Schaeffler/Conti Verzweifelter Hilferuf an die Politik

Die Lage bei Schaeffler spitzt sich zu: Die Eigentümer wollen Teile des Unternehmens verkaufen und so die Chance auf Staatshilfen erhöhen. Sonst droht die Zerschlagung

Es muss wirklich schlimm stehen um den Autozulieferer Schaeffler. Seit die Wirtschaftskrise das enorme Risiko offenbart hat, dass die fränkische Unternehmensgruppe bei der Übernahme von Continental eingegangen ist, hatte die Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler vieles versucht, um das Unternehmen zu retten, eines aber ausgeschlossen: eine Beteiligung Dritter am eigenen Unternehmen. Nun fällt auch dieses Tabu. Erstmals bietet Schaeffler an, Teile des Familienunternehmens zu verkaufen, um die massiven Schulden zu reduzieren – und bittet den Staat zugleich erneut um Hilfe.

Der kleinlaute Ton, in der die Mitteilung verfasst ist, legt nahe, in welchen Schwierigkeiten das Unternehmen mittlerweile steckt. Mindestens zehn Milliarden Euro Schulden hat Schaeffler bei der Übernahme von Continental angehäuft. Auf Continental lasten weitere rund 12 Milliarden Schulden aus der Übernahme des Autozulieferers VDO.

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Damit wird die Übernahme von Continental zunehmend zu einer untragbaren Bürde für Schaeffler. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte sich das fränkische Unternehmen listig den Zugriff auf einen großen Teil des Conti-Kapitals erschlichen. Später bot das Unternehmen den Aktionären 75 Euro pro Aktie. Der Plan schien zunächst aufzugehen. 60 Prozent der Aktionäre gingen auf das Angebot ein, die Übernahme wurde als perfekter Coup gefeiert.

Dann aber kam der Tag des 15. September 2008, an dem die Investmentbank Lehman Pleite ging. Die Anleger wurden nervös und stießen in Panik Conti-Papiere ab. Am Ende musste Schaeffler 90 Prozent der Anteile zu einem Preis von 75 Euro kaufen – während der Kurs der Aktie unter 20 Euro rutschte.

Seitdem steht Schaffler unter massivem Druck. Die Banken, die in die Übernahme finanziert haben – darunter die Dresdner Bank, die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland – halten sich selbst nur mit Staatshilfen über Wasser und bangen um ihre Kredite. Hinzu kommt, dass der Absatz des Unternehmens im Zuge der Autokrise massiv einbricht. Man stecke in "massiven Schwierigkeiten“, heißt es von Schaeffler.

Freimütig räumen die Familieneigner nun auch ein, was in Finanzkreisen lange vermutet wurde: dass die Suche nach Investoren, die sich an der Not leidenden Unternehmensgruppe beteiligen sollen, bislang erfolglos geblieben ist. "Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und der belastenden öffentlichen Diskussion" sei es bisher "trotz einer aktiven Suche nicht gelungen, Investoren zu finden", heißt es in der jüngsten Erklärung.

Leser-Kommentare
  1. "Spitzt sich die Lage aber weiter zu, haben die Franken ein starkes Argument in der Hinterhand: Rund 200.000 Mitarbeiter beschäftigen Schaeffler und Continental zusammen."

    Tja, was soll der Staat sonst machen bei 200.000 Geiseln als zahlen?

    Nur dumm, dass diese Erpressungsversuche keineswegs immer Arbeitsplätze retten. Die Fusion von Commerzbank und Dresdener Bank, die der Staat mit Steuergeldern letztlich ermöglicht hat, wird ebenfalls Tausende von Arbeitsplätzen kosten.

  2. Sollte der Staat sich darauf einlassen auch schwächelnden Unternehmen finanziell unter die Arme zu greifen, dann erleben wir ziemlich bald die Staatspleite und eine Währungsreform.

    Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist nicht mehr zu retten. Er ähnelt leider mehr und mehr dem Staatskapitalismus nach Prägung der DDR.

    Ich hoffe man besinnt sich weltweit auf eine bessere und gerechtere Finanzordnung die die Scheere zwischen den Ländern und den Menschen in diesen Ländern wieder zu schließen vermag. Wo sind die klugen Köpfe mit Vorschlägen?

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    * Staatspleite wird es nicht geben, DE gehört zu den sichersten Länder (http://bespokeinvest.type...)
    * Währungsreform liegt nicht in der Macht von Deutschland sondern wird auf EU Stufe verhandelt. Hier wird sich wenig ändern, da es zu viele unterschiedliche Interessen gibt (DE vs. Italien).

