einer der Allerersten nach der Papstwahl von Benedikt empfangen wurde.

Die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Brüder war erschreckend unprofessionell vorbereitet und zeugt von großer Naivität. Doch das Ziel des Papstes, das Gespräch zu suchen, steht über Verfahrensfragen. Es ist die Aufgabe eines jeden Papstes, außerhalb Stehenden Heimat zu geben. Ein Dialog mit ihnen, der den Namen verdient, kann nur ohne Vorbedingungen eröffnet werden. Keineswegs gilt dies für die Wiederaufnahme in die katholische Kirche. Diese ist ein Prozess, der sich im Falle der Pius-Bruderschaft wohl über Jahrzehnte erstrecken wird.

Leser-Kommentare
  1. ...vielen Dank dafür!

    Im Grunde gilt in diesen Krawalltagen einer hysterisch um sich schnappenden Mittelmäßigkeit doch einmal mehr:

    "Man höre doch nur auf den Klang, den ein Geist hat, wenn er redet: jeder Geist hat seinen Klang, liebt seinen Klang. Das dort zum Beispiel muss wohl ein Agitator sein, will sagen ein Hohlkopf, Hohltopf: was auch nur in ihn hineingeht, jeglich Ding kommt dumpf und dick aus ihm zurück, beschwert mit dem Echo der großen Leere." (Friedrich Nietzsche)

    "Ich begreife nicht, wie eine reine Hand eine Zeitung berühren kann, ohne Krämpfe von Ekel zu bekommen." (Charles Baudelaire)

    Eine Leser-Empfehlung
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    ..., wenn er den Papst mit Jesus gleichstellt. "Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts Anderes als die ausgestreckte Hand" und wem entgegen: geistigen Brandstiftern, und Herr Seewald gibt sich hier noch päpstlicher als der Papst, indem er "die Aufgabe eines jeden Papstes" vorschreibt. "Ein Dialog mit ihnen, der den Namen verdient, kann nur ohne Vorbedingungen eröffnet werden" - ach ja, dass sollten Sie Ihrem Herrn Papst auch in sein Gebetsbuch schreiben, wenn es um Ökumene mit den Protestanten geht. Offenbar tut sich der Papst leichter damit Holocaust-Leugner einen Platz an seinem Tisch anzubieten, als dass er es anderen Christen gegenüber tun mag...

    ..., wenn er den Papst mit Jesus gleichstellt. "Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts Anderes als die ausgestreckte Hand" und wem entgegen: geistigen Brandstiftern, und Herr Seewald gibt sich hier noch päpstlicher als der Papst, indem er "die Aufgabe eines jeden Papstes" vorschreibt. "Ein Dialog mit ihnen, der den Namen verdient, kann nur ohne Vorbedingungen eröffnet werden" - ach ja, dass sollten Sie Ihrem Herrn Papst auch in sein Gebetsbuch schreiben, wenn es um Ökumene mit den Protestanten geht. Offenbar tut sich der Papst leichter damit Holocaust-Leugner einen Platz an seinem Tisch anzubieten, als dass er es anderen Christen gegenüber tun mag...

  2. wie Jesus. Denn dann müsste er auch, ohne Hintergedanken an irgendeine kirchliche Einheit oder Vorbedingungen, Menschen aufnehmen, akzeptieren und tolerieren, die nicht seinem Weltbild entsprechen. Schwule, Frauen, Anders- und Nichtgläubige zum Beispiel. Aber vielleicht kommt das ja noch. Vielleicht sogar bald, in der Zeitrechnung des Vatikans. In der wirklichen Welt können da allerdings noch diverse Jahrhunderte ins Land gehen.

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    Hallo TomFynn,

    meine Empfehlung ist bitte bitte genau zu prüfen an welcher Stelle Jesus "akzeptiert" hat und was er absolut nicht akzeptiert.
    Jesus hat jeden Suchenenden, jeden "Sünder" geliebt, so tut er es auch heute. Aber er hat Sünde selbst und die Verfehlungen NIE akzeptiert. Und vor allem nicht die Menschen, die sich besonders blinkend, blitzend, scheinend und bunt religös allen zeigen!!
    Und bitte bitte bitte, das Wort "Toleranz" im Duden bedeutet "dulden / ertragen", nicht nichts dagegen sagen oder es toll finden.
    Es schokiert mich immer wieder was so oder so als Christentum bezeichnet wird, aber keiner nach Gott fragt, was er gesagt hat und was er uns überliefert hat (die Bibel).

