Fußball-Presseschau Hoeneß und Rummenigge im Rücken
Steht Klinsmann unter der Knute seiner Vorgesetzten? Eine Heuschrecke befällt 1860 München. David Beckham ist wieder Fußballer, ein guter sogar. Eine Presseschau
Jürgen Klinsmann arbeitet nicht in dem versprochenen Stil – auf Druck von oben? Michael Neudecker (Berliner Zeitung) greift nochmals Toni Kroos’ Wechsel von München nach Leverkusen auf und stellt erstaunlicherweise nicht nur Klinsmanns Reform, sondern auch seine Autonomie infrage: "Auch mit Klinsmann fehlt den Bayern der Mut, auf Talente zu setzen. Das war schon unter Magath so, noch weitaus ausgeprägter war es unter Hitzfeld – und es hat sich mit Klinsmann nicht geändert. Klinsmann hatte zwar anfangs das Gefühl erzeugt, er würde den Verein umkrempeln. Davon aber war und ist nur wenig zu spüren. Wie auch? Klinsmanns Konzentration muss vordergründig auf dem Alltag liegen, zumal er mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zwei Konservative im Rücken spürt, die ihm weniger Handlungsspielraum lassen als angekündigt."
Lebensechtes Monopoly
Mit Missmut und Skepsis begleiten die deutschen Zeitungen den Einstieg einer Berliner Immobiliengruppe bei 1860 München; die Rede ist von Optionen von bis zu 25 Prozent der Anteile. Die FAZ prophezeit dem Klub ein "hohes Maß an Fremdbestimmung", die SZ höhnt über ein "seltsames Spiel: Monopoly, lebensecht". Das Modell könne Nachahmer finden, warnt die Presse – gerade in unteren Ligen, gerade in Zeiten der Krise. Die DFL solle genau gucken, fordert die SZ: Handelt 1860 noch autonom? Sportdirektor Stefan Reuter ist bereits degradiert worden (und sodann freiwillig gegangen). Ersetzt wird er durch den serbischen Ex-Profi Miroslav Stevic. Diese Personalentscheidung wäre für den Fall ein sportrechtliches Problem, wenn sie Voraussetzung für das Zustandekommen des Vertrags mit den Investoren gewesen wäre.
Ein Kapitalgeber mit Renditeerwartungen krallt sich den Traditionsverein München 60. Der Abendzeitung wird es graus: "1860 öffnet sich für 'Heuschrecken’ – in Deutschland ein bisher einmaliger Vorgang. Ermöglicht hat das ausgerechnet ein Sozi: Vizepräsident Franz Maget wollte der Gruppe schon im April 2008 einen Einstieg bei 1860 erlauben. Damals scheiterte dies am Widerstand des neuen Präsidenten Rainer Beeck. Nun setzte sich der SPD-Boss durch. Weil die finanzielle Situation viel dramatischer ist als bisher bekannt? Als Samariter sollte man die neuen Investoren nicht verstehen. Dem Konsortium geht es um Gewinn – wie allen 'Heuschrecken'."
Lässt sich denn Geld mit diesem Modell verdienen, kann der Klub aufsteigen? Roland Zorn (FAZ) zweifelt sehr daran: "Ob auf Dauer Berliner Geschäftsluft plus ein bisschen serbo-bajuwarisches Lokalkolorit dazu führen werden, die Verbundenheit mit diesem skandalreichen, tatsächlich aber verarmten Profiklub zu stärken, ist fraglich. Millionengaben zum Einstand sind im Profifußball schon durch ein, zwei Fehlinvestitionen auch des gutwilligsten handelnden Investors rasch aufgebraucht."
Wundersame Wiedergeburt
Kehrt David Beckham dauerhaft in den Spitzenfußball zurück? Zunächst von L.A. ausgeliehen, bittet er nun seinen Arbeitgeber darum, ihn nach Mailand zu transferieren. Seine sportliche Leistung spricht sogar dafür, in den jüngsten Wochen hat er maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Tom Mustroph (tageszeitung) berichtet, dass Beckham die skeptischen Italiener überzeugt habe: "Ihm ist, mal wieder, eine wundersame Wiedergeburt gelungen. Er ist aus den hauswandgroßen Werbefotografien herausgestiegen, hat seine Muskulatur erwärmt, die Stutzen hochgezogen und ist wieder zu einem Fußballer geworden, der Spiele entscheiden kann. Er zeigt, dass er über einen goldenen Fuß, ein kämpferisches Herz und einen klugen Kopf verfügt. Nach anfänglichem Spott hat er sich inzwischen Respekt erobert."
- Datum 08.05.2009 - 15:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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