Djerba-Prozess Angeklagter Deutscher beteuert seine Unschuld
Christian Ganczarski plädiert auf "nicht schuldig". Der zum Islam konvertierte Deutsche soll Mitwisser des Bombenattentats auf der Insel Djerba gewesen sein

© Boris Horvat/AFP/Getty Images
Zum Bombenattentat auf der Ferieninsel Djerba werden die Urteile erwartet. Einem zum Islam konvertierten Deutschen drohen bis zu 30 Jahre Haft.
Knapp sieben Jahre nach dem Terroranschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba muss sich der 1986 zum Islam konvertierte Duisburger Christian Ganczarski in Paris vor Gericht verantworten. Der als al-Qaida-Mitglied und als Komplize des Selbstmordattentäters Nizar Nawar angeklagte Deutsche hat in seinem Schlusswort vor Gericht jedoch erneut jede Beteiligung an Terrorplänen zurückgewiesen. "Ich habe niemals von einem Attentat gewusst." Seine Afghanistan-Reisen hätten nichts mit irgendwelchen Anschlagsplanungen zu tun gehabt. Er habe weder das Attentat auf der Ferieninsel Djerba noch ähnliche Taten jemals befürwortet.
Für die französische Generalstaatsanwaltschaft ist der Fall des Deutschen dagegen eine klare Sache. Ohne Zweifel sei der Informatik- und Funk-Experte ein hochrangiges Mitglied der Terrorgruppe al-Qaida gewesen und ohne Zweifel habe er 2002 das Selbstmordattentat auf Djerba unterstützt. Am Ende seines sechsstündigen Plädoyer forderte Chefankläger Christophe Teissier 30 Jahre Haft für Ganczarski.
Dieser bezeichnete die Strafforderung in seinen Schlussworten als "unglaublich". Die Staatsanwaltschaft mache sich keine Gedanken darüber, wie es sei, wenn ein Unschuldiger mit 30 Jahren Haft konfrontiert werde. Aber dies sei ja egal, sagte Ganczarski. "Es geht ja nur um einen Muslim, der noch dazu Osama bin Laden kennt."
Als Belege für die Beteiligung des Deutschen wertet die Staatsanwaltschaft die zahlreichen Reisen des heute 42-Jährigen nach Afghanistan, bei denen er neben Osama bin Laden zahlreiche andere hochrangige Mitglieder des Terrornetzwerks sowie den Attentäter Nawar traf. Kurz vor dem Anschlag hatte Ganczarski zudem einen Anruf von Nawar erhalten. Dieser bat ihn "um göttlichen Segen". Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollte der Attentäter damit von Ganczarski grünes Licht für die Tat erhalten, das ihm dieser gewährte. "Ganczarski hat bei bin Laden gewohnt. Er war voll in das al-Qaida-Netzwerk integriert", behauptete der Generalstaatsanwalt während seines Plädoyers.
Auch die deutsche Justiz hatte das abgehörte Gespräch ebenfalls ausgewertet und Ganczarski vernommen. Sie sah jedoch keine hinreichenden Beweise für eine Mitwisserschaft des Familienvaters. Ein Versuch, ihn wenigstens durch den vergleichsweise harmlosen Vorwurf der "Nichtanzeige geplanter Straftaten" in Haft zu nehmen, scheiterte am Nein des Bundesgerichtshof.
- Datum 08.04.2009 - 09:24 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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