Tod der Komapatientin Berlusconi schürt Streit um Sterbehilfe

Im Streit um den Tod Englaros hat der italienische Regierungschef schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten erhoben: Napolitano hätte ihr Sterben verhindern müssen

Die nun verstorbene Eluana Englaro: Vor ihrem Tod lag die 38-Jährige 17 Jahre lang im Wachkoma

Die nun verstorbene Eluana Englaro: Vor ihrem Tod lag die 38-Jährige 17 Jahre lang im Wachkoma

"Eluana starb keines natürlichen Todes, sie wurde getötet", sagte Berlusconi der Zeitung Libero am Dienstag. Die nach einem Unfall vor 17 Jahren ins Koma gefallene Frau war am Montag gestorben, nachdem die Ärzte am Freitag die künstliche Ernährung eingestellt hatten.

Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte sich geweigert, ein Dekret zu unterzeichnen mit dem Berlusconi die Mediziner zur Wiederaufnahme lebenserhaltender Maßnahmen zwingen wollte. Dem kam jedoch der Tod Englaros zuvor. "Napolitano beging einen schweren Fehler“, zitierte eine andere Zeitung den Regierungschef.

Allgemein war davon ausgegangen worden, dass die Frau mehrere Wochen weiterleben würde. Englaros Vater hatte in einem zehn Jahre währenden Kampf durchgesetzt, dass die künstliche Ernährung seiner Tochter gestoppt wurde.

Der Fall hat in Italien eine Debatte über das Recht auf Sterben ausgelöst. Für Berlusconi und seine Anhänger kommt der Tod der jungen Frau der verbotenen Euthanasie gleich. Vor der Klinik in Udine, in der Englaro am Montagabend starb, harrten Gläubige die Nacht über aus und beteten für die Patientin.

Die linke Tageszeitung L'Unita erschien am Dienstag mit einer eingeschwärzten Titelseite und der Schlagzeile "Ruhe in Frieden". Konservative und gemäßigte Linke warfen einander vor, Kapital aus dem langen Leiden Englaros ziehen zu wollen. Vertreter der Opposition argwöhnen, dass die katholische Kirche Berlusconis Haltung beeinflusst habe.

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Die Regierung Berlusconi plant  jetzt ein Gesetz zur Patientenverfügung. Anstelle des allein auf den "Fall Eluana" zugeschnittenen Eilgesetzes wolle die Regierung in den kommenden zwei Wochen ein Gesetz über Patientenverfügungen vorbereiten, teilte Gesundheitsminister Maurizio Sacconi am Dienstag mit. Dabei gehe es insbesondere darum, Fälle wie den der 38-Jährigen in Zukunft zu verhindern.

Eluana war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter stoppen zu dürfen. Im vergangenen November hatte dann das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Frau eingestellt werden könne.

 
Leser-Kommentare
  1. der Götteranbeter mal wieder von ihrer gewohnten Seite: Kein Leid ist so gross, als dass es nicht im Namen Jenseitiger Mächte verlängert würde, das nennen die religiösen Präanthropoiden dann "Menschenwürde".
    Nutzloses Leid zu verhindern ist natürlich das Werk Satans.
    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
    ______

  2. ... zu sprechen, wenn es sich wie in diesem Fall um einen Koma-Patienten handelt, der nicht wieder erwachen wird. Dass dies mindestens zwei Ärzte bestätigen müssen versteht sich von selbst. Auch in Deutschland ist dieses Thema noch nicht abschließend behandelt.

    Wie ist das mit dem Satz > Die Würde des Menschen ist unantastbar?

