Deutsche Bahn Wer folgt auf Mehdorn?

Die Bahn legt einen Bericht zur Spitzelaffäre vor. Von ihm hängt die Zukunft Hartmut Mehdorns ab. Zwei Bahn-Vorstände sollen gute Chancen haben, ihn zu beerben

Der Arbeitsvertrag von Hartmut Mehdorn läuft bis zum 19. Mai 2011. Dass er ihn erfüllen wird, glauben nur noch wenige. "Die Frage stellt sich erst nach der Bundestagswahl", hofft ein führender Unionsmann. Doch schon jetzt sind mehrere Namen für den "zweitverrücktesten Job der Republik" (Gerhard Schröder) im Spiel – unter anderem der von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin.

Aus den Reihen der Bahn-Manager wird Nikolaus Breuel genannt. Er ist Sohn der einstigen Treuhand-Chefin Birgit Breuel und leitet den Fernverkehr. Für ihn spricht, dass er als unionsnah gilt – und dass er die Sparte wieder in die schwarzen Zahlen geführt hat. Nach der Einführung eines neuen Preissystems 2002 hatte sie große Probleme bekommen.

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Auch Norbert Bensel trauen viele die Führung des 240.000-Mitarbeiter-Konzerns zu. Derzeit leitet er das Gütertransportgeschäft bei der Bahn. Er hat indes zwei Probleme: Erstens gilt er als SPD-nah, was den Sprung auf den Chefsessel nach der Bundestagswahl unwahrscheinlich macht. Zweitens könnte er in die Datenaffäre verstrickt sein, argwöhnen die Gewerkschaften. "Wenn sich herausstellt, dass der Vorstand etwas gewusst hat, muss er komplett abtreten", sagt ein Stratege des Arbeitnehmerlagers.

Der SPD-Politiker Hermann Scheer weiß indes genau, wen er nicht will: Leute wie Utz Claassen, einst Chef des Energiekonzerns EnBW und schon mehrfach für den Bahn-Posten im Gespräch, "sollten der Bahn nicht zugemutet werden", erklärte er am Montag. Der Mann sei "haarsträubend". Scheer schweben andere vor – etwa Finanzsenator Sarrazin, "einer der meistgehörten Bahnexperten". Auf seinem mutmaßlichen neuen Job bei der Bundesbank werde er sich "schon bald langweilen", glaubt Scheer. Auch Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, oder Hans Leister, einst Top-Manager beim Bahn-Konkurrenten Veolia, traut Scheer den Chefposten zu.

Die SPD und die Gewerkschaft Transnet stellten sich am Montag hinter Mehdorn. "Es wäre viel zu früh, jetzt das Vertrauen zu entziehen", sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner im ZDF. Statt eine Personaldiskussion zu führen, solle die Bahn sich um Aufklärung bemühen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte, Mehdorn habe sich als Manager Verdienste erworben.

Leser-Kommentare
  1. Sarrazin? Seid ihr verrückt? Das hieße, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!

  2. Es geht nicht um Qualifikation sondern um Partei-Lieblinge? Und wieso kann ein Ersatz von Mehdorn, falls es denn völlig unerwartet geschehen sollte, erst nach der Bundestagswahl erfolgen.

    Sind wir hier im Kindergarten? (Entschuldigung, da geht es gesitterter zu)

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  3. 3. Den..

    Mann, wieder duch den Staat ersetzen ist die beste Möglichkeit. Wir sind diese Privatisierungen Bahn,Post endgültig leid. Es muss ja nicht jeder Beamter werden, der für den Staat arbeitet. Energiewirtschaft gleich noch mit ins Boot, denn diese saugen das Volk richtig aus.

  4. dass man nur Chancen auf solch einen Posten hat, wenn man CDU- oder SPD-nah ist. Das gilt auch für Landesbanken, Rundfunkanstalten, Enrgieversorger etc. Kein Wunder, dass die Lage so jämmerlich ist.

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