Bundesliga-Presseschau Thomas Schaafs historische Verdienste

Werders Trainer ist trotz schlechter Ergebnisse unantastbar. Der HSV schrumpft innerhalb einer Halbzeit. Linienrichter werden zu mächtig. Eine Presseschau

Werder Bremen steckt nach dem 0:1 in Schalke im Mittelfeld fest. Klar, dass manch Wegelagerer nach Trainer Thomas Schaaf fragt. Und fast hätte sich Sportdirektor Klaus Allofs am Samstag verplappert: "Wir geben hier keinen Treueschwur ab", sagte er nach dem Spiel. So klingen normalerweise die Prologe einer Entlassung. Nicht jedoch in Bremen, wo Schaaf auf zehn erfolg-, teilweise glorreiche Jahre zurückblicken kann.

Als Allererstes hatte er Werder vor dem Abstieg bewahrt, Christof Kneer (SZ) ruft allen Zweiflern ins Gedächtnis, welche Bedeutung in Bremen der Vereinsgeschichte beigemessen wird: "Aus der Zweiten Liga heraus hätte sich kaum jene Elf entwickelt, auf die der deutsche Fußball endlich mal stolz sein durfte. Es ist Schaafs ewiges historisches Verdienst, dass er das düstere Interregnum der Nach-Rehhagel-Ära (1995-99) beendet hat, in dem die Trainer de Mos, Dörner, Sidka und Magath unterschiedliche Formen von Chaos angerichtet hatten. Auch Otto, der Große, konnte sich ein schlechtes Jahr erlauben, schreibt Kneer: "Rehhagel hat in seinen vierzehn Jahren einmal Neunter werden dürfen, einmal kriseln ist Bremer Recht."

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2:3 in Karlsruhe verloren trotz einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung – der Hamburger SV erschrickt seine Anhänger nach zuletzt nur guten Nachrichten und Taten. Christian Kamp (FAZ) diagnostiziert eine Schrumpfung: "Der gefeierte Bayern-Bezwinger und vermeintliche Titelanwärter ist fürs Erste wieder auf das Format eines Meisterschülers gestutzt – mit jeder Menge Talent zwar, aber noch ohne die nötige Reife." Kamp spricht sogar von der "Hamburger Arroganz", denn es sei auffällig, dass der HSV nach guten Ergebnissen regelmäßig Niederlagen einstecken müsse: "Es hat beinahe System, wie der HSV leidenschaftliche Auftritte mit blutleeren mischt und sich damit um den Maximalertrag bringt."

Beim KSC hingegen erlebt Tobias Schächter (Berliner Zeitung) eine enthemmte Freude: "Es wirkte fast so, als wollten Sebastian Freis und seine Kollegen mit diesem Spiel all das nachholen, was sie in den Wochen zuvor versäumt hatten. Es war ein Spektakel, das daran erinnerte, weshalb dieser Sport so großartig ist. Die 28.000 KSC-Fans zogen danach so glücklich in die Kneipen ihrer Stadt, wie nur zufriedene Fußballfans das nach neunzig Minuten im Dauerregen können."

Was macht der Tabellenführer? Stefan Hermanns (Tagesspiegel) weiß nicht so genau, wie er Hoffenheim nach dem 1:1 in Mönchengladbach einordnen soll, und klammert sich an die Fakten: "Jeder kann den Start der Hoffenheimer in die Rückrunde lesen, wie er will: Die Kritiker werden sagen, dass sich der Tabellenführer doch überraschend schwer getan habe gegen die beiden Abstiegskandidaten Cottbus und Mönchengladbach, Mannschaften von dürftigem Format. Andererseits haben die Hoffenheimer den Vorsprung auf die Bayern ausgebaut. Und auch Hertha, Leverkusen und der HSV konnten den Rückstand auf den Spitzenreiter nicht verkürzen." Die SZ ergänzt: "Die Hoffenheimer Fußballästheten verlieren ein bisschen von ihrer souveränen Schönheit. Von den jüngsten vier Spielen haben sie nur eines gewonnen."