    * Kapitalismus vs. DDR: Dafür kenne ich die DDR zu wenig.

    * Scheere zwischen Arm-Reich ist so alt wie der Mensch.

    Meine Vorschläge (und meiner Meinung nach das Grundproblem):
    - Aktionäre müssen obligatorisch über Boni und Löhne abstimmen
    - Derivate sind wichtig, dürfen aber nur noch an einem Tag in der Woche gehandelt werden (no intraday trading), das Volumen der Derivate darf nur noch das 5-fache des Underlyings Handelsvolumen betragen.
    - Bilanzwert von Portfolios soll der Quarterly-Moving-Avarage sein und nicht der Tageskurs
    - Produkte/Services dürfen pro Stück nur noch Margen von Maximal 25% haben
    - Marketing muss eingeschränkt werden Branchenspezifisch und die Innovation (F+E) gestärkt werden
    - Verbraucherschutz muss und soll aggresiv gesteigert werden (Produkte Qualität)
    - DE Qualitätslabel einführen für Import-Ware welche die gleichen Standards (Work-Ethics, Umweltschutz, Klima etc.) erfüllen. Straf-Zoll für Import-Ware welche die hiesigen Standards nicht erfüllen.
    - TV Unterhaltung verbieten

    * Staatspleite wird es nicht geben, DE gehört zu den sichersten Länder (http://bespokeinvest.type...)
    * Währungsreform liegt nicht in der Macht von Deutschland sondern wird auf EU Stufe verhandelt. Hier wird sich wenig ändern, da es zu viele unterschiedliche Interessen gibt (DE vs. Italien).

    * Kapitalismus vs. DDR: Dafür kenne ich die DDR zu wenig.

    * Scheere zwischen Arm-Reich ist so alt wie der Mensch.

    Meine Vorschläge (und meiner Meinung nach das Grundproblem):
    - Aktionäre müssen obligatorisch über Boni und Löhne abstimmen
    - Derivate sind wichtig, dürfen aber nur noch an einem Tag in der Woche gehandelt werden (no intraday trading), das Volumen der Derivate darf nur noch das 5-fache des Underlyings Handelsvolumen betragen.
    - Bilanzwert von Portfolios soll der Quarterly-Moving-Avarage sein und nicht der Tageskurs
    - Produkte/Services dürfen pro Stück nur noch Margen von Maximal 25% haben
    - Marketing muss eingeschränkt werden Branchenspezifisch und die Innovation (F+E) gestärkt werden
    - Verbraucherschutz muss und soll aggresiv gesteigert werden (Produkte Qualität)
    - DE Qualitätslabel einführen für Import-Ware welche die gleichen Standards (Work-Ethics, Umweltschutz, Klima etc.) erfüllen. Straf-Zoll für Import-Ware welche die hiesigen Standards nicht erfüllen.
    - TV Unterhaltung verbieten

  3. Der Staat kann, weil es eine globale Marke ist, hier Kapital einschiessen aber nur wenn er beteilligt wird - als Aktionär.
    Das Ziel muss sein durch diese Kaptialerhöhung (zwecks Schuldenfinanzierung) den Konzern komfortabel durch die Krise zu bringen.
    Als wichtiger Aktionär hat der Staat ein Anrecht auf Einsitz im Vorstand und Verwaltungsrat.

  4. Es geht nicht an, dass jemand eine feindliche Übernahme auf Kredit durchführt und dann nach dem Staat ruft, wenn es schief geht.
    Wer Ende 2007 Aktien auf Kredit gekauft hat, ist heute in derselben Situation wie Fr. Scheffler. Es gibt keine Sicherheiten mehr. Die Banken wollen ihr Geld zurück.
    Für einen Einkauf in andere Firmen braucht man eben auch das nötige Eigenkapital, sonst geht man Pleite. So einfach ist das. Für solche Fehlinvestitionen ist der Staat nicht zuständig.

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    Seh ich grundsätzlich genauso. Es sei denn der Staat erhält für sein Geld entsprechend Anteile am Unternehmen, natürlich nach aktuellem Kurs. Nur dann ist Schaeffler bestimmt nicht mehr interessiert :)
    Die Frage ist nur, was passiert, wenn der Staat solche Unternehmen pleite gehen lässt. Zum einen hätten wir dann eine enorm ansteigende Arbeitslosenquote und zum anderen würden dann im Aufschwung möglicherweise die Kapazitäten fehlen.

