Asli Bayram „Der Hass kommt von innen heraus“

Ihr Vater wurde von Neonazis umgebracht, sie selbst 2005 zur „Miss Deutschland“ gewählt. Die deutsch-türkische Schauspielerin Asli Bayram spricht auf der Berlinale über Rassismus und Heimatgefühle.

Die Biographie der Schauspielerin Asli Bayram ist so einzigartig, dass sie fast wie ein Drehbuch klingt: Ihr Vater wurde in Darmstadt von Neonazis ermordet, sie selbst 2005 zur "Miss Deutschland" gewählt. Mit ZEIT ONLINE sprach die Schauspielerin, deren neuer Film Short cut to Hollywood heute auf der Berlinale zu sehen ist, über Rassismus, Integration, Heimatgefühle und Hass.

ZEIT ONLINE:Frau Bayram, Sie sind Schauspielerin, Charakterdarstellerin, haben bei Eric Morris in Los Angeles studiert. Was ist Ihr aktuelles Projekt?

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Bayram:Ich habe eine Rolle in dem durchgeknallten Road-Movie "Short cut to Hollywood", eine deutsche Produktion der Bavaria, aber fast komplett in den USA gedreht, in New York, Miami, Las Vegas, Los Angeles.

ZEIT ONLINE: Der Film läuft auf der Berlinale im Panorama. Was ist die Story?

Bayram: Der Film ist eine total schräge Tragik-Komödie über die Gier, um jeden Preis berühmt zu werden, und sei der Preis das eigene Leben. In so einer Zeit leben wir. Ich verkörpere in meiner Rolle die Gegenposition zu diesem Irrsinn: dass nämlich nur Leistung zu Ruhm und Erfolg im Showbusiness führen kann. Man muss den Menschen einmal mehr klar sagen, dass mehr Schein als Sein nicht das richtige Rezept für Erfolg ist. Der Film wird sicherlich Kontroversen auslösen, weil er bewusst Grenzen überschreitet, um aufzurütteln.

ZEIT ONLINE: Sie sind 27 Jahre alt und leben seit Ihrer Geburt in Deutschland. Hat sich im Lauf der Jahre die Art und Weise geändert, wie man Ihnen als Deutsch-Türkin begegnet?

Bayram: Nein, eigentlich nicht. Mir geht es gut hier, ich fühle mich zu Hause. Aber im Alltag gibt es eigentlich Tag für Tag Situationen, in denen man mich spüren lässt, dass ich nicht wirklich dazu gehöre.

ZEIT ONLINE: Ein Beispiel?

Bayram: Kürzlich saß ich im Flugzeug, das Boarding war noch nicht abgeschlossen, und musste noch kurz jemanden anrufen. Ich sprach Türkisch. Da fährt mich mein Sitznachbar plötzlich von der Seite an und sagt: "Nicht telefonieren, wir sind hier doch nicht in einem arabischen Flugzeug!" So wird man in Deutschland manchmal angesprochen. Das passiert in anderen Ländern nicht.

Leser-Kommentare
  1. Es zeigt die Einstellung von Asli Bayram sehr klar und auch ihre Einschätzung von Hass und Ablehnung in Deutschland (sicher auch in anderen Ländern) ohne eigene Agressionen aber mit Bedauern. Ich kenne auch einige Türken und deren Einstellungen zu Integration und ihren Landsleuten. Es gibt sehr viele die es so sehen wie Asli Bayram aber auch viele die hier leben wollen wie in der Türkei. Eine türkische Kollegin (33) ist mit ihrer Schwester hier aufgewachsen, ihre Eltern leben jetzt wieder in der Türkei. Bemerkenswert ist der Satz ihres Vaters als sie erzählt hat, dass in der Wohnung neben ihr eine kopftuchtragende Türkin wohnt, die sie eingeladen hat .... "Wenn Du die Einladung annimmst bekommst Du Ärger mit mir." Ich denke, diese Einstellung sollte auch zu denken geben.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  2. Es hat einfach gut getan, zu lesen, wie eine so gebildete Frau diese so oft beschwörten kulturellen und religiösen Schranken vergessen lässt und in ihren Überlegungen Aussagen macht, die gebildete Menschen, gleich welcher Herkunft und Weltanschauung nur begrüßen können. Asli Bayram hat damit der Verständigung eine breite Bresche geschlagen. Ihre Gefühle über den grausamen Tod ihres Vaters sind nachvollziehbar. Sie hat sich trotzdem nicht von der engen Welt der Hasses, in der die feigen Mörder ihre "Rechtfertigungen" basteln, einfangen lassen. Das ist eine große Leistung, auf die sie stolz sein kann.