    Einen unheilbar kranken Menschen dahinsiechen lassen ist würdevoll? Jeder Mensch muss das Recht haben über seinen Körper selbst bestimmen zu können und wenn er festgelegt hat, dass in einem solchen Fall keine lebenserhaltenden Maßnahmen durchgeführt werden sollen, dann muss diesem Wunsch Rechnung getragen werden.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  3. die katholische Kirche, in einigen gewichtigen Dingen, wie diesem hier.
    Jesus hat nie etwas davon gesagt, ob man nun verhüten darf oder nicht, ob man abtreiben darf, oder nicht - das gab es bei ihm nicht. Und den Armen Samariter nur mal so in einem Gasthaus abzugeben - das ist doch ein himmelweiter Unterschied dahin, jemandem in diesem Zustand und dieser Prognose mit aller möglichen "Hightech" nicht zum sterben kommen zu lassen.
    Dann richten wir uns aber wieder am mittelalterlichen Kirchenrecht aus, und schaffen es nicht, einem Holocaust-Leugner auch klar und rechtzeitig die Tür zu zeigen...

    Und das alles im Namen Jesu Christi...

  4. Meine Meinung über italienische Politik war ja noch nie sonderlich groß, aber das ist wirklich der Gipfel der Schamlosigkeit und Perversion.

    Um was geht es hier eigentlich? Ich finde es ja auch toll, dass die Medizin es geschafft hat, Menschen, die vor ein paar Jahrzehnten noch an einem einfachen Keuchhusten zu sterben drohten, heute am Leben zu erhalten in der Lage ist.

    Aber moderne Medizin, die irgendwann das Sterben unmöglich macht, ohne dass jemand selbst aus eigener Kraft noch lebensfähig wäre und somit für den Rest seines erbärmlichen Daseins an Maschinen gefesselt ist, dass hat der Liebe Gott mit Sicherheit nicht beabsichtigt.

    Wer nach dem Drama um den Hollocaust-Leugner Williamsan darüber nachgedacht hat, aus der katholischen Kirche auszutreten und noch zögerlich war, sollte spätestens jetzt handeln. Und um Berlosconi-Land solange einen Bogen machen, bis dieser Wahnsinnige endlich sein Amt niederlegt.

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    • L
    • 11.02.2009 um 11:54 Uhr

    Wir sind kein Berlusconi Land, sondern ein Land, das heutzutage viele innere dramatische Klufte lebt...und wie leiden auch die unmoralische und gesetzwidrige Macht des Vatikans, das Italien nicht als konfessionslos und unabhängige Staat akzeptieren will.
    Aber bei uns gibt viele, die gegen Berlusconi und Vatikan und die zahlreiche andere Probleme von Italien sind. Aber ein Land absperren, sie moralisch und praktisch weglassen: was für einen Rat sollte das sein? Das kann mit Sicherheit nur die Lage verschlechtern...und man sollte sich außerdem auch erinneren, dass unsere Problemen, hier in Italien, sind nicht so anders als die Problemen die alle andere Ländern haben (leider oft noch schwer/ernsthaft). Ich habe schon in einige Kommentare von "Maginot Linien zwischen uns und Italien" oder hier ein Bogen um uns machen..immer ist ein Leiden solche Zynismus lesen, genauso wie ein Leiden ist, die Aussagen von einige italienische Politiker über Immigranten hören...

    • L
    • 11.02.2009 um 11:54 Uhr

    Wir sind kein Berlusconi Land, sondern ein Land, das heutzutage viele innere dramatische Klufte lebt...und wie leiden auch die unmoralische und gesetzwidrige Macht des Vatikans, das Italien nicht als konfessionslos und unabhängige Staat akzeptieren will.
    Aber bei uns gibt viele, die gegen Berlusconi und Vatikan und die zahlreiche andere Probleme von Italien sind. Aber ein Land absperren, sie moralisch und praktisch weglassen: was für einen Rat sollte das sein? Das kann mit Sicherheit nur die Lage verschlechtern...und man sollte sich außerdem auch erinneren, dass unsere Problemen, hier in Italien, sind nicht so anders als die Problemen die alle andere Ländern haben (leider oft noch schwer/ernsthaft). Ich habe schon in einige Kommentare von "Maginot Linien zwischen uns und Italien" oder hier ein Bogen um uns machen..immer ist ein Leiden solche Zynismus lesen, genauso wie ein Leiden ist, die Aussagen von einige italienische Politiker über Immigranten hören...

  5. ...hat es nötig, sich aufzuregen... na ja, er mordet ja auch nicht...
    er versteht mehr was von "Rufmord" in seinen Medien und das ist ja
    nicht so schlimm...

    Das ganze scheinheilige Getue geht einem auf die Nerven....
    Hier regt man sich auf und junge Leute schickt man in jeden Krieg,
    wenn er der Regierung nutzt - dort werden dann zivile Leute umgebracht...
    nein, stimmt nicht, sie wurden nicht umgebracht, es waren zivile Opfer unter den Toten.....

    Oh, du scheinheilige Welt....

    • nerone
    • 11.02.2009 um 11:21 Uhr

    Wenn man das unwürdige Spiel der italienischen Politik, der Medien und interessierter Gruppen beobachten muss die sich um den Fall der Eluana Enlargo episch/epidemisch ausbreitete, in dem eine durchaus notwendige Debatte einer Gesellschaft um das Recht auf die eigene Sterblichkeit gräuliche Stilblüten hervorbringt und das persönliche Leid instrumentalisiert wird - für die eine, wie die andere Seite, muss man an der Kompetenz der Führung des Landes zweifeln.
    Am Tage ihres Todes bricht der Sturm katholisch/italienischer Rage vollends los und Politiker des Parlaments erdreisten sich nicht vom Tode, sondern dem Mord an Eluana zu sprechen, der Opposition und damit allen Befürwortern eines selbstbestimmten Lebens (sic) und letztlich auch den verfassungsgemässen Institutionen (Kassazionsgericht, Staatspresident) ein mehrstimmiges "Mörder, Mörder" an den Kopf zuwerfen und die Ärzte, die die junge Frau begleitet haben als Todesärzte zu betiteln.

    Ich bin entsetzt von dem Zustand der italienischen Gesellschaft, die in Abwesenheit einer verantwortlichen politischen Elite das Maß und seine Würde verliert und dabei zunehmend in politisierte Lager zerbricht. Es ist eine Ära der Schwarz-Weiß-Malerei, des Gut-und-Böse die von Verantwortlichen angeheizt an den Grundfesten politischer Vernunft zerrt und damit auch demokratische Prinzipien gefährdet. Der Versuch der Regierung die Entscheidung des Saatspräsidenten per Dekret auszuhebeln und die Verfassung zu ändern ist ein schwerer Angriff auf das Amt des Präsidenten und die Verfassung. Die Regierenden nehemn billigend in Kauf, dass die Achtung vor dieser Institution irreparablen Schaden nimmt. Die letzte wie mir im Übrigen schien, die noch einen über die politische Positionen hinweg Rückhalt in der Bevölkerung genoß.

    Zu Berlusconi bleibt zu sagen, dass er eine politische Lösung für das eigentliche Problem schon in den Jahren zuvor eine Lösung hätte suchen sollen. Aneine gesetzliche Lösung eines biologischen-Testaments, wie es in Italien genannt wird, also einer Patientenverfügung hatte er aber niemals auf der Agenda. Stattdessen schaltete er sich erst letzten Freitag ein und schiebt dem Staatspräsidenten ein verfassungswidriges Dekret unter, welches dieser nur ablehen kann. Das ist berechnend und gefährlich, aber sicherlich nicht moralisch motiviert. Berlusconi hat das Leid und die Anteilnahme seiner Bevölkerung genutzt um einen politische Vorteile zu erringen. Sie bestehen in der Beschädigung der Institutionen Staatspresident und Gericht (zu denen er ein sehr schelchtes Verhältnis hat, wie wir wissen), ferner kann er mit Hilfe seiner demagogischen Hetzte gegen Linke und Liberale, gegen jegliche Opposition eigentlich den rethorischen Hammer der unmenschlichen Kommunisten schwingen und die katholische Kirche liefert ihm außerdem Argumente - wahrscheinlich sogar von der Kanzel.