    Seh ich grundsätzlich genauso. Es sei denn der Staat erhält für sein Geld entsprechend Anteile am Unternehmen, natürlich nach aktuellem Kurs. Nur dann ist Schaeffler bestimmt nicht mehr interessiert :)
    Die Frage ist nur, was passiert, wenn der Staat solche Unternehmen pleite gehen lässt. Zum einen hätten wir dann eine enorm ansteigende Arbeitslosenquote und zum anderen würden dann im Aufschwung möglicherweise die Kapazitäten fehlen.

  5. * Staatspleite wird es nicht geben, DE gehört zu den sichersten Länder (http://bespokeinvest.type...)
    * Währungsreform liegt nicht in der Macht von Deutschland sondern wird auf EU Stufe verhandelt. Hier wird sich wenig ändern, da es zu viele unterschiedliche Interessen gibt (DE vs. Italien).

    * Kapitalismus vs. DDR: Dafür kenne ich die DDR zu wenig.

    * Scheere zwischen Arm-Reich ist so alt wie der Mensch.

    Meine Vorschläge (und meiner Meinung nach das Grundproblem):
    - Aktionäre müssen obligatorisch über Boni und Löhne abstimmen
    - Derivate sind wichtig, dürfen aber nur noch an einem Tag in der Woche gehandelt werden (no intraday trading), das Volumen der Derivate darf nur noch das 5-fache des Underlyings Handelsvolumen betragen.
    - Bilanzwert von Portfolios soll der Quarterly-Moving-Avarage sein und nicht der Tageskurs
    - Produkte/Services dürfen pro Stück nur noch Margen von Maximal 25% haben
    - Marketing muss eingeschränkt werden Branchenspezifisch und die Innovation (F+E) gestärkt werden
    - Verbraucherschutz muss und soll aggresiv gesteigert werden (Produkte Qualität)
    - DE Qualitätslabel einführen für Import-Ware welche die gleichen Standards (Work-Ethics, Umweltschutz, Klima etc.) erfüllen. Straf-Zoll für Import-Ware welche die hiesigen Standards nicht erfüllen.
    - TV Unterhaltung verbieten

  6. Seh ich grundsätzlich genauso. Es sei denn der Staat erhält für sein Geld entsprechend Anteile am Unternehmen, natürlich nach aktuellem Kurs. Nur dann ist Schaeffler bestimmt nicht mehr interessiert :)
    Die Frage ist nur, was passiert, wenn der Staat solche Unternehmen pleite gehen lässt. Zum einen hätten wir dann eine enorm ansteigende Arbeitslosenquote und zum anderen würden dann im Aufschwung möglicherweise die Kapazitäten fehlen.

  7. Die Übernahme von Conti entsprach, sie war legal, nicht dem Geist der entsprechenden Gesetze. Gesetzeslücken wurden brutal und wohl auch aus Gier ausgenutzt. Vielleicht sind die Schaefflers auch von ihren Beratern, denen auch eigene Interessen unterstellt werden können, schlecht beraten worden.

    Der Konzern gehört per sofort unter Staatsaufsicht, in enger Kooperation mit den Großbanken und den Systemkunden des Konzerns, die auf die Technologie von Conti und Schaeffler weiter angewiesen sind, um ihre Autos zu bauen! Die außergewöhnliche Lage macht besondere, situationsgerechte staatliches Handeln erforderlich!

    Fast jeder Bürger weiß, daß sich Börsenkurse noch oben und nach unten entwickeln können. Die beiden Schaefflers sind sehenden Auges ein bedeutendes Risiko eingegangen, daß jetzt offensichtlich nicht mehr beherrschen. Sie haben wohl nie Monopoly gespielt! Sie haben verloren. Da gibt es kaum was zu retten, für die beiden Schaefflers!

  8. Dieser Satz .... Im Sommer des vergangenen Jahres hatte sich das fränkische Unternehmen listig den Zugriff auf einen großen Teil des Conti-Kapitals erschlichen. ....

    Eigentlich ist damit alles gesagt. Wer hatte da was von Monopoly erwähnt? Die Schaefflers haben Monopoly gespielt und verloren. Wenn der Staat einspringt, dann ist es mit Aktien nicht getan. Die Schaefflers müssen ihren Platz räumen. Sie haben ja schließlich diese Situation geschaffen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

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