  3. Etwa, daß es typisch für Deutschland ist, daß Türken von Neonazis umgebracht werden? So bedauerlich und so verurteilenswert diese Tat auch ist: Was hat das mit den Integrationsdefiziten der Türken in Deutschland zu tun? Der Verdacht liegt nahe, daß hier ein Ablenkungsmanöver gestartet werden soll. Nach dem Motto "Haltet den Dieb!" soll einfach der Spieß umgedreht werden, um der deutschen Seite die Schuld an der mangelnden Integration zuschieben zu können. Die Kriminalstatistiken zeigen jedenfalls ein ganz anderes Bild. Die deuten eher auf erhöhte Gewalt und Kriminalität von türkischen Jugendlichen hin mit Einheimischen als Opfer. Der den Deutschen hier unterstellte Rassismus und der Haß sind schlicht und ergreifend ein Zerrbild, um von der Verachtung und Ablehnung der deutschen Gesellschaft durch viele hier im Land lebenden Türken abzulenken. Bedauerlich, daß sich Asli Bayram für so etwas hergibt. Dem Bild der Türken in den Augen der deutschen Bevölkerung hat sie damit einen Bärendienst erwiesen.

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    • ropla
    • 08.02.2009 um 12:19 Uhr

    Vielleicht habe ich das Interview zu flüchtig gelesen, aber ich habe den Eindruck es geht dabei um persönliche Erfahrungen der Interviewten bezüglich ihrer Eigenschaft als Deutsch-Türkin (kulturell gesprochen) ; a propos: wer ist der Verfasser? Die Interviewte oder der Interviewer?
    Die genervte und unsachliche Reaktion von nocheinbuerger bestätigt allerdings die sehr vorsichtig vorgebrachten, kritischen Anmerkungen von Frau Bayram zu ihrem "Fligzeugerlebnis".
    Wort zum Sonntag: Meist lernt man mehr, wenn man über die eigenen Reaktionen nachsinnt, anstatt Anderen irgendetwas zu unterstellen

    Lesen Sie doch mal meinen Kommentar weiter oben. Hier geht es nicht um Kriminalität sondern um Einstellungen. Ich habe die Einstellung des Vaters meiner Kolleging (und auch guten Freundin) deshalb aufgeführt weil innerhalb der türkischen Gemeinschaft große Gegensätze herrschen. Die Eltern leben (wieder) in der Türkei und die beiden Töchter in Deutschland und trotzdem haben die Eltern eine ganz andere Einstellung zu bestimmten Teilen ihrer Landsleute. Ein weiteres Beispiel dazu auch von den Eltern. Es gab eine große Geburtstagsfeier in ihrem Haus zu dem viele aus dem Ort eingeladen waren. Der Vater hatte auch ein Fass Bier und Wein auf dem Buffet bereitgestellt. Einige in der Nachbarschaft haben sich darüber aufgeregt ... Alkohol? Der Vater hat ihnen gesagt "Es wird niemand gezwungen Alkohol zu trinken."

    Es geht also nicht um "Die Türken" und "Die Deutschen" sondern um "Hinhören" und "miteinander sprechen". Sehr viele Türken können ihre eigenen Landsleute nicht verstehen und ich verstehe auch viele meiner Landsleute nicht.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    • Anonym
    • 09.02.2009 um 8:14 Uhr

    Der Verfasser will uns damit sagen, dass auch die Betrachtung von problematischen Zuwanderern nicht dazu berechtigt auf Differenzierung zu verzichten!

    Und es ist wahr, an der Situation ist allein Deutschland Schuld, nicht unbedingt jeder Bürger. Doch die Zuwanderungspolitik aller politischer Parteien, ihre Ignoranz gegenüber den Problemen, war und ist rassistisch.
    Als Wähler sind wir mit dafür verantwortlich, auch wenn wir das kaum gewollt haben.

