Gaza-Krieg Israel fliegt Vergeltungsangriff

Auch einen Tag vor der mit Spannung erwarteten israelischen Parlamentswahl kommt die Region nicht zur Ruhe: Die Armee hat erneut palästinensische Stellungen angegriffen

Angriff und Gegenangriff: Israelische Kampfbomber zerstörten einen Polizei-Posten, nachdem aus dem Gaza-Streifen am Sonntag eine Rakete auf Südisrael abgefeuert worden war

Angriff und Gegenangriff: Israelische Kampfbomber zerstörten einen Polizei-Posten, nachdem aus dem Gaza-Streifen am Sonntag eine Rakete auf Südisrael abgefeuert worden war

Im Gaza-Streifen ist nach Angaben von Sanitätern ein Palästinenser von einer israelischen Panzergranate getötet worden. Der Beschuss, der vom israelischen Militär zunächst nicht kommentiert wurde, ereignete sich den Angaben zufolge am Montag in der Nähe der Grenzstadt Beit Hanun im Norden des Palästinensergebiets. Zuvor hatten Kampfflugzeuge ein weizteres Ziel in dem schmalen Küstenstreifen angegriffen. Getroffen wurde nach Angaben der Palästinenser ein von der Hamas-Polizei genutztes Gebäude. Verletzte habe es nicht gegeben.

Diesen Angriffen vorangegangen war ein erneuter Beschuss Südisraels mit einer palästinensischen Rakete. Diese hatte am Sonntag in einer Ortschaft südlich von Sderot mehrere Autos beschädigt. Auch bei diesem Angriff sei jedoch niemand verletzt worden.

Anzeige

Israel hatte vor drei Wochen die Militäroffensive "Gegossenes Blei" im Gaza-Streifen beendet. Bei dem dreiwöchigen Einsatz mit dem Ziel, den Raketenbeschuss von Israel zu unterbinden, wurden etwa 1300 Palästinenser getötet und 5500 weitere verletzt. Unmittelbar nach Verkündung des Waffenstillstands hat die Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert neue Militäraktionen angedroht, sollten die Attacken aus dem Gaza-Streifen andauern.

Am Dienstag wählt Israel ein neues Parlament. Rund 4,8 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 120 Abgeordnete für die 18. Knesset zu bestimmen. Dabei liefern sich den letzten Umfragen zufolge mit der rechtsgerichteten Likud und der Regierungspartei Kadima von Außenministerin Zipi Livni die beiden größten israelischen Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Likud hat nur noch zwei Sitze Vorsprung. Der scheidende Ministerpräsident Ehud Olmert rief die Bevölkerung am Sonntag in Jerusalem auf, von ihrem Wahlrecht wegen der vielen "schicksalsträchtigen Themen" Gebrauch zu machen. Die neue Regierung müsse wissen, dass sie eine entscheidende Mehrheit der Bevölkerung hinter sich habe.

Große Unruhe hat sich nach Medienberichten vor allem im Lager von Oppositionsführer Benjamin Netanjahu breitgemacht. Dessen Likud-Partei verliert nach letzten Umfragen immer mehr Stimmen. Netanjahu rief die Wähler auf, nicht in Erwartung eines klaren Wahlsieges des Likud, die Stimme aus taktischen Gründen anderen Parteien des rechten Lagers zu geben. Netanjahu ist es bislang nicht gelungen, den rasanten Aufstieg des politischen Rechtsaußen Avigdor Lieberman von der ultra-nationalen Partei Israel Beitenu (Israel Unser Haus) zu stoppen. Lieberman kann nach einem anti-arabischen Hass- und Angstwahlkampf die Mandate von elf auf bis zu 19 ausbauen. Um weitere Zugewinne Liebermans zu verhindern, wiederholte Netanjahu am Wochenende sein Versprechen, dass er Lieberman im Falle eines Wahlsieges ein wichtiges Ministeramt geben werde.

Service