Alkoholmissbrauch Mädchen überholen die Jungs im KomasaufenSeite 2/2

"Viele Jugendliche versuchen heute, die Wirkung von Cannabis durch legale Drogen wie Alkohol zu verstärken, um möglichst schnell in einen Rauschzustand zu kommen", sagt Oliver Bilke, Chefarzt der Berliner Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Vivantes-Kliniken Humboldt und Hellersdorf. "Wenn dann innerhalb einer Stunde eine Flasche Wodka getrunken wird, wirkt sich das für die Mädchen noch katastrophaler aus als für die Jungen."

Für Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Hamburger Uniklinikum Eppendorf, ist das Komatrinken nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch unterhalb dieser lebensgefährlichen Schwelle trinken Mädchen inzwischen mehr. "Der Gruppendruck ist immens, Mädchen ziehen auch in diesem Bereich gleich, sie halten sich beim Trinken nicht mehr zurück", beobachtet Schulte-Markwort.

"Mädchen lassen sich nicht mehr so leicht Rollenvorschriften machen, in diesem Bereich sind sie aber dummerweise aus biologischen Gründen im Nachteil", sagt auch sein Kollege Bilke. Vom "Vorglühen" mit Hilfe alkoholischer Getränke verspricht man sich zum Beispiel mehr Lockerheit bei Partys.

Vielleicht ist es einfach nur ein Trend, dass Mädchen Spaß haben wollen und sich dafür gemeinsam in einem gefährlichen Exzess vollaufen lassen. Nach Ansicht Schulte-Markworts könnte aber auch eine Persönlichkeitsstörung dahinterstecken. "Risikoverhalten dieser Art ist oft eine Form der Autoaggression." Gerade auf selbstverletzendes Verhalten müsse man aber bei Mädchen besonders achten. Überhaupt hält der Kinder- und Jugendpsychiater es nicht für gerechtfertigt, wenn viele heute glauben, dass es Mädchen leichter haben, erwachsen zu werden. "Sie sind zum Beispiel deutlich häufiger von Depressionen und Essstörungen betroffen."

 
Leser-Kommentare
  1. Es wäre nett wenn wenigstens mal ein Artikel auf den unterschied zu vor 15-20 Jahren eingehen würde. Wir haben uns damals auch volllaufen lassen bis zum geht nicht mehr. Das hat uns aber scheinbar weder geschadet noch wurde es zu einem Volkstraume hochstilisiert. Also wo ist bitte der Unterschied? (Übrigens hab Frauen auch damals schon soviel getrunken das sie vom Stuhl gekippt sind und bei den Trinkspielen mitgemacht - also auch hier nichts Neues).

    • WolfBu
    • 29.01.2009 um 13:57 Uhr

    mag einerseits sicher damit zu tun haben, dass junge Mädels, sagen wir mal, heute etwas selbstbewußt-"rotziger" sind als noch in früheren Zeiten. Eben die Ablehung alter Rollenbilder, wie schon im Text beschrieben. Aber machen wir uns doch nichts vor: Die Ursache ist eine Gesellschaft, in der neben übermässigem Essen und Tabak Alkohol die Gesellschaftsdroge schlechthin ist, von jung bis uralt. Wer mal versucht, völlig alkoholfrei zu leben (aus eigener Erfahrung), wird sich wundern auf wieviel Unverständnis und Widerstand man gerade bei Erwachsen und älteren Menschen trifft. Man muß dazu sehr viel Selbstbewußtsein und Prinzipienfestigkeit mitbringen, was jungen Leuten in der Pubertät ziemlich schwer fallen dürfte. Die Botschaft sollte lauten: Wer zuviel trinkt, ist ein Verlierer, kein Gewinner. Und die Erwachsenen, die Politik und auch die Getränkeindustrie müssen das vorleben. Wenn sich CSU-Politiker für die Volksnähedarstellung in den Hauptnachrichtensendungen zwei Mass Bier erlauben und ein Herr Beckstein dann auch noch behauptet, man könnte dann ja wohl noch Auto fahren, dann sind das genau die Vorbilder, die unsere Jugend nicht braucht.

  2. da hau ich doch mal nen (abgewandelten)wehner raus:
    wer sich in seiner jugend nicht plattsäuft,hat kein herz
    wer in seinem alter dieses noch macht,hat keinen verstand
    ~oder so
    es ist doch tatsache,dass zur jugend ein austesten seiner grenzen gehört.gefährlich ist erst sich wirklich totzusaufen(was bei unserer noch guten notfallversorgung schwierig ist)(statistik bitte)
    oder ovid:nicht lange können gedichte gefallen und fortleben,die von wassertrinkern geschrieben werden
    hah!
    im ernst:in seiner eigenen kotze zu erwachen kann ein beeindruckendes erlebnis sein (nicht durch eigene erfahrung verifiziert)
    ich las heute im tagesspiegel erstmals von dieser statistik und musste herzhaft über die "gruppe der 10 bis 20 jährigen" lachen,die dort aufgeführt wurde

    hedonismus statt arbeitsethos

  3. Es lebe die Emanzipation.
    Das Ergebnis kennen wir doch auch schon vom Rauchen.

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    Tja, wenn sich doch nur die Männer an den Frauen orientiert hätten und nicht andersrum - das traditionell männliche Verhalten - immer als nonplusultra gelten würde...
    Wir würden alle länger, gesünder und glücklicher leben, ist zu vermuten.

