CSU-Krise Glos kartet zum Abschied nach
Mit scharfer Kritik an der Kanzlerin hat sich Wirtschaftsminister Glos aus dem Amt verabschiedet. CSU-Parteichef Seehofer gab das Unschuldslamm
Bei einer Sitzung der Berliner CSU-Landesgruppe äußerte Glos am Montagabend angeblich heftige Kritik an Merkel, wie es am Dienstag aus Teilnehmerkreisen hieß. Er warf der CDU-Chefin unter anderem vor, mehr Kontakt zu Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) als zu ihm gesucht zu haben.
Der Münchner Merkur zitierte Glos mit dem Satz: "Sie hat immer geglaubt, ich hätte von vielen Dingen keine Ahnung. Stattdessen hängt sie an den Lippen von Finanzminister Steinbrück, der sich jeden Satz aufschreiben lassen muss." Er habe sich von der Kanzlerin immer öfter "bewusst missachtet gefühlt".
Glos warf Merkel außerdem vor, in der Union Zweifel an seiner Eignung als Wirtschaftsminister genährt zu haben. Vor allem in der CDU sei der Eindruck vermittelt worden, er sei zu dumm, einen Vermerk zu lesen. Dabei habe er sich seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise mit allen Abläufen im Detail befasst – "auch wenn andere das bezweifeln".
Glos bekräftigte, er werde im Sommer auch das Amt des unterfränkischen CSU-Bezirksvorsitzenden abgeben, sein Mandat im Bundestag jedoch behalten und im Herbst 2009 erneut kandidieren. Er fühle sich zwar zu alt, um das Ministerium weiterzuführen, aber jung genug, um im Bundestag weiterzumachen.
Mit der Entgegennahme der Entlassungsurkunde bei Bundespräsident Horst Köhler gewinne er seine Freiheit zurück: "Ab Dienstag, 14:15 Uhr, bin ich wieder ein freier Mensch."
Parteichef Horst Seehofer wollte die Äußerungen Glos am Dienstagabend nicht kommentieren. Er sagte aber, seiner Ansicht nach sei das Verhältnis zwischen Merkel und Glos so gut gewesen, dass er "schon manchmal neidisch" gewesen sei. Auch er selbst könne nicht erkennen, dass er Glos nicht ausreichend unterstützt habe, sagte Seehofer bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem neuen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dem neuen Generalsekretär Alexander Dobrindt sowie dessen Stellvertreterin Dorothee Bär vor der Bundespressekonferenz in Berlin.
- Datum 25.02.2009 - 11:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Tja, Ahnung haben nützt natürlich nichts, wenn es keiner merkt, wel man nicht so handelt, dass es jemand merken könnte. Verräterisch: Es ist ja schön, wenn sich ein Minister "seit Beginn der Krise" mit allen Details auseinandersetzt. Nur war das ja eine angekündigte Krise, über deren Herannahen schon Monate vorher wilde Dinge zu lesen waren. Da wäre von einem Bundswirtschaftsminister doch wohl zu erwarten gewesen, dass er sich schon VORHER mit dem befasst, was da kommen könnte!? Dass keiner so genau weiss, was jetzt zu tun ist: geschenkt. Aber wenigstens IRGEND EINEN Plan hätte man doch entwickeln können statt nei-ja! zum zweiten Konjunkturpaket und hektischem Stricken an einer Bad-Bank-Alternative, wenn Fall X schon längst eingetreten ist. Warum muss das eigentlich alleine das Finanzministerium machen?
Also ich habe von Herrn Glos keinen ernst zu nehmenden Vorschlag zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise vernommen. Der war (damals) nur gut um auf die "Sozen" einzuklopfen, als Wirtschaftsminister aber nur peinlich.
...als KiTas dar, das ist nicht fair gegenüber den Frauen und Männern die dort ihre Arbeit tun, nur weil der/die jeweilige "Führungsperson" sich benimmt als wäre er/sie die älteste einer KiTa-Gruppe.
Aber den heutigen Journalismus verstehe ich auch nicht mehr, wo bleiben intelligente und hartnäckige Fragen zur Wirtschaftspolitik, zur Finanzpolitik, zur Führungsqualität der Kanzlerin, usw. usw. - wo bleiben diese Fragen, um Schwachpunkte zu entlarven, z.B. die Geldpolitik der Banken, der Fondmanager usw. usw. ...jetzt, wo es zu spät ist, wird nur berichtet, was das für ein Sauhaufen war/ist...