Vorige Woche wurde das Tor Luca Tonis aberkannt, diese Woche ein Elfmeter Hoffenheims zurückgenommen. Beide Entscheidungen wurden nicht vom Schiedsrichter getroffen, sondern gingen auf Korrekturen von Außen zurück. Technikfeind Matti Lieske (Berliner Zeitung) will festgestellt haben, dass der Linienrichter mittels neuer Medien inzwischen das Sagen habe: "Seit die Linienrichter zu Assistenten befördert und kommunikationsmäßig aufgerüstet wurden, haben sie beträchtlich an Autorität gewonnen, machen davon emsig Gebrauch und mischen sich ungefragt in alles ein. Offenbar fällt es den Schiedsrichtern schwer, Kommandos zu ignorieren, die per Funk oder sogar über Kopfhörer an sie herangetragen werden. Moderne Technik verleiht Macht, der Assistent gerät zum Über-Ich, dem unbedingt zu gehorchen ist. Wo die Schiedsrichter früher nur einen wedelnden Deppen an der Linie sahen, vernehmen sie nun die Stimme des Herrn."

Im Blickpunkt wie fast jeden Spieltag die Schiedsrichter. Brauchen wir einen Videobeweis, hilft ein Oberschiedsrichter? An den Beispielen des Hoffenheimer Nicht-Elfmeters und Abseitstores haben Jan Christian Müller (FR) und seine Kollegen Empirie betrieben: "Die Sportredaktion der Frankfurter Rundschau hat sich die Szene mehrfach im Originaltempo und in Zeitlupe angeschaut. Vier Redakteure kamen zu einem klaren 3:1-Ergebnis: Strafstoß, keine Schwalbe! Am Ende hat Hoffenheim dann noch den Ausgleich aus einer fürs bloße Auge nur sehr, sehr schwer zu erkennenden Abseitsposition erzielt. Die vier FR-Oberschiedsrichter hätten das vermutlich auch mit Kamerahilfe so schnell gar nicht erkannt. Nicht auszudenken, wie heftig hinterher diskutiert worden wäre über die vier Deppen von der FR."

 
Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Fritsch,
    soweit ich weiß sagte Klaus Allofs: "Prinzipiell gibt es keinen Treueschwur. Aber es gibt auch keinen Ansatz für die Notwendigkeit von Veränderungen." Richtig zitieren bitte. Die Qualität Ihrer Presseschau nimmt in letzter Zeit leider ab.
    MfG
    Günther Seeler

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    • jokus1
    • 10.02.2009 um 20:24 Uhr

    Es gibt 3 wesentliche Arten von Menschen, die mir im Fußball auf den Senkel gehen:
    Hooligans, die sich Fans nennen,
    TV-Schwafler wie F v Tu und mach Nix, die besonders als Selbstdarsteller glänzen und
    Erbsenzähler, die den Kommentar zum Kommentar noch drei mal umdrehen wollen - wie Günther Seeler.

    Leute, es ist Fußball und weder Kampfsport noch ein Wettbewerb im Synchronschwimmen!

    Ihnen Herr Fritsch herzlichen Dank für die glänzende und intelligente Berichterstattung!

    Machen Sie weiter so!!!

    jokus1

    • jokus1
    • 10.02.2009 um 20:24 Uhr

    Es gibt 3 wesentliche Arten von Menschen, die mir im Fußball auf den Senkel gehen:
    Hooligans, die sich Fans nennen,
    TV-Schwafler wie F v Tu und mach Nix, die besonders als Selbstdarsteller glänzen und
    Erbsenzähler, die den Kommentar zum Kommentar noch drei mal umdrehen wollen - wie Günther Seeler.

    Leute, es ist Fußball und weder Kampfsport noch ein Wettbewerb im Synchronschwimmen!

    Ihnen Herr Fritsch herzlichen Dank für die glänzende und intelligente Berichterstattung!

    Machen Sie weiter so!!!

    jokus1

    • jokus1
    • 10.02.2009 um 20:24 Uhr

    Es gibt 3 wesentliche Arten von Menschen, die mir im Fußball auf den Senkel gehen:
    Hooligans, die sich Fans nennen,
    TV-Schwafler wie F v Tu und mach Nix, die besonders als Selbstdarsteller glänzen und
    Erbsenzähler, die den Kommentar zum Kommentar noch drei mal umdrehen wollen - wie Günther Seeler.

    Leute, es ist Fußball und weder Kampfsport noch ein Wettbewerb im Synchronschwimmen!

