Umstrittener Weihbischof
Linzer Hardliner spaltet Kirchenvolk
Die Ernennung eines erzkonservativen Pfarrers zum Weihbischof durch den Papst erregt die Gemüter. Dabei galt die Diözese von Linz lange Zeit als besonders fortschrittlich
Es ist still an diesem Montagvormittag im Linzer Mariendom, nur wenige Gläubige sitzen zur Andacht und zum Gebet in dem 20.000 Menschen fassenden Kirchengebäude. Eine ältere Frau zündet eine Kerze an, bekreuzigt sich und stößt einen Seufzer aus. Gründe dafür hätte sie wohl einige, seitdem bekannt wurde, dass Papst Benedikt XVI. den erzkonservativen Pfarrer Gerhard Maria Wagner am Samstag zum Weihbischof in Linz ernannt hat. Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Wut und vor allem massive Kritik aus Kirchenkreisen und Politik an dieser Entscheidung sind die Folgen.
Die Bestellung Wagners bedeutet einen erheblichen Rechtsruck. Denn wie soll das Linzer Kirchenvolk diese Berufung auch anders verstehen, hat Wagner doch in der Vergangenheit in Harry-Potter-Büchern "Satanismus am Werk" vermutet oder etwa gutgeheißen, dass Hurrikan Katrina 2005 alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs in New Orleans zerstörte. Von "keinem Gespür Roms" ist in Österreich die Rede, von einer "äußerst unsensiblen Vorgehensweise des Vatikans" oder gar von einer "Brüskierung" für das Linzer Kirchenvolk.
Selbst der christlich-soziale Landeshauptmann Josef Pühringer von der ÖVP reagierte auf die Bestellung Wagners mit Verwunderung. Er wolle sich zwar nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen, aber es habe den Anschein, dass in Rom ein Bild der Linzer Diözese herrsche, welches nicht der Realität entsprechen würde, sagte Pühringer. Die Vertreter der Harry-Potter-Generation, die Katholische Jugend (KJ), zeigten sich im Gespräch mit ZEIT ONLINE am Montagabend immerhin "abwartend". Auch wenn man über die Richtung, in die die Entscheidung ging, erstaunt war, werde man zunächst den Dialog suchen und Wagner zu Gesprächen einladen.
In der Diözese selbst befürchtet man mit der Bestellung Wagners einen großen Rückschritt. Habe man doch unter anderem 25 Jahre lang unter Bischof Maximilian Aichern, der auch "Sozialbischof" genannt wurde, für das Image einer fortschrittlichen Kirche gestanden. Aichern war zudem im Kirchenvolk äußert beliebt und respektiert. Die Offenheit gegenüber Laien und die Forderung, Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen, brachten ihm aber auch Kritik aus konservativen Kirchenkreisen. Und auch diesen rechten Flügel gibt es in Linz, wie zum Beispiel den ultrakonservativen Priesterkreis, dessen Mitglied Wagner ist und der in der Vergangenheit häufig Kritik an den "Zuständen in Oberösterreich" übte.
Aicherns Nachfolger ab 2005, der als konservativ geltende Diözesanbischof Ludwig Schwarz, dankte nach Wagners Ernennung Gott und freute sich darüber, dass er durch den Papst einen Weihbischof erhalten habe, der ihm eine echte Hilfe sein werde. Überrascht dürfte Schwarz von der Entscheidung seines obersten Hirten aber ebenso gewesen sein, habe Wagner doch angeblich nicht auf seiner Dreier-Vorschlagsliste gestanden. Auch der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, dürfte in die Entscheidungsfindung nicht unmittelbar eingebunden gewesen sein, wie man aus Kirchenkreisen hinter vorgehaltener Hand hört.
Wagner müsse bewusst sein, dass er mit seinen "Extrempositionen" nichts Gutes auslösen werde, so der Linzer Generaldechant Franz Wild. Er befürchte, dass mit der Ernennung schwierige Zeiten auf die Diözese zukommen werden. Der Kirche müsse sich im klaren sein, dass auch sie im 21. Jahrhundert lebe - und sie auch dort leben müsse, meinte Wild.
Am Montag stellte sich der designierte Weihbischof auf einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten und vermutete eine Polarisierung in der Diözese. Er verstehe nicht, warum er als "Spalter" dargestellt werde, wenn er sich hinter den Papst stelle. Vielmehr sollten jene, die abweichen, überlegen, ob sie nicht selbst Spaltung betreiben würden, sagte er. Anwesend waren bei der Vorstellung des neuen Weihbischofs pikanterweise auch der als "Pornojäger" bekannte Martin Humer sowie Friedrich Engelmann, Herausgeber der konservativ-katholischen Zeitschrift Der 13. . Humer setzt sich, selbst als Katholik bezeichnend, seit Jahrzehnten mit teils unkonventionellen Methoden und Aktionen gegen Pornografie, Homosexualität und Abtreibung ein.
Im Linzer Mariendom wendet sich die ältere Frau von den Kerzen ab und geht auf den Ausgang zu. Die "Kür" Wagners möchte sie nicht kommentieren: "Was soll’s, ändern wird sich ja ohnehin nichts." Mit einem Achselzucken verlässt sie den Dom durch den Seiteneingang, die beiden Haupttore sind verschlossen.
- Datum 8.5.2009 - 08:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Warum sollte die katholische Kirche "Fortschrittlichkeit" dadurch zeigen, daß sie Harry Potter, Abtreibung und Bumslokale gut findet? Die katholische Kirche ist eine Religionsgemeinschaft mit ethischen Grundsätzen - ebenso wie das Judentum oder der Islam. Niemand wird gezwungen, in der katholischen Kirche zu sein und an ihrer Gemeinschaft teilzunehmen.