    • halka
    • 04.02.2009 um 13:34 Uhr

    Jeder ist in der Kirche willkommen, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist, uns am Kreuz erlöst hat und die Kirche als die Gemeinschaft der Gläubigen ins Leben gerufen hat. Und in dieser Kirche gibt es viele Heilige und viele Sünder und jeder kann Mitglied sein, der Ehebrecher, genauso wie der Holocoust Leugner. Die Kirche liebt ihre Mitglieder und wird deshalb nie ihre Sünden akzeptieren sondern immer zur Umkehr aufrufen.

    Hallo TomFynn,

    meine Empfehlung ist bitte bitte genau zu prüfen an welcher Stelle Jesus "akzeptiert" hat und was er absolut nicht akzeptiert.
    Jesus hat jeden Suchenenden, jeden "Sünder" geliebt, so tut er es auch heute. Aber er hat Sünde selbst und die Verfehlungen NIE akzeptiert. Und vor allem nicht die Menschen, die sich besonders blinkend, blitzend, scheinend und bunt religös allen zeigen!!
    Und bitte bitte bitte, das Wort "Toleranz" im Duden bedeutet "dulden / ertragen", nicht nichts dagegen sagen oder es toll finden.
    Es schokiert mich immer wieder was so oder so als Christentum bezeichnet wird, aber keiner nach Gott fragt, was er gesagt hat und was er uns überliefert hat (die Bibel).

    • halka
    • 04.02.2009 um 13:34 Uhr

    Jeder ist in der Kirche willkommen, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist, uns am Kreuz erlöst hat und die Kirche als die Gemeinschaft der Gläubigen ins Leben gerufen hat. Und in dieser Kirche gibt es viele Heilige und viele Sünder und jeder kann Mitglied sein, der Ehebrecher, genauso wie der Holocoust Leugner. Die Kirche liebt ihre Mitglieder und wird deshalb nie ihre Sünden akzeptieren sondern immer zur Umkehr aufrufen.

  3. 3. Danke!

    Es ist sehr beruhigend, zu erfahren, dass nicht alle Zeitungsmacher in die allgemeine Hysterie einstimmen. Interessant darüberhinaus, was in den letzten Wochen nicht für berichtenswert gehalten wurde.

    Auch wenn in der RKK sicher noch vieles reformbedürftig ist, die derzeitige Stimmungsmache ist überflüssig und es ist mal wieder bezeichnend, wer auf dieser Welle mitschwimmt, um sich zu profilieren.

  4. 4. oje

    Hallo TomFynn,

    meine Empfehlung ist bitte bitte genau zu prüfen an welcher Stelle Jesus "akzeptiert" hat und was er absolut nicht akzeptiert.
    Jesus hat jeden Suchenenden, jeden "Sünder" geliebt, so tut er es auch heute. Aber er hat Sünde selbst und die Verfehlungen NIE akzeptiert. Und vor allem nicht die Menschen, die sich besonders blinkend, blitzend, scheinend und bunt religös allen zeigen!!
    Und bitte bitte bitte, das Wort "Toleranz" im Duden bedeutet "dulden / ertragen", nicht nichts dagegen sagen oder es toll finden.
    Es schokiert mich immer wieder was so oder so als Christentum bezeichnet wird, aber keiner nach Gott fragt, was er gesagt hat und was er uns überliefert hat (die Bibel).

    Antwort auf "Nicht ganz"
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    Zitat: Aber er hat Sünde selbst und die Verfehlungen NIE akzeptiert. Und vor allem nicht die Menschen, die sich besonders blinkend, blitzend, scheinend und bunt religös allen zeigen!!Wie z.B. viele hohe kirchliche Würdenträger in ihrem Glanz und Pomp?! Wie z.B. das menschenverachtende Weltbild vieler erzkonservativer "Christen"?!

    Zitat: Aber er hat Sünde selbst und die Verfehlungen NIE akzeptiert. Und vor allem nicht die Menschen, die sich besonders blinkend, blitzend, scheinend und bunt religös allen zeigen!!Wie z.B. viele hohe kirchliche Würdenträger in ihrem Glanz und Pomp?! Wie z.B. das menschenverachtende Weltbild vieler erzkonservativer "Christen"?!

  5. 5. Danke!

    Diesen klarsichtigen Worten von Peter Seewald muß kaum etwas hinzugefügt werden.
    Die Menschen sollten erkennen, wie einseitig und selektiv die politische Wahrnehmung der Medienöffentlichkeit ist. Die immer wieder eingeforderte Öffnung und Toleranz der katholischen Kirche kann nur bedeuten, daß sie "katholikos", also das Ganze betreffend, allgemein gültig ist. Genau in diesem Sinne handelt Benedikt XVI.