    Der Kern des Problems liegt schon in der Missachtung des politischen Gegners und der Diffamierung seiner Motive (Populismus), der selbe Mechanismus muss auf Zuwanderungsgruppen angewendet schon zwangsläufig Rassismus und eine rassistische Politik hervorbringen.
    Die Diffamierung des politischen Gegners, ist kein Kavaliersdelikt, sondern entlarvt nur eine intolerante, undemokratische und asozial menschenverachtende Einstellung. Die einzige andere Alternative ist Dummheit, was bekanntlich mit Ersterem schon immer gut zusammenpasste, nicht zuletzt vor 70 Jahren.

    Berthold Grabe

    • ropla
    • 08.02.2009 um 12:19 Uhr

    Vielleicht habe ich das Interview zu flüchtig gelesen, aber ich habe den Eindruck es geht dabei um persönliche Erfahrungen der Interviewten bezüglich ihrer Eigenschaft als Deutsch-Türkin (kulturell gesprochen) ; a propos: wer ist der Verfasser? Die Interviewte oder der Interviewer?
    Die genervte und unsachliche Reaktion von nocheinbuerger bestätigt allerdings die sehr vorsichtig vorgebrachten, kritischen Anmerkungen von Frau Bayram zu ihrem "Fligzeugerlebnis".
    Wort zum Sonntag: Meist lernt man mehr, wenn man über die eigenen Reaktionen nachsinnt, anstatt Anderen irgendetwas zu unterstellen

    Lesen Sie doch mal meinen Kommentar weiter oben. Hier geht es nicht um Kriminalität sondern um Einstellungen. Ich habe die Einstellung des Vaters meiner Kolleging (und auch guten Freundin) deshalb aufgeführt weil innerhalb der türkischen Gemeinschaft große Gegensätze herrschen. Die Eltern leben (wieder) in der Türkei und die beiden Töchter in Deutschland und trotzdem haben die Eltern eine ganz andere Einstellung zu bestimmten Teilen ihrer Landsleute. Ein weiteres Beispiel dazu auch von den Eltern. Es gab eine große Geburtstagsfeier in ihrem Haus zu dem viele aus dem Ort eingeladen waren. Der Vater hatte auch ein Fass Bier und Wein auf dem Buffet bereitgestellt. Einige in der Nachbarschaft haben sich darüber aufgeregt ... Alkohol? Der Vater hat ihnen gesagt "Es wird niemand gezwungen Alkohol zu trinken."

    Es geht also nicht um "Die Türken" und "Die Deutschen" sondern um "Hinhören" und "miteinander sprechen". Sehr viele Türken können ihre eigenen Landsleute nicht verstehen und ich verstehe auch viele meiner Landsleute nicht.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    • Anonym
    • 09.02.2009 um 8:14 Uhr

    Der Verfasser will uns damit sagen, dass auch die Betrachtung von problematischen Zuwanderern nicht dazu berechtigt auf Differenzierung zu verzichten!

    Und es ist wahr, an der Situation ist allein Deutschland Schuld, nicht unbedingt jeder Bürger. Doch die Zuwanderungspolitik aller politischer Parteien, ihre Ignoranz gegenüber den Problemen, war und ist rassistisch.
    Als Wähler sind wir mit dafür verantwortlich, auch wenn wir das kaum gewollt haben.

    Der Kern des Problems liegt schon in der Missachtung des politischen Gegners und der Diffamierung seiner Motive (Populismus), der selbe Mechanismus muss auf Zuwanderungsgruppen angewendet schon zwangsläufig Rassismus und eine rassistische Politik hervorbringen.
    Die Diffamierung des politischen Gegners, ist kein Kavaliersdelikt, sondern entlarvt nur eine intolerante, undemokratische und asozial menschenverachtende Einstellung. Die einzige andere Alternative ist Dummheit, was bekanntlich mit Ersterem schon immer gut zusammenpasste, nicht zuletzt vor 70 Jahren.