Von den Juden oder den Moslems erwartet keiner, daß sie mehr Weltoffenheit zeigen, indem sie Schweinefleisch essen. Aber die katholische Kirche soll sich westerwellisieren - warum?
Auch wenn jeder entscheiden kann, ob er dieser Kirche angehören will oder nicht, ist Kritik angesagt, da auch die Kirche sich in die Angelegenheiten des öffentlichen Lebens "einmischt". Es kann nicht sein, dass die Kirche Verhütungsmittel immer noch verbietet obwohl AIDS immer mehr zunimmt und in den armen Ländern Kinder verhungern. Das gleiche gilt für die Teufelsaustreibung, die immer noch praktiziert wird und wenn es möglich wäre würde die Kirche auch heute noch Hexen verbrennen.
Das alles steht nicht in der Bibel. Der Papst ist in Glaubensfragen unfehlbar. Das ist Gotteslästerung, kein Mensch kann in irgendetwas unfehlbar sein.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Was bedeutet denn "verbieten"? Jeder Mensch (und Sie wollen jetzt hoffentlich nicht behaupten, daß die armen Afrikaner für selbständige Entscheidungen nicht mündig genug sind) kann für sich entscheiden, ob er die Regeln der Kirche lebt oder nicht. Gerade diese Entscheidungsfreiheit ist ein Kern katholischer Theologie.
Ihre Unterstellung, die Kirche würde auch heute noch Hexen verbrennen, wenn es möglich wäre, ist bodenloser Unsinn und eine Beleidigung aller Katholiken. Schauen Sie sich doch einmal um, wie kirchliche Arbeit heute aussieht: Multikulturalismus, Popgesänge, Pizzabacken, Habt-euch-alle-lieb etc. Da ist ohnehin nicht mehr viel übrig von einer tiefsinnigen Beschäftigung mit theologischen Grundsätzen. Umso wichtiger ist es, wenn Rom an ein paar Orten hin und wieder ein konservatives Zeichen setzt - das natürlich der linken Medienöffentlichkeit weit mehr auffällt als der sonstige allgegenwärtige Tralala-Kurs der Kirche.
Was bedeutet denn "verbieten"? Jeder Mensch (und Sie wollen jetzt hoffentlich nicht behaupten, daß die armen Afrikaner für selbständige Entscheidungen nicht mündig genug sind) kann für sich entscheiden, ob er die Regeln der Kirche lebt oder nicht. Gerade diese Entscheidungsfreiheit ist ein Kern katholischer Theologie.
Ihre Unterstellung, die Kirche würde auch heute noch Hexen verbrennen, wenn es möglich wäre, ist bodenloser Unsinn und eine Beleidigung aller Katholiken. Schauen Sie sich doch einmal um, wie kirchliche Arbeit heute aussieht: Multikulturalismus, Popgesänge, Pizzabacken, Habt-euch-alle-lieb etc. Da ist ohnehin nicht mehr viel übrig von einer tiefsinnigen Beschäftigung mit theologischen Grundsätzen. Umso wichtiger ist es, wenn Rom an ein paar Orten hin und wieder ein konservatives Zeichen setzt - das natürlich der linken Medienöffentlichkeit weit mehr auffällt als der sonstige allgegenwärtige Tralala-Kurs der Kirche.
dass die katholische Kirche sehr wohl ihren Einfluss benutzt, um die Gesetzgebung und die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu beeinflussen?
Und das hat dann leider auch Auswirkungen auf uns Ungläubige, die sich vom reichlich verschrobenen Dogmatismus der Kirche eben nicht das Leben versauen lassen wollen.
dass die katholische Kirche sehr wohl ihren Einfluss benutzt, um die Gesetzgebung und die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu beeinflussen?
Und das hat dann leider auch Auswirkungen auf uns Ungläubige, die sich vom reichlich verschrobenen Dogmatismus der Kirche eben nicht das Leben versauen lassen wollen.
... wie die Spaßindustrie und der Zentralrat der Juden. Ein wenig Contra aus Rom kann also wohl nicht schaden.
Es wird sicher Tausende, wenn nicht gar Zehntausende zum Austritt bringen. Mit Wowereit gesprochen: "Und das ist gut so."
Ansonsten: Die schlechte Nachricht: Es gibt keinen Gott.
Die Gute Nachricht: Wir brauchen auch keinen.
Die beste Nachricht: Am wenigsten braucht man natürlich die Vertretung von jemanden den es nicht gibt.
Und dass dieser jemand solch unglückselige Entscheidungen trifft? Nun ja, in seinen Gedankengebäuden ist wohl vieles unsinnige und unglückselige möglich.
Lieber godeysen, lieber Bernauheim -
daß die Kirche sich in gesellschaftliche Belange massiv einmischt, kann kein Grund für Nicht-Katholiken sein, sich in die Belange der katholischen Kirche einzumischen. Allerdings sollte in meinen Augen die inhaltliche Alt-Ausrichtung ein weiterer Grund dafür sein, sich jegliche Einmischung in nicht-religiöse Belange zu verbeten.
Theo Rem
... wie die Spaßindustrie und der Zentralrat der Juden. Ein wenig Contra aus Rom kann also wohl nicht schaden.
macht mir jedenfalls keine Vorschriften über den Gebrauch von Kondomen.
macht mir jedenfalls keine Vorschriften über den Gebrauch von Kondomen.
Ich muß ja wohl nicht konkret erläutern, welche Vorschriften bestimmte Weltreligionen ihren Mitgliedern (!) bezüglich der von Ihnen angesprochenen Körperteile auferlegen.
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