    Die Bezeichnung historischer Vorgänge mit einer Chiffre, die auf ein amerikanisches Fernsehspiel der 70er Jahre ("Holocaust") zurückgeht, zeigt, wie stark mythisiert und pseudoreligiös die Behandlung des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus geworden ist. Das Christentum nimmt seit 2000 Jahren (leider mit unrühmlichen Abweichungen im Mittelalter und der frühen Neuzeit) klar Stellung gegen Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Mord; es ist aber nicht Aufgabe der Katholischen Kirche, nichtreligiöse Fragen zu Glaubensinhalten zu machen. Daß das schiefgeht, haben die Beispiele Galilei und Darwin gezeigt.

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    Herr Godeysen, den Begriff Holocaust auf einen Film zurück zu führen - sagen Sie mal - brennt Ihnen der Hut? Was für ein historisches Verständnis haben denn Sie?

    Darf ich Sie außerdem darauf aufmerksam machen, daß der Papst nicht nur der unfehlbare Obertheologe ist, sondern auch Staatschef? Sich also sehr wohl auch nichtreligiösen Fragen zu widmen hat?

    Auch Ihre Aussage, daß die kath. Kirche gegen Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Mord eintritt, halte ich für einigermaßen lachhaft. Das macht sich z.B. besonders schön deutlich, wenn der Papst brasilianischen Indios erklärt, daß ihre gewaltsame Christianisierung ja eigentlich ihr innerster Wunsch gewesen sei.

    Den Artikel von Peter Seewald hielt ich bis zur Lektüre Ihres Kommentars ebenso für klarsichtig - über Ihre Interpretationen muß ich mich aber mehr als wundern.

    Herr Godeysen, den Begriff Holocaust auf einen Film zurück zu führen - sagen Sie mal - brennt Ihnen der Hut? Was für ein historisches Verständnis haben denn Sie?

    Darf ich Sie außerdem darauf aufmerksam machen, daß der Papst nicht nur der unfehlbare Obertheologe ist, sondern auch Staatschef? Sich also sehr wohl auch nichtreligiösen Fragen zu widmen hat?

    Auch Ihre Aussage, daß die kath. Kirche gegen Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Mord eintritt, halte ich für einigermaßen lachhaft. Das macht sich z.B. besonders schön deutlich, wenn der Papst brasilianischen Indios erklärt, daß ihre gewaltsame Christianisierung ja eigentlich ihr innerster Wunsch gewesen sei.

    Den Artikel von Peter Seewald hielt ich bis zur Lektüre Ihres Kommentars ebenso für klarsichtig - über Ihre Interpretationen muß ich mich aber mehr als wundern.

  6. Irritierend ist, daß einem Sammelbecken nationalchauvinistischer, antidemokratischer und -semitischer Traditionalisten goldene Brücken gebaut bekommt. Vertreter der Gegenrichtung können nicht auf so viel Verständnis hoffen. Was sagt uns das über die herrschende Gesinnung im Vatikan?

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    Es geht der Kirche um Macht - und dort, wo diese Position angegriffen wird, schlägt die Kirche auch gnadenlos zu.

    Der Vatikan selektiert die 'verlorenen Söhne'. Und das hat Methode

    'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

    Es geht der Kirche um Macht - und dort, wo diese Position angegriffen wird, schlägt die Kirche auch gnadenlos zu.

    Der Vatikan selektiert die 'verlorenen Söhne'. Und das hat Methode

    'Keep On Rocking In A Free World' (Neil Young)

  7. ...aber sollte das nicht eher neusprech heißen?

    jesus kommt im übrigen erst in ein paar millionen jahren wieder, vielleicht war er nie da, vielleicht war er nie das, wofür er sich ausgegeben hat. vielleicht kommt er auch überhaupt nicht. darüber gibt es unterschiedliche meinungen.

    dass die hiesigen meinungs-oligopolisten sich auf scheingefechte mit abgerockerten ideologen hereinlassen, zeugt eher von fehlgeleiteter themensetzung. die journalistische praxis der projektion, der verallgemeinerung von extrembeispielen etc. macht nun nicht nur bei der katholischen kirche halt.

    die ideologien unserer zeit zu hinterfragen und qualitätsstandards für die eigene arbeit zu formulieren - das wäre die aufgabe der stunde.

    aber vielleicht fehlt dafür der mumm. oder das entsprechende kleingeld.

  8. hätte die katholische kirche die macht, würden alle kritiker am scheiterhaufen brennen. aber die protestantische "ethik" ist mir auch nicht viel sympathischer, weil ja hauptverantwortlich für die rein ökonomische ausrichtung der welt. spült diese ideologien das klo runter dann wird die welt schöner :}

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