    Ihnen Herr Fritsch herzlichen Dank für die glänzende und intelligente Berichterstattung!

    Machen Sie weiter so!!!

    jokus1

    Antwort auf "Ordentlich zitieren"
  2. Redaktion

    Lieber Herr Seeler, das Zitat ist ja nun nicht völlig verdreht. Außerdem war ich ja nicht selbst in Schalke. Daher hab ich das Zitat übernommen. Es stand so in mindestens fünf Zeitungen, die ich gelesen habe.

    Prinzipiell: O-Töne nach dem Spiel variieren nun mal im Wortlaut. Aus verschiedenen Gründen: Etwa weil die Interviewten zehn und mehr Journalisten das gleiche erzählen. Oder weil man den Interviewten nicht genau versteht, weil es dort so laut ist. Oder weil man nur sinngemäß zitiert. Die Mixed Zone gleicht manchmal einem Marktplatz.

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    Lieber Herr Fritsch, Lieber Jokus,

    ich bestand auf das "prinzipiell", weil es für mich einen anderen Eindruck vermittelt, als: "Wir geben hier keinen Treueschwur ab". Das eine heißt, wir sind uns unsicher und geben keinen Treueschwur ab, das andere heißt, man kann im Fußball niemals eine 100% (prinzipielle) Zusage geben. Nun bin ich ein Fan von Werder Bremen und insofern vielleicht etwas erbsenzählerisch. Mir ging es nur darum, das in allen anderen Zeitungen (online), die ich gelesen habe, dieses "prinzipiell" nicht unter den Tisch fiel. Insofern war ich halt verwundert, als es bei Ihnen, Herr Fritsch, wegfiel.
    Ich verfolge und empfehle Ihre Presseschau mittlerweile seit mehreren Jahren, habe jedoch in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, das Sie ob des ganzen Life-Bloggings, Twitterns u.ä. Ihre Kernkompetenz - das gute und unterhaltsame Zusammenfassen der Presseartikel - etwas vernachlässigt haben.
    Ich wollte eine konstruktive Kritik äußern, mehr nicht. Unfein finde ich es, Herr Jokus, das Sie mich kurzerhand in eine Reihe mit Hooligans stellen, doch ich werde mich darüber nicht aufregen: Sagt es doch mehr über Sie - Jokus - als über mich...

    Mit freundlichen Grüßen
    Günther Seeler

    Lieber Herr Fritsch, Lieber Jokus,

    ich bestand auf das "prinzipiell", weil es für mich einen anderen Eindruck vermittelt, als: "Wir geben hier keinen Treueschwur ab". Das eine heißt, wir sind uns unsicher und geben keinen Treueschwur ab, das andere heißt, man kann im Fußball niemals eine 100% (prinzipielle) Zusage geben. Nun bin ich ein Fan von Werder Bremen und insofern vielleicht etwas erbsenzählerisch. Mir ging es nur darum, das in allen anderen Zeitungen (online), die ich gelesen habe, dieses "prinzipiell" nicht unter den Tisch fiel. Insofern war ich halt verwundert, als es bei Ihnen, Herr Fritsch, wegfiel.
    Ich verfolge und empfehle Ihre Presseschau mittlerweile seit mehreren Jahren, habe jedoch in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, das Sie ob des ganzen Life-Bloggings, Twitterns u.ä. Ihre Kernkompetenz - das gute und unterhaltsame Zusammenfassen der Presseartikel - etwas vernachlässigt haben.
    Ich wollte eine konstruktive Kritik äußern, mehr nicht. Unfein finde ich es, Herr Jokus, das Sie mich kurzerhand in eine Reihe mit Hooligans stellen, doch ich werde mich darüber nicht aufregen: Sagt es doch mehr über Sie - Jokus - als über mich...