    Berthold Grabe

    • ropla
    • 08.02.2009 um 12:19 Uhr

    Vielleicht habe ich das Interview zu flüchtig gelesen, aber ich habe den Eindruck es geht dabei um persönliche Erfahrungen der Interviewten bezüglich ihrer Eigenschaft als Deutsch-Türkin (kulturell gesprochen) ; a propos: wer ist der Verfasser? Die Interviewte oder der Interviewer?
    Die genervte und unsachliche Reaktion von nocheinbuerger bestätigt allerdings die sehr vorsichtig vorgebrachten, kritischen Anmerkungen von Frau Bayram zu ihrem "Fligzeugerlebnis".
    Wort zum Sonntag: Meist lernt man mehr, wenn man über die eigenen Reaktionen nachsinnt, anstatt Anderen irgendetwas zu unterstellen

  4. wäre ich vorsichtig: Es schlägt so leicht auf den Urheber zurück.

    @a propos: wer ist der Verfasser? Die Interviewte oder der Interviewer?

    Würde ich auch gern erfahren. Frau Bayram hat ihn jedenfalls nicht geschrieben.

    @Die genervte und unsachliche Reaktion von nocheinbuerger bestätigt allerdings die sehr vorsichtig vorgebrachten, kritischen Anmerkungen von Frau Bayram zu ihrem "Fligzeugerlebnis".

    Genervt ist richtig, angesichts des unseriösen und vernebelnden Journalismus zu diesem Thema. Unsachlich weise ich entschieden zurück. Sehr vorsichtig vorgebrachte Anmerkungen: Ein gutes Wort. Kann es sein, daß Bayram durch eigenes Erleben den Unterschied zu dem im Artikel enthaltenen unterschwelligen Dauervorwurf an die deutsche Seite und der Realität sehr gut kennt? Bedauerlich, daß sie, vermutlich um dem Interviewer und Verfasser den Gefallen zu tun, dann doch noch die üblichen Beispiele von Haß und Verachtung für Türken brachte oder von Dingen, die als solche interpretiert wurden. Namen, Ort und Zeit wurden wie gewöhnlich nicht genannt, auch nicht, wie oft sie so etwas denn erlebt haben will. Auf jeden Fall beißt sich das etwas mit ihren sonstigen Aussagen über Deutschland.

    Eine Frage noch in persönlicher Sache: Was ist eine Deutsch-Türkin? Ist das jetzt eine Deutsche oder eine Türkin? Und noch etwas: Hat Beyram diesen Begriff ins Spiel gebracht, oder war es der Verfasser des Artikels?

  5. Lesen Sie doch mal meinen Kommentar weiter oben. Hier geht es nicht um Kriminalität sondern um Einstellungen. Ich habe die Einstellung des Vaters meiner Kolleging (und auch guten Freundin) deshalb aufgeführt weil innerhalb der türkischen Gemeinschaft große Gegensätze herrschen. Die Eltern leben (wieder) in der Türkei und die beiden Töchter in Deutschland und trotzdem haben die Eltern eine ganz andere Einstellung zu bestimmten Teilen ihrer Landsleute. Ein weiteres Beispiel dazu auch von den Eltern. Es gab eine große Geburtstagsfeier in ihrem Haus zu dem viele aus dem Ort eingeladen waren. Der Vater hatte auch ein Fass Bier und Wein auf dem Buffet bereitgestellt. Einige in der Nachbarschaft haben sich darüber aufgeregt ... Alkohol? Der Vater hat ihnen gesagt "Es wird niemand gezwungen Alkohol zu trinken."

    Es geht also nicht um "Die Türken" und "Die Deutschen" sondern um "Hinhören" und "miteinander sprechen". Sehr viele Türken können ihre eigenen Landsleute nicht verstehen und ich verstehe auch viele meiner Landsleute nicht.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  6. Alle Achtung vor Frau Bayram. Ein Musterbeispiel an Integration und ein Zeichen, dass man es in Deutschland auch als Kind von Migranten schaffen kann, wenn man nur will - auch wenn es bedeutend schwieriger ist.
    Respekt auch davor, dass Frau Bayram nicht in eine Opferrolle verfällt, und das, obwohl ein Herrenmensch meinte, er müsse Deutschland säubern, in dem er den Vater erschoss und ihr regelmäßig Pöbeleien von hasserfüllten Vollidioten bzgl. ihrer Herkunft um die Ohren gehauen werden.
    Weiter so, Frau Bayram!

