Filmfestivals sind ein wenig wie gut austarierte Menüs: Die Raffinesse liegt in der Zusammenstellung. Wer zu Beginn klotzt, überfordert seine Gäste spätestens beim Hauptgericht. Wer nichts wagt, hinterlässt Langeweile. Der Vorspeise kommt eine besondere Bedeutung zu: Sie gibt die Richtung vor, den Ton. Alles andere ist eine Frage des Geschmacks.

Tom Tykwers Berlinale-Eröffnungsfilm The International ist in dieser Hinsicht eine gute Wahl. Er unterstreicht den Platz, den Festivalleiter Dieter Kosslick seit seiner Amtsübernahme dem deutschen Film auf der Berlinale einräumt. Ob The International exemplarisch für das deutsche Kino stehen kann, ist dabei unwichtig.

Tykwer gehört jener jüngeren Cineasten-Generation an, die in den vergangenen Jahren geholfen hat, den deutschen Film auch international zu rehabilitieren. Fast vergessen ist die Wüste, durch die das deutschsprachige Filmschaffen mit Komödien von Sönke Wortmann und Co gegangen ist. The International ist ein Genrefilm made in Germany, der es mit Hollywood aufnehmen kann.

Sein Held Louis Salinger (Clive Owen) wirkt wie ein Wiedergänger - halb James Bond, halb Philip Marlowe. Ihm zur Seite: Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl und Ulrich Thomsen. Erzählt wird die Geschichte skrupelloser Geschäftemacher. Zusammen mit Staatsanwältin Eleanor Whitman (Watts) ermittelt Interpol-Agent Salinger in der Finanzwelt. Nach und nach deckt er die dunklen Machenschaften einer Bank auf, die vor Mord ebenso wenig zurückschreckt wie vor der Finanzierung von Waffenlieferungen in Krisenregionen.

Vom Berliner Hauptbahnhof aus führt Salingers Recherche über Paris, Mailand und New York nach Istanbul. Im Zentrum steht eine aufwendig choreografierte Schießerei im New Yorker Guggenheimmuseum, die komplett im Studio Babelsberg gedreht wurde.