Film Besuch bei einer alten Dame

Das Berlinale-Publikum feiert "Gitti", einen Kurzfilm über die Partnersuche einer 70-jährigen Berlinerin, mit stehenden Ovationen

Manchmal passiert es, dass man mitten im Film-Marathon der Berlinale, zutiefst gerührt wird. Dieses Gefühl trägt einen für einen kurzen, kostbaren Moment hinaus aus dem Getümmel um den Potsdamer Platz.

Eine alte Dame ist es, die diesen Moment am Montagabend hervorgerufen und hunderte Menschen zu Standing Ovations bewegt hat. Gitti heißt sie, und würde sich selbst niemals als alte Dame bezeichnen. "Wissen Se, ich bin zwar 70, aber ich bin nicht so alt und ich schau auch nicht so aus", erklärt sie einer Zeitungsmitarbeiterin, bei der sie ihre Kontaktanzeige aufgibt. Anna Deutsch, Studentin der HFF Potsdam, dokumentiert in ihrem Kurzfilm Gitti die Partnersuche dieser knarzigen Berlinerin mit so liebevollem Blick, dass man die Angst vor dem Alter verlieren kann.

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Was den 30-minütigen Einblick in dieses Leben so charmant macht, ist die Offensichtlichkeit, mit der die Kamera und das Team darin integriert werden. So schaut Gitti prüfend in die Kamera, bevor sie erneut ihre Bluse zurechtzupft und dann die Tür für den nächsten Anwärter öffnet.

Leicht haben es die Männer nicht: Gitti ist wählerisch. Heinz, 68, ist ihr zu klein. Bernd, 67, ist schon wieder ein Polizist (wie die meisten seiner Vorgänger), und einer älter als 70 kommt Gitti nicht ins Haus – schließlich möchte sie einen Mann, der "auch noch kann". Wichtig sind zudem noch das Sternzeichen und der "Assistent", sagt sie. Einem Skorpion wie ihr sei nämlich "der Löwe zu arrogant".

All dies ist sehr komisch, aber die Lacher gehen nie auf Kosten der Hauptperson. Vielmehr überlegt man, wie man sich selbst einmal fühlen würde, in diesem Alter, alleine in einem abgebröckelten grauen Altbau in Ostberlin. Und wenn man dieser 70-Jährigen zuschaut, wie sie mit ihrem Sektglas zu ohrenbetäubender Schlagermusik durchs Wohnzimmer tanzt, dann kann man nur hoffen, dass man ein bisschen werden könnte wie sie.

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