  7. Tun Sie sich und mir bitte einen Gefallen und hören Sie auf, gegen Behauptungen zu polemisieren, die keiner aufgestellt hat. Daß es "die Türken" und "die Deutschen" nicht gibt, ist eine Binse. Daß es gewaltige "Integrationsdefizite" gibt, ein Euphemismus für die Abschottung vieler Türken gegen die deutsche Gesellschaft, ihre Sprache und ihre Normen, dagegen nicht. Was glauben Sie, wozu es diese Berliner Studie gegeben hat, die Gegenstand zahlreicher Diskussionen gewesen ist, unter anderem auch hier in der Zeit? Diese Studie ist aber keine neue Erkenntnis, sondern spricht lediglich aus, was die Erfahrung der deutschen Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten ist. Des weiteren ist neu an dieser Studie, daß als Grund für diese Abschottung ausnahmsweise mal nicht die Fremdenfeindlichkeit und die Diskriminierung durch die deutsche Seite genannt werden, sondern die Einstellung der Türken hier in Deutschland. Wenn Sie sich einmal mit der Literatur und den Artikeln über Migranten beschäftigen, die in Deutschland erschienen sind, so werden Sie feststellen, daß wenigstens 95 % die Situation aus der Sicht der Migranten beschreiben. Die Interessen der einheimischen deutschen Gesellschaft werden dabei so gut wie nie erwähnt, als wäre es stillschweigende Übereinkunft, daß diese eine irgendwie geartete Bringeschuld gegenüber den Migranten zu erbringen hätte und ihre eigenen Interessen dabei zurückzustellen habe. In vielen Fällen, wie in diesem Artikel, wird diese Haltung mit der absurden, diffamierenden Dauerbehauptung begründet, Deutschland wäre rassistisch und fremdenfeindlich. Daß diese Unterstellung der eigenen Bevölkerung gegenüber nicht weniger rassistisch und verunglimpfend sein könnte, als die Haltung, welche man der deutschen Seite unterstellt, will den Verfassern dabei nicht in den Sinn kommen. Vor allem mißachtet sie eins: Daß es hier nicht nicht um die Türken oder die Türkei geht, sondern um die Menschen türkischer Abstammung, die nicht irgendwo im luftleeren Raum, sondern hier in Deutschland leben. Die daraus folgende elementare Tatsache, daß es demzufolge auch die deutsche Gesellschaft ist, deren Interessen, Normen und gesellschaftlichen Konventionen primär zu beachten und zu respektieren sind, ist eine Erkenntnis, der von den Medien und auch vom Staat anscheinend erst wieder zu lernen ist.

    Der subtile Rassismus in dieser Haltung, der die hier lebenden Türken nicht als mündige Bürger, sondern als abhängige Schutzbefohlene betrachtet, die es vor den rassistischen und fremdenfeindlichen Angriffen der Deutschen zu bewahren gilt, ist dabei das eigentliche Problem. Er verhindert, daß die deutsche Gesellschaft von den Türken das einfordert, was jede Gemeinschaft von Neuankömmlingen verlangen kann, nämlich die die Anpassung an die hiesigen Normen des Zusammenlebens. Genau das nutzen die in Deutschland agierenden aggressiven ethnischen Lobbies zu ihrem Vorteil aus. In der Vergangenheit haben sie damit gute Erfahrungen gemacht, daß man mit dem Hinweis auf eine angebliche Diskriminierung und auf die deutsche Vergangenheit erfolgreich Sonderregelungen und Privilegien für die eigene Gruppe herausschlagen konnte. Diese sind es, die eine Integration, d.h. die Deutschwerdung der Migranten, verhindert haben. Diese ethnischen Lobbies und ihre Verbandsvertreter werden eilfertig sekundiert durch einen Journalismus, dem es weniger um objektive Berichterstattung, sondern um eine Bewahrung des eigenen linken Weltbildes und der gepflegten Multikultiillusionen geht. Genau darin liegen die Ursachen für die gefährliche Entwicklung, deren Ergebnisse wir jetzt beobachten können.

    Insofern vermag ich in dem Artikel und seinen darin enthaltenene Intentionen lediglich einen weiteren Versuch zur moralischen Erpressung der deutschen Seite sehen, die vom mangelnden Integrationswillen der türkischen Seite und der bewußten Obstruktion aller Integrationsanstrengungen ablenken soll.