    Tja, wenn sich doch nur die Männer an den Frauen orientiert hätten und nicht andersrum - das traditionell männliche Verhalten - immer als nonplusultra gelten würde...
    Wir würden alle länger, gesünder und glücklicher leben, ist zu vermuten.

    • TDU
    • 29.01.2009 um 17:14 Uhr

    In meiner Jugendzeit, in den 50iger/sechziger Jahren, ja auch noch bei den achundsechzigern, war im Prinzip gutes Benehmen angesagt. Die Jungs durften dann mal im Rausch über die Strenge schlagen, und die Mädchen hielten sich beim Trinken vornehm zurück. Diejenigen, die regelmäßig betrunken waren, waren bei ihren Geschlechtgenossinen nicht sonderlich gelitten. Die "Heimtrinkerin" mit Klosterfrau Melissengeist und Likörchen gab es wohl immer schon, aber erst im fortgeschgrittenen Alter.

    Jetzt, wo gutes Benehmen in der Öffentlichkeit so wichtig ist, wie der berühmte Sack Reis in China, kann Junge und Mädchen ungeniert zur Flasche greifen. Vorgemacht wirds zu Hause und in den Medien und im Sport, keine gelungene Siegesfeier ohne Kante (gerne hätte ich mal wieder ein Festessen) und das Oppositionsalter beginnt nicht mit 14 sondern mit 10, weil alle früher erwachsen werden (hatte Postman recht?).

    So wird nach guter deutscher Art erst mal gejammert und natürlich nach der (heute natürlich immer wissenschaftlich fundierten) Obrigkeit gerufen.

    Ich kenne eine ganze Clique so um die 14, die gibt Anlass zu Hoffnung. Keiner und keine hat Lust auf Alkohohl. Vielleicht ändert sich der Trend ja ganz von alleine, und es ist mal cool und Zeichen von Opposition, keinen Alkohohl zu trinken.

    • KMurx
    • 29.01.2009 um 22:35 Uhr

    Ein normales Mass an Experimentierfreude ist ja ...normal, aber mit 10 Jahren? 14 schon eher!
    Ausserdem sind viele von den "Kids" meiner Erfahrung nach nicht nur Expermentierfreudig, sondern durchaus regelmaessige Trinker - was in meinen Augen nicht gut sein kann.

    • Isaidy
    • 30.01.2009 um 10:28 Uhr

    sicherlich auch schon zu meiner Jugend vor 25 Jahren. Aber das Angebot der alkoholischen Getränke machte einen das Erreichen des schweren Suffs unangenehmer als das heute der Fall ist. Sicher konnte ich um des Zieles willen mir Barcadi-Rum oder Wodka pur hinter die Binde kippen, schmecken tat das nicht, man tat es, wenn überhaupt, lediglich wegen der Wirkung. Man musste es seinerzeit selber noch mit Brause oder Cola mischen, um es erträglich zu machen, dabei bekam man immerhin noch das Verhältnis mit und konnte es beeinflussen. Heute jedoch schmecken diese fertigen Alkopops an sich wie Brause, den Alkoholgehalt kann man aus ihnen fast überhaupt nicht herausschmecken. Man kippt sie so nebenbei in sich hinein, sie sehen hübsch bunt und harmlos aus und man merkt oft zu spät, wie der Pegel steigt, wenn man es überhaupt noch merkt. Der Spaß am Verbotenen war immer schon da, aber das Verbotene wird heute durch diese Leckerlis noch attraktiver gemacht.

  4. "Da pochen wir nun stolz auf unseren freien Willen und glauben, Handlungsfreiheit zu haben in allkem, was wir tun, und sind in Wirklichkeit nur klägliche Marionetten in der hand unserer Vorstellungskraft. Wir hören erst auf, Marionetten zu sein, wenn wir gelernt haben, unsere Vorstellungskraft zu lenken."
    Sowohl die jugendlichen "Komasäufer" - der Begriff ist bereits eine suggestiv wirksame Zuschreibung - als die, die ihnen helfen wollen, sind MARIONETTEN. In unseren Du-musst-Schulen lernen sie von Marionetten, immer noch perfekter Marionette zu sein. Als Ich-kann-Schule-Lehrer stelle ich Coués Forderung an alle: Ihr hört erst auf, Marionetten zu sein, wenn Ihr gelernt habt, Eure Vorstellungskraft zu meistern. Lernt es!
    Franz Josef Neffe

    "Wenn ich mit deinen Talenten besser umgehe als Du, mögen sie mich und folgen mir lieber als Dir." fjn

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