Berlinale Tag 3 Schatten der Vergangenheit

Auf der Suche nach der Wahrheit: Hans-Christian Schmids beeindruckender Kriegstribunalsfilm "Sturm" und der iranische Festivalbeitrag "About Elly"

So trist es lange Zeit war, das deutsche Filmschaffen zu verfolgen, so hoffnungsfroh stimmen einen die ersten deutschen Wettbewerbsbeiträge auf dieser 59. Berlinale. Egal, was man von Tom Tykwers Eröffnungsfilm The International halten mag, er ist Genrekino auf  hohem internationalem Niveau.

Und auch Hans-Christian Schmids Sturm lässt alle Befürchtungen weit hinter sich. Der Film geht als erster deutscher Beitrag ins Rennen um den Goldenen Bären. Schmid dürfte sich gute Chancen auf einen Preis ausrechnen können, verbindet er doch die bei der Berlinale gern prämierte Mischung aus politischer Brisanz mit beeindruckenden Schauspielleistungen.

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Es geht um die juristische Aufarbeitung der Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. 2010 wird das Internationale Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag seine Arbeit einstellen. Nicht mehr viel Zeit also, um die Befehlshaber unzähliger Gräueltaten zur Verantwortung zu ziehen und den Opfern zumindest ein wenig Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

Anklägerin Hannah Maynard (Kerry Fox) möchte einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee hinter Gitter bringen, der die Deportationen und den Tod zahlloser bosnisch-muslimischer Zivilisten in einer Kleinstadt der heutigen Provinz Srpska zu verantworten hat.

Maynard schafft es, die in Berlin lebende Bosnierin Mira (Anamaria Marinca) zu überzeugen, in Den Haag gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher auszusagen. Doch damit ist es leider nicht getan. Im Spiel von Diplomatie, Politik und Bürokratie droht die Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben. Nicht nur bosnisch-serbische Nationalisten haben ein Interesse daran, dass die Verbrechen von einst nie aufgeklärt werden. Die Gegner befinden sich auch in den eigenen Reihen. Sichtbar wird ein schmutziges Geflecht aus (Real-)Politik, Lobbyismus und Diplomatie.

Schmidt, der an der HFF in München Dokumentarfilm studiert hat, filmt seine Akteure in Sturm mit der Handkamera. Vor allem das Spiel von Anamaria Marinca erhält dadurch eine Intensität, die einen noch bis aus dem Kinosaal hinaus verfolgt. Und man wundert sich, dass niemand zuvor auf die Idee kam, einen dokumentarischen Spielfilm zu diesem Thema zu drehen.

Leser-Kommentare
  1. Und daß in einem Satz abgebügelt, ohne nähere Erläuterung?
    Ist ein bißchen leicht gemacht, bzw. disqualifiziert Sie als Filmkritiker leider völlig..

    Dieser Film war einer der besten, die ich seit langem im Kino gesehen habe.
    Tommy Lee Jones ist noch um Längen besser als zuletzt in 'No country for old men',
    der Film vermittelt nicht nur einen authentischen Eindruck von Land und Leuten
    der Südstaaten, vom Leben nach dem Hurricane Kathrina,
    sondern entwickelt einen geradezu hypnotisierenden Sog
    der den ganzen Film über anhält und trägt.

    Da wirkt nichts, aber auch gar nichts gekünstelt oder uninspiriert.
    Ok, es ist definitiv ein Männerfilm und der Director's Cut vermittelt
    zuweilen den Eindruck, man würde Tommy Lee Jones bei einer
    'Echtzeit-Ermittlung' über die Schulter sehen
    aber das ist das Konzept des Films, das ist der Blues!

    Ich kann nur raten sich diesem Sog auszusetzen,
    allerdings unbedingt in der Originalfassung oder mit Untertiteln,
    nicht auszudenken, wie eine Übersetzung die Authentizität dieses Films
    unterminieren würde..

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