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    Sehr geehrter nocheinbuerger,

    durch die äußere Form des Artikels schließe ich auf eine Darstellung persönlicher Erfahrungen in Form eines Interviews. In einigen Passagen lese ich eine deutliche Kritik der Frau Bayrams auf mangelnde Integrationsbereitschaft einiger immigrierter Bürger, nur beispielsweise zitiere ich "[...] es gibt keinen Grund, sich hier nicht zurecht zu finden."

    Ich selbst bin Immigrant, wenn auch als Deutscher in einem anderen Land und bin meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Deutschen bzw. anderen Ausländern hier gut integriert. Trotzdem überschneiden sich einige meiner Erfahrungen mit denen Frau Bayrams, zu meinem Glück nicht alle und die meisten in stark gemildeter Form.
    Ähnlich wie Frau Bayram könnte ich einige meiner deutschen Bekannten hier über deren mangelnde Integrationsbereitschaft kritisieren, ich versuche allerdings dies nicht aufgrund deren Nationalität zu tun, da ich derselben angehöre, sondern aufgrund deren individueller Persönlichkeit.

    Ich denke Frau Bayram wie auch ich würden Ihnen in einigen Kritikpunkten über einzelne (wie auch immer deren Zahl sein mag, es bleiben Individuen) Immigranten zustimmen. Leider finde ich das Wort Hass, wie Frau Bayram es verwendet, oft fehlplaziert und und irreführend.

    Vielleicht sollten Sie versuchen stärker auf die schwieriger zu sehenden gut angepassten Immigranten achten und den Augenmerk weniger auf die wesentlich auffälligeren unangepassten Integrationsunwilligen richten, die auch in den Statistiken auffallen. Meiner Meinung nach hilft das gegen den unterschwelligen Generalverdacht (Verdraun auf Verdachd, wie Herr Pelzig so schön titelte).

    Hochachtungsvoll
    Le-boche

    Haben sie überhaupt zugehört? Ganz offensichtlich nicht. Noch nicht mal eine Gefühlsregung für die schlimme Erfahrung der jungen Frau? Sie glauben nicht an den Hass vieler Deutscher? Für viele Ausländer ist das seit den 60ern Alltagserfahrung. Hier wurde eine Schauspielerin und bekannte Persönlichkeit interviewt, die über ihr ganz persönliches Leben und ihre Erfahrungen berichtet. Wie es das in Tausenden andere Interwiews ständig überall zu lesen gibt. Was möchten SIE denn hören? Rechtfertigen oder entschuldigen SIE sich bei jeder Gelegenheit über Deutsche, die sich in anderen Ländern nicht integrieren oder am Ballermann die Sau rauslassen? Nein? Wozu auch? Es gibt immer zwei Seiten, für alles auf dieser Welt. Wir können zurecht von Migranten die Bereitschaft zur Integration und zum Erlernen der Sprache erwarten. Aber tun sie doch nicht so, als wenn die täglichen Diskriminierungs- und Ausschlusserfahrungen, Beleidigungen und Sticheleien, die fast alle Migranten seit den 60er Jahren mehr oder weniger täglich erleben, nicht auch der Integration hinderlich sind. Man muß Menschen Angebote zur Integration machen und ihnen das Gefühl geben, das sie dazugehören und willkommen sind. Mein Vater, aus einem christlichen südlichen Land Anfang der 60er eingewandert, hat mir 1000e Geschichten erzählt, wie er tagtäglich (im Bus, auf Ämtern, in der Nachbarschaft) vor dem Kopf gestoßen wurde, wie ihm gezeigt wurde, das er nicht dazugehört. Es waren meist keine offenen Nazisprüche oder offen rassistische Beleidigungen (manchmal aber das auch), es waren eher die ständigen kleinen Sticheleien und Bemerkungen. Wie sich Nachbarn dagegen gewehrt haben, das nebenan ein "Südländer" einzieht usw. Wie mein Vater in den 70ern, es regnete fürchterlich, einen an der Bushaltestelle, völlig durchnässten Türken anbot, ihn mitzunehmen und dieser direkt fragte: "Du nix Deutsch, oder?" Es war für den Türken unvereinbar mit seinen Erfahrungen, das ein Deutscher einem Ausländer gegenüber soviel Menschlichkeit zeigte. Oder das "Türken-Ghetto" in Köln, "Klein-Istanbul": Warum wohnen denn dort so viele Türken? Glauben Sie etwa, weil die alle da hin wollten? So was Naives: Deutsche Nachbarn haben sich woanders gegen Türken als Nachbarn gewehrt. Und die deutschen Vermieter in der Keupstrasse haben ihre alten Bruchbuden, ohne Heizung und mit Toiletten auf dem Flur, für Wucherpreise an die Griechen und Türken vermietet - denn Deutsche wollten diese Abstellkammer schon lange nicht mehr. Amerika z.B. verlangt viel von Einwanderern, völlig zu Recht. Aber DANN gibt Amerika ihnen auch das Gefühl, dazu zu gehören und willkommen zu sein. Als erst in Mölln und dann in Solingen aufrechte Deutsche Kinder und Frauen im Schlaf angezündet haben, hat sich kein Bundeskanzler gezeigt, um der "ausländische Mitbürgern" wie den "Deutschen" ein klares Signal zu geben. Es ist nicht verwunderlich, das die damals besser als heute verlaufende Integration ab Anfang der 90er Jahre einknickte, einhergehend mit den vielen rassistischen Übergriffen, Morden und Brandanschlägen. Erst ab da war zu beobachten, das sich vor allem Türken wieder mehr in ihren Gruppen zusammenschlossen, ihre Identität immer mehr unter Landsleuten und in ihrem Glauben suchten. Das alles ist keinerlei Ausrede oder Entschuldigung für mangelnden Integrationswillen, aber es gehören zwei dazu, auch die aufnehmende Gesellschaft muss etwas tun. Das verkennen sie vollkommen und geben alle Schuld einseitig nur der einen Seite. Sie behaupten, Deutschland wäre offen für Einwanderer: Nein, nur ein Teil der Deutschen waren und sind das. Sie gehören offenbar nicht dazu, wie ihre zahlreichen, arroganten und einseitigen Kommentare zeigen, die jeden Anflug von Zuhören, Verständnis und Mitgefühl vermissen lassen.

