Zinspolitik EZB belässt Leitzins bei zwei Prozent
Trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise bleibt der Leitzins im Euro-Raum unverändert. Für März allerdings stellte EZB-Chef Trichet eine weitere Zinssenkung in Aussicht
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, den Leitzins für die Euro-Zone zunächst nicht weiter zu senken. Gleichzeitig stellte sie die Weichen für eine Lockerung ihrer Geldpolitik im kommenden Monat: Für März sei eine Zinssenkung möglich und nicht auszuschließen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt.
Das derzeitige Zinsniveau von zwei Prozent sei keine Grenze und die EZB-Spitze werde bei ihrem nächsten Treffen eine angemessene Entscheidung fällen. Allerdings sei die EZB nie vorab festgelegt. Wie groß der Zinsschritt nach unten im März ausfallen könnte, ließ sich Trichet bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung nicht entlocken. Ihm sei aber bewusst, dass an den Finanzmärkten derzeit davon ausgegangen werde, dass die EZB den Leitzins dann um weitere 50 Basispunkte zurücknehmen werde. Einige Analysten und Händler interpretierten diese Aussage als versteckten Hinweis auf den Umfang des nächsten Zinsschritts.
Eine Null-Zinspolitik wie etwa in Japan oder den USA ist aus Trichets Sicht derzeit nicht angemessen. Die Notenbanken in Washington und Tokio haben ihre Zinsen bereits auf nahe Null gesenkt. Donnerstagmittag hat die Bank of England den Leitzins für Großbritannien wie erwartet um 50 Basispunkte auf das historische Tief von 1,0 Prozent gekappt. Die EZB hingegen legt auf ihrem Zinssenkungskurs nun eine Pause ein. Seit Oktober hatte sie den Leitzins in mehreren Schritten von 4,25 auf 2,0 Prozent gesenkt.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Zinspause der EZB umgehend scharf kritisiert. "Das ist fahrlässig", sagte ihr Chefvolkswirt Dierk Hirschel. Die Situation an den Finanzmärkten sei noch immer angespannt, während sich die Krise in der Realwirtschaft verschärft habe. "Deshalb wäre es angemessen gewesen, die Zinsen weiter kräftig zu senken - auf ein Prozent".
Auch viele Volkswirte hatten im Vorfeld Zinssenkungen gefordert, um die Kreditvergabe im Euroraum zu stimulieren. Dennoch galt es schon im Vorfeld als sicher, dass die EZB dem nicht nachkommen würde. Auch an der Börse war die aktuelle Entscheidung so erwartet worden. Die Kurse reagierten kaum.
- Datum 06.02.2009 - 11:37 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren