Feuerkatastrophe in Australien Ein Dorf in Schutt und Asche
Verheerende Buschfeuer haben Marysville völlig zerstört, viele Einwohner konnten nicht mehr fliehen. Die Polizei in Australien sucht nach Brandstiftern

© William West/AFP/Getty Images
Opfer der Flammen: Von Marysville in Australien blieben nur noch verrußte Ruinen übrig. Ein Beamter begutachtet den Schaden
Die Flammen kamen rasend schnell, erst loderten sie in der Umgebung des kleinen Ortes, dann wuchsen einzelne Brandherde zu einer meterhohen Feuerwalze zusammen. Wer aus dem Städtchen nicht geflohen war, hatte keine Chance mehr. Menschen, Tiere, Häuser – ganz Marysville wurde ein Opfer der Flammen.
Das bis vor wenigen Tagen bei Touristen beliebte australische Städtchen existiert nicht mehr – es steht dort nur noch ein einziges Haus. Die Polizei hat das gesamte Gemeindegebiet zum Tatort erklärt und abgesperrt. Die Ermittler suchen nach einem möglichen Brandstifter. Den Beamten fehlen Worte für das, was mit Marysville passiert ist, sie sprechen von einem Inferno, einer biblischen Katastrophe.
Buschfeuer sind in Australien nicht ungewöhnlich, sie gehören zu den erwartbaren Naturkatastrophen wie eine Sturmflut an der deutschen Nordseeküste. Doch so große Flächenbrände wie in diesem Jahr in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales gab es in Australien in den vergangenen 100 Jahren nicht. 181 Menschen kamen bislang in Australien ums Leben – in den Trümmern der verkohlten Häuser und in ausgebrannten Autos vermuten die Rettungskräfte noch zahlreiche weitere Opfer. Die Regierung rechnet mit mindestens 200 Toten.
Wie viele der 800 Einwohner von Marysville ums Leben kamen, ist noch unklar. "Wir arbeiten uns durch, von Straße zu Straße, von Haus zu Haus", sagte die Polizeichefin des Bundesstaates Victoria über die Arbeit der Rettungskräfte in den verwüsteten Gebieten. Australische Zeitungen und Online-Medien veröffentlichen die Namen von Toten und Vermissten. Eine der Gesuchten ist Kirstie Nisson, die in ihrem Geschäft arbeitete, als die Feuerwalze kam. Die 39-jährige Mutter zweier Kinder wurde nicht mehr gesehen, nachdem die Flammen die Stadt erreicht hatten. Ihre Familie hofft auf ein Wunder.
Viel Glück hatte ein Mann, der mitten in den Flammen überlebte. Der Radiosender ABC strahlte ein Interview mit einem Einwohner von Marysville aus, der sich in seinen Swimmingpool gerettet hatte. Umhüllt von Rauch konnte er nichts mehr sehen und alarmierte per Handy die Retter. Auch Marylou Gatt entkam den Flammen nur knapp. Sie war mit ihrem Mann im Auto auf dem Weg nach Marysville, als die Polizei sie stoppte. "Sie haben fünf Minuten, um hier wegzukommen", sagte ein Beamter. Sie und ihr Mann kamen mit dem Leben davon, von ihrem Eigentum konnten sie nichts retten.
In der Umgebung der Stadt wurden ausgebrannte Autowracks gefunden, mit verkohlten Leichen darin. Das Feuer hatte die Fliehenden eingeholt. Viele der Leichen sind so entstellt, dass eine Identifizierung kaum noch möglich ist.
- Datum 11.02.2009 - 08:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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