    Sehr geehrter nocheinbuerger,

    durch die äußere Form des Artikels schließe ich auf eine Darstellung persönlicher Erfahrungen in Form eines Interviews. In einigen Passagen lese ich eine deutliche Kritik der Frau Bayrams auf mangelnde Integrationsbereitschaft einiger immigrierter Bürger, nur beispielsweise zitiere ich "[...] es gibt keinen Grund, sich hier nicht zurecht zu finden."

    Ich selbst bin Immigrant, wenn auch als Deutscher in einem anderen Land und bin meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Deutschen bzw. anderen Ausländern hier gut integriert. Trotzdem überschneiden sich einige meiner Erfahrungen mit denen Frau Bayrams, zu meinem Glück nicht alle und die meisten in stark gemildeter Form.
    Ähnlich wie Frau Bayram könnte ich einige meiner deutschen Bekannten hier über deren mangelnde Integrationsbereitschaft kritisieren, ich versuche allerdings dies nicht aufgrund deren Nationalität zu tun, da ich derselben angehöre, sondern aufgrund deren individueller Persönlichkeit.

    Ich denke Frau Bayram wie auch ich würden Ihnen in einigen Kritikpunkten über einzelne (wie auch immer deren Zahl sein mag, es bleiben Individuen) Immigranten zustimmen. Leider finde ich das Wort Hass, wie Frau Bayram es verwendet, oft fehlplaziert und und irreführend.

    Vielleicht sollten Sie versuchen stärker auf die schwieriger zu sehenden gut angepassten Immigranten achten und den Augenmerk weniger auf die wesentlich auffälligeren unangepassten Integrationsunwilligen richten, die auch in den Statistiken auffallen. Meiner Meinung nach hilft das gegen den unterschwelligen Generalverdacht (Verdraun auf Verdachd, wie Herr Pelzig so schön titelte).