Ein Vorschlag zur Güte, wenn die weiterhin über den Bundestag und die Bundesregierung berichten wollen, dann sollten sie aber auch alle anderen Kindergärten im Land berücksichtigen und ab und zu über sie berichten... man kann doch nicht nur über einen Kindergarten schreiben - wenn er auch der Größte ist - aber er ist nicht unser "Vorzeige-Kindergarten".
Einen schönen Tag noch
nach huber und beckstein schon wieder so ein genialer politiker, ein meister seines faches ... und eigentlich kein gescheiter nachfolger in sicht, armes...
warum nur meinte Herr Glos, er musse die Krise verstehen? Warum befragt er nicht Leute die sich damit auskennen und bildet sich eine Meinung dazu. Dann werden von diesen Fachleuten Vorschläge erarbeitet. Der Minister bringt die richtigen Leute zusammen, setzt Prioritäten und stimmt sich mit seinen Ministerkollegen ab um Synergien zu nutzen. Ein Minister als Führungskraft muss die Arbeit schliesslich nicht selbst machen, dafür hat er Mitarbeiter!
Seltsam seltsam! Was hat ihn nur geritten? Doch der Vorwurf einiger Medien, der 'Müllermeister' sei überforderdert, ist sehr unfair! Die wenigsten Minister sind 'vom Fach' ihres Ressours. Gemeines Nachtreten! Warum kommen solche Sprüche erst jetzt? Vor einem Rücktritt scheint Kritik tabu!
Ist das das neue Traumpaar, das politische Traumpaar?
Michael Glos war überfordert. Das konnte er auch immer wieder in der ihm nicht in Gegnerschaft verbundenen Wirtschaftspresse nachlesen.
Er war ein Stammtischpolitiker alter Schule, der es immer wieder ganz gut verstanden hat, auf den politischen Gegner 'einzuprügeln'. Er war kein Mann für die erste Reihe. Als politischer Strippenzieher, im Auftrag anderer Politiker, konnte er Wirkung erzielen.
Das er für die Kanzlerin und so ein besonderes Kaliber wie den Finanzminister kein kongenialer, ebenbürtiger Partner in der Regierung war, sollte jedem Bürger eigentlich schon vor dem Rücktritt des Wirtschaftsministers aufgefallen sein.
Im Wirtschaftsministerium hat er überhaupt nichts gebracht. Er war für das Führungsteam eher eine Belastung.
Jetzt haben wir noch den Weinbauern Dr. Jung als Problemfall in der Bundesregierung. Eigentlich noch schwächer als Glos. Wieder ein noch zu entsorgender Problemfall auf Seiten der Union.
Und: Freiherr von und zu Guttenberg wird uns wohl noch einige Überraschungen bieten. Dafür scheint er gut zu sein. Die Unternehmensgruppe Schaeffler, mit ihrer "listigen Witwe" Maria Elisabeth Schaeffler an der Spitze, wird die erste große Nagelprobe werden. Mal sehen, wie er als Marktwirtschaftler agieren wird. Den sozialen Aspekt unserer Marktwirtschaft könnte er im Umgang mit seiner Förderin allerdings außer acht lassen. Die ist mit ihrem Privatvermögen gut und ausreichend, bis ans Lebensende, versorgt.
Ich meine, daß die Lösung des drohenden Insolvenzfalles Schäffler/INA/Conti der wahre und ursächliche Anlaß für den Rücktritt von Glos und die Ernennung von von und zu Guttenberg war.
Von und zu Guttenberg ist außerdem ein Politiker, wie ihn die FDP sich nicht besser hätte schnitzen könnte. Erstaunlich, daß ein Mann wie von und zu Guttenberg auch nach der Finanzkrise noch über die Reputation verfügt, die es erlaubt ihn zum Wirtschaftsminister zu ernennen.
Da BILD bis heute nur über die guten Menschen aus der Verwandtschaft oder dem Umfeld des neuen Wirtschaftsministers berichtet hat, hier der Hinweis auf die Zwei, deren Reputation nicht so ganz gut oder ganz schlecht ist:
1. Der Großvater des neuen Wirtschaftsministers, der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundeskanzleramt, war einer der ganz großen Gegner der Ostpolitik Willy Brandts!
2. Der Stiefvater Adolf von Ribbentrop (seit etwa dem 14. Lebensjahr) ist der Sohn eines Naziverbrechers, der ehemalige Außenminister der verbrecherischen Nazi-Diktatur, der von den Allierten zum Tode verurteilt und gehängt wurde.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren