EM 2012 Organisatoren setzen auf Berlin statt Kiew
Die Ukraine steckt tief in der Krise - die Organisatoren der EM 2012 arbeiten an einem Notfallplan. Die Hinweise verdichten sich: Leipzig und Berlin müssen aushelfen.

© DIMITAR DILKOFF/AFP/Getty Images
Vielleicht bald wieder ausverkauft: Das Fußballstadion in Leipzig
Es gab Zeiten, da hat der Regierende Bürgermeister von Berlin polnischen Medien jegliche Interviews verweigert. Damals gaben die Zwillinge Kaczynski mit ihrer intoleranten Haltung gegenüber Europa den Ton in Warschau an. Inzwischen bemüht sich Polen um Anschluss an Europa, und Klaus Wowereit trifft sich regelmäßig mit seiner Amtskollegin Hannah Gronkiewicz-Waltz, der Stadtpräsidentin von Warschau, Berlins Partnerstadt. Auch, um über das Projekt zu sprechen, mit dem Polen endgültig in Europa ankommen will. Die Fußballeuropameisterschaft 2012.
Die Vorbereitungen für die EM 2012 sind zäh angelaufen, und der eigentliche Partner der Polen, Co-Gastgeber Ukraine, steht auf der Kippe. Das Land ist politisch zerstritten, die Verwaltung praktisch handlungsunfähig, und die Wirtschaft steht vor dem Bankrott. Die russischen Stundungen für die säumigen Gaszahlungen – als Resultat des heftigen Gasstreits in diesem Winter - halten den Alltag aufrecht. Um die EM nicht zu gefährden, ist Deutschland als Ersatzpartner im Gespräch. Für den Fall, dass die Ukraine als Ausrichter ausfällt, könnten die WM-erfahrenen östlichen Metropolen Berlin und Leipzig einspringen.
Diesen Hinweis gab der polnische Fußballverbandspräsident Grzegorz Lato bereits in einem Interview, das im Herbst 2008 für erhebliche Verstimmungen zwischen Warschau und Kiew sorgte. Seither ist dieser Notfallplan nur noch ein Thema hinter verschlossenen Türen. Aber er wird vorangetrieben.
Auch für das polnische Innenministerium, das an der Lösung der Sicherheitsfrage arbeitet, verlaufen die Gespräche mit der Ukraine nicht nach Plan. Beide Länder haben massive Schwierigkeiten mit Hooligans: "Das größte Problem ist die politische Unsicherheit in der Ukraine. Ein bisschen ist es so, dass wir uns heute mit jemandem unterhalten, und kurze Zeit später jemand anderes zuständig ist, der alles wieder ändert", sagt der stellvertretende Innenminister, Adam Rapacki. Dagegen läuft der fachliche Austausch mit den westlichen Nachbarn zufrieden stellend: "Wir haben schon immer mit den Deutschen sehr gut zusammengearbeitet. Bei der Weltmeisterschaft 2006 waren wir mit etlichen polnischen Polizisten in Deutschland. Und die für die WM zuständigen Sicherheitsleute waren auch schon mehrfach hier in Polen: Auf diesem Niveau wollen wir auch die EM 2012 organisieren."
Auch der Austausch mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) nimmt zu. Deren Geschäftsführer Wolfgang Niersbach hält sich in der Frage einer möglichen deutschen Beteiligung zwar vornehm zurück, aber er bestätigt Gespräche des DFB-Organisationsexperten Horst R. Schmidt in Warschau.
"Außerhalb der Kameras und der Öffentlichkeit findet viel mehr statt, als wir uns vorstellen können", heißt es zum Notfallplan in der deutsch-polnischen Handelskammer. Geschäftsführer Lars Bosse sitzt in der Warschauer Altstadt nur ein paar Meter vom Büro des polnischen Fußballverbandes PZPN entfernt. Vorher saß er in Leipzig, wo er sich als Vorsitzender einer Initiative für die Olympiabewerbung der sächsischen Metropole einsetzte. Bosse sagt, dass zwischen Leipzig und seiner Partnerstadt Krakau längst Gespräche laufen, genauso wie zwischen Berlin und Warschau. Für den Fall, dass der EM-Veranstalter (Uefa) der Ukraine das Austragungsrecht entzieht, könne Deutschland jedoch nur Juniorpartner sein.
- Datum 14.07.2009 - 09:56 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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