    Vom Psychozwerg (Beppe Grillo über Berlusconi), vom belächelten Staatsmännchen kann hier nicht die Rede sein. Ich halte den Mann für gefährlich, auch weil sein Einfluss auf die Medien enorm ist und er zum eigenen Nutzen in der Lage ist Öl ins Feuer einer Gesellschaft zu kippen, die weit auseinanderdriftet.

    • L
    • 11.02.2009 um 11:54 Uhr

    Wir sind kein Berlusconi Land, sondern ein Land, das heutzutage viele innere dramatische Klufte lebt...und wie leiden auch die unmoralische und gesetzwidrige Macht des Vatikans, das Italien nicht als konfessionslos und unabhängige Staat akzeptieren will.
    Aber bei uns gibt viele, die gegen Berlusconi und Vatikan und die zahlreiche andere Probleme von Italien sind. Aber ein Land absperren, sie moralisch und praktisch weglassen: was für einen Rat sollte das sein? Das kann mit Sicherheit nur die Lage verschlechtern...und man sollte sich außerdem auch erinneren, dass unsere Problemen, hier in Italien, sind nicht so anders als die Problemen die alle andere Ländern haben (leider oft noch schwer/ernsthaft). Ich habe schon in einige Kommentare von "Maginot Linien zwischen uns und Italien" oder hier ein Bogen um uns machen..immer ist ein Leiden solche Zynismus lesen, genauso wie ein Leiden ist, die Aussagen von einige italienische Politiker über Immigranten hören...

    • nerone
    • 11.02.2009 um 12:23 Uhr

    Ich sehe auch viel eher die Notwendigkeit nicht mehr wegzuducken, wenn Berlusconi Kuckuck spielt, wie zu Besuch der Bundeskanzlerin in Triest im letzten Jahr, sondern seine Bewegung und Äußerungen endlich für bahre Münze zu nehmen. Es ist wie "L" sagt eine stark zerrissene Gesellschaft, die von ihrer Führung nicht gelenkt, sondern eher hin und her geschupst wird.

    Es gibt auch eine bürgerliche Bewegung, die eine außerparlamentarische Strategie verfolgt und vornehmlich im Netz unterwegs ist. Beppe Grillo ist ein Begriff; vielleicht hier weniger bekannt ist Marco Travaglio ein Gerichtsjournalist, der sowohl die Gerichtsverfahren von Berlusconi im Blick hat, als auch verschiedene Gesetzesinititiven der Regierung, die darauf abzielen den Bewegungsspielraum der Staatsanwaltschaft und der Gerichte einzuschränken. Da Parlament und Senat fest im Griff der PdL (Berlusconi) und deren Verbündete ist dies eine wertvolle Informationsquelle um hinter die Kulissen zu schauen. In ANNOZERO einer Talkshow (umstritten wie vieles im Fersehen in Italien) sind Travaglio die ersten zehn Minuten eingeräumt um die aktuellen Bewegungen der Politik zu bewerten und im Anschluss bleibt er als ständiger Gast im Forum der Sendung sitzen. Das ganze in der RAI, was hoffen lässt, dass ein Minimum an Ausgleich in den Medien gewahrt wird.

    Und es gibt ganz erstaunliche Persönlichkeiten, wie den Herrn Fini, der der geläuterten (?) ehemaligen faschistischen Partei angehört, der in diesen Tage sich gegen eine Demontage des Staatspräsidenten aussprach, sofern ich das richtig verstanden habe. Er tritt eher auf, wie ein liberaler Politiker und Demokrat. Seine Rolle in der schwierigen Frage der Einwanderung habe ich allerdings nicht verfolgt.

    Also: "L" hat recht - Italien ist nicht Berlusconiland. Und von außen sollte man es auch nicht als solches betrachten. Man sollte viel her darauf achten, dass Berlusconi nicht einen irreversiblen Schaden an der italienischen Gesellschaft verursacht und ihn ernst nehmen, auch wenn er seine geistlosen Witzchen macht.

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