    Hochachtungsvoll
    Le-boche

    Haben sie überhaupt zugehört? Ganz offensichtlich nicht. Noch nicht mal eine Gefühlsregung für die schlimme Erfahrung der jungen Frau? Sie glauben nicht an den Hass vieler Deutscher? Für viele Ausländer ist das seit den 60ern Alltagserfahrung. Hier wurde eine Schauspielerin und bekannte Persönlichkeit interviewt, die über ihr ganz persönliches Leben und ihre Erfahrungen berichtet. Wie es das in Tausenden andere Interwiews ständig überall zu lesen gibt. Was möchten SIE denn hören? Rechtfertigen oder entschuldigen SIE sich bei jeder Gelegenheit über Deutsche, die sich in anderen Ländern nicht integrieren oder am Ballermann die Sau rauslassen? Nein? Wozu auch? Es gibt immer zwei Seiten, für alles auf dieser Welt. Wir können zurecht von Migranten die Bereitschaft zur Integration und zum Erlernen der Sprache erwarten. Aber tun sie doch nicht so, als wenn die täglichen Diskriminierungs- und Ausschlusserfahrungen, Beleidigungen und Sticheleien, die fast alle Migranten seit den 60er Jahren mehr oder weniger täglich erleben, nicht auch der Integration hinderlich sind. Man muß Menschen Angebote zur Integration machen und ihnen das Gefühl geben, das sie dazugehören und willkommen sind. Mein Vater, aus einem christlichen südlichen Land Anfang der 60er eingewandert, hat mir 1000e Geschichten erzählt, wie er tagtäglich (im Bus, auf Ämtern, in der Nachbarschaft) vor dem Kopf gestoßen wurde, wie ihm gezeigt wurde, das er nicht dazugehört. Es waren meist keine offenen Nazisprüche oder offen rassistische Beleidigungen (manchmal aber das auch), es waren eher die ständigen kleinen Sticheleien und Bemerkungen. Wie sich Nachbarn dagegen gewehrt haben, das nebenan ein "Südländer" einzieht usw. Wie mein Vater in den 70ern, es regnete fürchterlich, einen an der Bushaltestelle, völlig durchnässten Türken anbot, ihn mitzunehmen und dieser direkt fragte: "Du nix Deutsch, oder?" Es war für den Türken unvereinbar mit seinen Erfahrungen, das ein Deutscher einem Ausländer gegenüber soviel Menschlichkeit zeigte. Oder das "Türken-Ghetto" in Köln, "Klein-Istanbul": Warum wohnen denn dort so viele Türken? Glauben Sie etwa, weil die alle da hin wollten? So was Naives: Deutsche Nachbarn haben sich woanders gegen Türken als Nachbarn gewehrt. Und die deutschen Vermieter in der Keupstrasse haben ihre alten Bruchbuden, ohne Heizung und mit Toiletten auf dem Flur, für Wucherpreise an die Griechen und Türken vermietet - denn Deutsche wollten diese Abstellkammer schon lange nicht mehr. Amerika z.B. verlangt viel von Einwanderern, völlig zu Recht. Aber DANN gibt Amerika ihnen auch das Gefühl, dazu zu gehören und willkommen zu sein. Als erst in Mölln und dann in Solingen aufrechte Deutsche Kinder und Frauen im Schlaf angezündet haben, hat sich kein Bundeskanzler gezeigt, um der "ausländische Mitbürgern" wie den "Deutschen" ein klares Signal zu geben. Es ist nicht verwunderlich, das die damals besser als heute verlaufende Integration ab Anfang der 90er Jahre einknickte, einhergehend mit den vielen rassistischen Übergriffen, Morden und Brandanschlägen. Erst ab da war zu beobachten, das sich vor allem Türken wieder mehr in ihren Gruppen zusammenschlossen, ihre Identität immer mehr unter Landsleuten und in ihrem Glauben suchten. Das alles ist keinerlei Ausrede oder Entschuldigung für mangelnden Integrationswillen, aber es gehören zwei dazu, auch die aufnehmende Gesellschaft muss etwas tun. Das verkennen sie vollkommen und geben alle Schuld einseitig nur der einen Seite. Sie behaupten, Deutschland wäre offen für Einwanderer: Nein, nur ein Teil der Deutschen waren und sind das. Sie gehören offenbar nicht dazu, wie ihre zahlreichen, arroganten und einseitigen Kommentare zeigen, die jeden Anflug von Zuhören, Verständnis und Mitgefühl vermissen lassen.

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