    Mit freundlichen Grüßen
    Günther Seeler

  3. Lieber Herr Fritsch, Lieber Jokus,

    ich bestand auf das "prinzipiell", weil es für mich einen anderen Eindruck vermittelt, als: "Wir geben hier keinen Treueschwur ab". Das eine heißt, wir sind uns unsicher und geben keinen Treueschwur ab, das andere heißt, man kann im Fußball niemals eine 100% (prinzipielle) Zusage geben. Nun bin ich ein Fan von Werder Bremen und insofern vielleicht etwas erbsenzählerisch. Mir ging es nur darum, das in allen anderen Zeitungen (online), die ich gelesen habe, dieses "prinzipiell" nicht unter den Tisch fiel. Insofern war ich halt verwundert, als es bei Ihnen, Herr Fritsch, wegfiel.
    Ich verfolge und empfehle Ihre Presseschau mittlerweile seit mehreren Jahren, habe jedoch in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, das Sie ob des ganzen Life-Bloggings, Twitterns u.ä. Ihre Kernkompetenz - das gute und unterhaltsame Zusammenfassen der Presseartikel - etwas vernachlässigt haben.
    Ich wollte eine konstruktive Kritik äußern, mehr nicht. Unfein finde ich es, Herr Jokus, das Sie mich kurzerhand in eine Reihe mit Hooligans stellen, doch ich werde mich darüber nicht aufregen: Sagt es doch mehr über Sie - Jokus - als über mich...

    Mit freundlichen Grüßen
    Günther Seeler

    Antwort auf "Wortlaut variiert"
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    • jokus1
    • 11.02.2009 um 18:41 Uhr

    Lieber Herr Seeler, ich wollte Sie nicht mit Hooligans auf eine Stufe stellen und es tut mir leid, wenn dieser Eindruck entstanden ist (und dies nicht weil auch ich Werder Fan bin). Mir ging es um die m.E. kleinkarierte Kritik an einem sachlich hoch kompetenten, kritischen und höchst ehrlichen Service, wie "Indirekter Freistos", der zudem noch völlig unentgeltlich ins Haus kommt (und jederzeit abbestellbar ist). Da wird anderswo für viel Geld viel Schlimmeres erzählt und geschrieben (s. Bild). Nicht nur deshalb sind Wortklaubereien bei einem neutralen Beobachter wie Herrn Fritsch nicht angebracht.
    Möge Werder wieder zu altem Glanz zurückkehren - und Thomas Schaf der ruhende Pol bleiben!

    • jokus1
    • 11.02.2009 um 18:41 Uhr

    Lieber Herr Seeler, ich wollte Sie nicht mit Hooligans auf eine Stufe stellen und es tut mir leid, wenn dieser Eindruck entstanden ist (und dies nicht weil auch ich Werder Fan bin). Mir ging es um die m.E. kleinkarierte Kritik an einem sachlich hoch kompetenten, kritischen und höchst ehrlichen Service, wie "Indirekter Freistos", der zudem noch völlig unentgeltlich ins Haus kommt (und jederzeit abbestellbar ist). Da wird anderswo für viel Geld viel Schlimmeres erzählt und geschrieben (s. Bild). Nicht nur deshalb sind Wortklaubereien bei einem neutralen Beobachter wie Herrn Fritsch nicht angebracht.
    Möge Werder wieder zu altem Glanz zurückkehren - und Thomas Schaf der ruhende Pol bleiben!

    • jokus1
    • 11.02.2009 um 18:41 Uhr

    Lieber Herr Seeler, ich wollte Sie nicht mit Hooligans auf eine Stufe stellen und es tut mir leid, wenn dieser Eindruck entstanden ist (und dies nicht weil auch ich Werder Fan bin). Mir ging es um die m.E. kleinkarierte Kritik an einem sachlich hoch kompetenten, kritischen und höchst ehrlichen Service, wie "Indirekter Freistos", der zudem noch völlig unentgeltlich ins Haus kommt (und jederzeit abbestellbar ist). Da wird anderswo für viel Geld viel Schlimmeres erzählt und geschrieben (s. Bild). Nicht nur deshalb sind Wortklaubereien bei einem neutralen Beobachter wie Herrn Fritsch nicht angebracht.
    Möge Werder wieder zu altem Glanz zurückkehren - und Thomas Schaf der ruhende Pol bleiben!

  4. Redaktion

    Lieber Herr Seeler, wenn ich das Zitat verkürzt hätte, um es gegen Allofs zu wenden, hätten Sie recht mit Ihrer Kritik. Aber ich schreibe ja sinngemäß, dass es nicht das bedeutet, was es zu bedeuten scheint.

    Und über den freistoss unterhalten wir uns besser an einer anderen Stelle.

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