Berlinale Tag 2 Von Heimkehrern und NeugeborenenSeite 2/2

Einmal mehr hat François Ozon das Genre gewechselt. Nach dem Kostümfilm, dem Thriller, den stilisierten Melodramen und dem Drama fühlt man sich bei Ricky an die fahl-realistischen Farben eines Films der Dardenne-Brüder erinnert. Ist Ozon im sozialrealistischen Kino angekommen? Zumindest glaubt man dies in der ersten Hälfte dieses wunderbar verqueren Films.

In einer Rückblende wird die Geschichte der alleinerziehenden Fabrikarbeiterin Katie (Alexandra Lamy) erzählt. Zusammen mit ihrer siebenjährigen Tochter (Mélusine Mayance) wohnt sie in einem tristen Hochhaus am Stadtrand. Als sie sich in ihren spanischen Arbeitskollegen Paco (Sergi Lopez) verliebt, geht alles ganz schnell: Die neue Liebe gebiert ein neues Kind, und dieser Film eine Wendung ins Fantastische, die hier nicht verraten werden soll.

Ozon, der Stilist unter den französischen Filmemachern, macht, was er am Besten kann: Eine Stimmung in klaren Bildern zu skizzieren. Unmerklich schiebt sich etwas Bedrohliches in die Familienidylle. Ricky, der Neugeborene, verändert alles. Das Sozialdrama kippt. Aus einem Film der Dardenne-Brüder wird ein Film von David Lynch oder David Cronenberg. Und dann plötzlich etwas ganz Unerwartetes.

Man müsse die Wirklichkeit filmen wie einen Traum und den Traum wie eine Realität, hat der Filmemacher Luis Buñuel einmal gesagt. Es ist die beste Anleitung, um sich diesem wunderbaren Film zu nähern.

 
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